Erkältungszeit bedroht Betreuungsangebote

Verschärfter Personalmangel in Bassumer Kitas aufgrund steigender Ausfälle der Mitarbeiter

Die Betreuungsangebote in den Bassumer Kitas sind in der Erkältungszeit aufgrund des Personalmangels teilweise bedroht.
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Die Betreuungsangebote in den Bassumer Kitas sind in der Erkältungszeit aufgrund des Personalmangels teilweise bedroht.

Täglich umgeben von kleinen „Rotznasen“ birgt die Erkältungszeit zusätzliche Herausforderungen für die Bassumer Kindertagesstätten. Auch ohne krankheitsbedingte Ausfälle von Erzieherinnen klagen Betreuungseinrichtungen über Personalmangel. Diese Situation verschärft sich aktuell weiter.

Kita Rentei

Bassum – Elke Redenius-Rehling, Leiterin der Bassumer Kindertagesstätte Rentei erklärte auf Anfrage der Kreiszeitung, dass sie die letzten Wochen nur damit beschäftigt war, Notgruppen zu organisieren. Die Kita hatte beim Personal einen hohen Krankenstand zu verzeichnen. „In unserer Einrichtung sind zur Zeit alle vorgeschriebenen Stellen und auch eine Vertretungsstelle besetzt. Die pädagogischen Fachkräfte sind in der täglichen Arbeit mit den Kindern mehr als ausgelastet.“ Die Anforderung, den Bildungsauftrag zu gewährleisten, stelle die Fachkräfte gerade in der bestehenden Krankheitswelle vor eine große Herausforderung.

In der evangelisch-lutherischen Einrichtung sind 25 Kinder in den Gruppen. Ihnen sind jeweils zwei Erzieherinnen zugeordnet. Die grassierende Erkältungs- und Grippewelle stelle die Kita-Mitarbeiter im Augenblick vor die Herausforderung, dass sie aufgrund des neuen Kindertagesstätten-Gesetzes in den Rand- und Kernzeiten immer zwei pädagogische Fachkräfte vorhalten müssten. Dies gelte auch bei Gruppen unter zehn Kindern. Das sei vorher anders gewesen, erklärt Redenius-Rehling; da hieß es, dass bei bis zu zehn Kindern eine Fachkraft ausreichte. Deshalb könne jetzt nicht immer eine Betreuung gewährleistet werden.

Notgruppen und gekürzte Betreuungszeiten

Diese Regelung hat in den vergangenen Wochen verstärkt dazu geführt, dass in der Bassumer Betreuungseinrichtung Notgruppen eingerichtet beziehungsweise Betreuungszeiten gekürzt werden mussten.

„Bisher haben wir dank der Unterstützung der Eltern, die ihre Kinder zu Hause behielten, alles gut geschafft. Ich verstehe aber auch die Eltern, die irgendwann Unmut äußern, weil ich die Zeiten kürzen oder gar Notgruppen einrichten muss. Ich blicke mit großer Sorge auf die nächsten Wochen. Denn wenn Kolleginnen krank sind, kann ich nichts machen. In unserer Einrichtung betreuen wir 110 Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren, verteilt auf zwei Häuser in der Zeit von 7 bis 16 Uhr.“

Auf die Frage, ob sich die Kita-Leiterin mehr Personal wünsche, meint sie: „Ich hätte mir vom Kindertagesstätten-Gesetz gewünscht, dass die Gruppengrößen reduziert werden und die pädagogischen Fachkräfte dadurch die Möglichkeit hätten, wirklich individuelle Bildungsangebote für die Kinder anbieten zu können. Auch mehr Vorbereitungszeit für die Mitarbeiter, damit alle erforderlichen Dokumentationen auch erledigt werden können, wünsche ich mir.“

Kita Kinderreich

In der städtischen Kita Kinderreich in Bassum sind laut dem Leiter Franz Holsten aktuell alle Gruppen, entsprechend der Vorschriften besetzt. „Problematisch wird es immer, wenn es Ausfälle aufgrund von Krankheiten gibt. Wir haben bei der Stadt einen Vertretungspool, aus dem dann Kräfte zum Einsatz kommen. Bisher musste ich hier im Hause in zwei Gruppen im aktuellen Jahr einmal einen Notdienst anbieten. Es ist aber sehr schwer, neue Kolleginnen auf dem ,Markt‘ zu bekommen.“

Aufgrund der Zunahme und Veränderung von Aufgaben in der Betreuung hält der Kita-Leiter die Auslastung seiner Kolleginnen für sehr hoch. Franz Holsten: „Die Erkältungszeit lässt den Krankenstand erfahrungsgemäß ansteigen. Insbesondere am Wochenbeginn verbringe ich die erste Stunde des Tages damit, die Kolleginnen so einzuplanen, dass alle Gruppen besetzt sind.“

Der vorgeschriebene Gruppenschlüssel müsse dabei stets eingehalten werden. Ansonsten muss die Zahl der Kinder reduziert werden, also ein „Notdienst“ ausgerufen werden. In diesem Fall stimmt dann der Personalschlüssel aufgrund der geringeren Kinderzahl wieder.

Ausbildungsbedingungen müssen sich ändern

„In den letzten Jahren war es immer schwierig, alle Kinder, gerade auch entsprechend des Elternwunsches, unterzubringen. Bassum baute und baut aktuell einige neue Kindergartengruppen. Doch mehr Personal wäre schön“, so der Leiter der Kita Kinderreich.

Er denke, dass sich die Ausbildungsbedingungen verändern müssten. Beispielsweise gebe es bislang keine Vergütung in der Ausbildung.

Ein wesentlich größeres Qualitätsmerkmal wäre eine Veränderung des Personalschlüssels.

Hierzu gebe es bereits seit zwei Jahrzehnten Empfehlungen. Beispielsweise rät die Bertelsmann Stiftung, den Schlüssel auf 18 zu 2 im Bereich der über Dreijährigen und auf 12 zu 3 im Krippenbereich zu reduzieren.

Lukas-Kita

Christoph Schließke, kaufmännischer Geschäftsführer der Lukas Kindertagesstätte, meint auf Anfrage, dass sie keinen Personalmangel hätten. Trotzdem sei die Auslastung der Mitarbeiter hoch.

In den Kindergartengruppen in Bassum betreuen zwei Erzieherinnen 25 Kinder, in der Krippe drei Personen 15 Kinder. „Die Erkältungszeit hat sich bei uns noch nicht bemerkbar gemacht. Daher können wir den Betrieb bisher ungefährdet durchführen“, so Schließke.

Gerne hätte die Lukas-Kita mehr Personal. Es gebe jedoch zu wenig ausgebildetes Personal. Dies werde sich auch in den kommenden Jahren nicht ändern.

Personalschlüssel in der Kita

Der Personal- beziehungsweise Erzieher-Kind-Schlüssel ist neben der Gruppengröße und der Qualifikation des pädagogischen Personals ein zentrales Merkmal für die Strukturqualität einer Kindertageseinrichtung. Bezeichnet wird hiermit ein Anstellungsschlüssel, der die bezahlte Arbeitszeit einer pädagogischen Fachkraft ins Verhältnis zu den zu betreuenden Kindern und den jeweiligen Betreuungszeiten setzt – und dies über den Zeitraum eines Jahres und unter der Annahme einer Vollzeitbeschäftigung. Die gesetzlichen Mindestanforderungen ergeben sich in Niedersachsen aus der maximalen Gruppengröße (Kindergärten: 25; Krippen: 15) sowie der Anzahl der Fachkräfte, die gemäß Paragraf vier Absatz zwei und drei des KiTa-Gesetzes pro Gruppe eingesetzt werden müssen (Gruppenleitung plus Zweitkraft). In Niedersachsen liegt der Personalschlüssel in Kindergärten im Schnitt bei 1 zu 8,0. In Krippen bei 1 zu 3,7.
Quelle: Nds. Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung

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