Versorger kommen ins Schwitzen

Trinkwasserabgabe im Landkreis wegen Sommerwetter teils stark erhöht

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Trinkwasser wird derzeit sehr viel gezapft.
  • Luka Spahr
    vonLuka Spahr
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Landkreis – Trauer, Hoffnung und Erleichterung. Wer hätte gedacht, dass ein einfacher Wetterumschwung so viele Emotionen auslösen kann? Brachten die Tage rund um Pfingsten schon regelrecht Hochsommer-Temperaturen mit sich, ist es jetzt wieder merklich abgekühlt.

Was bei Sonnenliebhabern und Schwimmern für Traurigkeit sorgt, stimmt die Landwirte hoffnungsvoll. Bekommen die Äcker jetzt endlich die dringend benötigten Regenfälle ab? In diesem Text soll es jedoch um die dritte Emotion gehen: die Erleichterung. In den Wasserwerken des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbands (OOWV) wischen sich die Verantwortlichen derzeit erleichtert die Schweißtropfen von der Stirn.

„Über das zurückliegende Pfingstwochenende gaben die 15 Wasserwerke täglich rund 300 000 Kubikmeter Trinkwasser ab und damit fast ein Drittel mehr als im Durchschnitt“, teilt der Wasserverband wenige Tage nach Pfingsten in einer Pressemitteilung mit. So seien bereits vereinzelt Druckanpassungen nötig gewesen, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, heißt es.

Der OOWV versorgt über sein Wasserwerk in Harpstedt den Raum rund um Bassum und Twistringen. Dort wurden am Pfingstwochenende zu Spitzenzeiten 7 959 Kubikmeter Trinkwasser pro Tag abgegeben.

Das nimmt sich der Verband zum Anlass, zum ersten Mal in diesem Jahr zum Wassersparen aufzurufen. „Der OOWV appelliert daher an die Bevölkerung, Garten- und Grünflächen nicht mit Trinkwasser zu bewässern und insbesondere auf das Rasensprengen zu verzichten“, so OOWV-Bereichsleiter Andreas Körner in der Mitteilung.

Doch wie sieht es bei den anderen Trinkwasser-Versorgern im Landkreis Diepholz aus? Neben dem OOWV sind das die Wasserverbände EVB Huntetal (Wasserwerke in St. Hülfe und Wagenfeld), Sulinger Land (Wasserwerke Kirchdorf und Sulingen), Samtgemeinde Lemförde (Wasserwerk Lemförde) und die Wasserversorgung Syker Vorgeest beziehungsweise die Harzwasserwerke als Vorversorger (Wasserwerk Ristedt).

Dort sieht die Lage offenbar noch entspannter aus. Der Wasserverband Sulinger Land habe zwar in den vergangenen Tagen eine höhere Trinkwasserabgabe verzeichnet, als sonst zu dieser Zeit üblich, „zum Wassersparen rufen wir aber noch nicht auf“, so Verbandsgeschäftsführer Andreas Geyer. „Wir sind noch weit von der Kapazitätsgrenze entfernt“, beruhigt er. Konkret bedeutet das, die Wasserwerke in Kirchdorf und Sulingen hätten zuletzt bei einer Spitzenauslastung von 80 Prozent der möglichen Kapazität gearbeitet.

Komplett vom Hinweis des OOWV distanzieren, will Geyer sich jedoch auch nicht. „Es ist immer besser, den Garten nicht mit hochwertigem Trinkwasser zu bewässern“, stellt er klar.

In dasselbe Horn stößt auch Sascha Seekamp, technischer Leiter beim Wasserversorger Syker Vorgeest. So ruft auch er zum sorgsamen Umgang mit dem kostbaren Gut auf. Im Raum Syke wurde über die Pfingsttage ebenfalls eine erhöhte Trinkwasserabgabe festgestellt. Es habe einen „etwas anderen Verbrauch“ gegeben, das sei aber noch „keine außergewöhnliche Lage“, so Seekamp. Die Fördermenge an der Pumpstation in Ristedt mit bis zu 200 Kubikmeter in der Stunde nennt er „nicht außergewöhnlich“, die Pumpleistung an der Station in Sudweyhe liege mit 400 bis 450 Kubikmetern pro Stunde gerade einmal bei etwa 50 Prozent der Maximalauslastung. Mit Blick auf den Grundwasserpegel habe er auch keine Bedenken, so Seekamp.

Als Grund für den erhöhten Wasserverbrauch sieht er neben dem „extrem warmen Mai“ auch die Corona-Pandemie. Wegen der Schließung der Freibäder hätten sicherlich einige Eltern Pools für ihre Kinder gekauft und diese mit Trinkwasser befüllt, so der technische Leiter des Wasserverbands. Das mache sich schon bemerkbar.

In Lemförde haben sich die hohen Temperaturen ebenfalls am Wasserwerk niedergeschlagen. Aus dem Rathaus heißt es: „Der Wasserverbrauch ist gegenüber dem Vorjahr im Monat Mai angestiegen.“ Beruhigende Worte allerdings auch dort: „In der Samtgemeinde ‘Altes Amt Lemförde’ war die Trinkwasserversorgung aber zu keinem Zeitpunkt kritisch.“ Dennoch sei „bei diesen Wetterlagen ein sorgsamer und überlegter Einsatz unseres Lebensmittels Nr. 1 ratsam“, so das Rathaus auf Nachfrage.

Im Raum Diepholz und Wagenfeld haben die Stadtwerke Huntetal als Endversorger über die Pfingsttage ebenfalls neue Spitzenwerte für dieses Jahr bei der Trinkwasserabgabe verzeichnet. Laut einer Mitteilung habe das Wasserwerk St. Hülfe am 1. Juni mit 640 Kubikmeter pro Stunde seinen bisherigen Jahreshöchstwert erzielt. In Wagenfeld wurde am selben Tag mit 430 Kubikmeter pro Stunde ebenfalls der Rekord in diesem Jahr geknackt.

„Trinkwasser sparsam nutzen!“, fordert jetzt auch der Wasserversorger EVB Huntetal. „Legen Sie Tätigkeiten mit hohem Wasserverbrauch, zum Beispiel das Wäschewaschen nicht in die Spitzenverbrauchszeiten. Verzichten Sie auf unnötiges Rasensprengen und das Befüllen von Gartenpools“, fordert Stefan Brun als Bereichsleiter Technik bei den Stadtwerken die Bürger auf. Diese Spitzenverbrauchszeiten liegen übrigens zwischen 7 und 10.30 Uhr sowie zwischen 16.30 und 22 Uhr.

Und, um ein Gefühl dafür zu bekommen, was Rasensprenger und Pool so an Wasser verbrauchen: Während der normale Tagesverbrauch eines Erwachsenen laut EVB Huntetal bei etwa 120 Litern liegt, schlägt ein Planschbecken für Kinder mit rund 440 Litern zu Buche und ein Rasensprenger sogar mit bis zu 800 Litern pro Stunde.

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