Bodo Heuermann forscht nach den Personen hinter den Widmungen

Unsterblich in Straßennamen

Agnes Schlu (dritte von rechts, sitzend) gehörte unter anderem zu den Gründerinnen des Vaterländischen Frauenvereins.  
Repro: Stadtarchiv
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Agnes Schlu (dritte von rechts, sitzend) gehörte unter anderem zu den Gründerinnen des Vaterländischen Frauenvereins. Repro: Stadtarchiv

Bassum – Insgesamt sind es 13. Menschen, die in Bassum lebten und – oder – etwas für die Stadt taten. Zumindest ihre Namen sind unsterblich. Dafür hat die Stadt gesorgt, in dem sie Straßen nach ihnen benannte. Doch wer waren die Menschen, deren Namen einem meist beim Vorbeifahren im Auto begegnen? Gästeführer Bodo Heuermann versucht, darauf Antworten zu geben. Mithilfe seiner Kontakte und des Materials, das Michael Junge und seine Mitstreiter vom Stadtarchiv Bassum zusammentragen, einordnen und verwalten. Von manchen konnte er sich ein Bild machen. Andere bleiben nicht so richtig greifbar, weil Informationen fehlen.

„Es ist eine Sisyphus-Arbeit“, findet Junge und öffnet einen der vielen Kartons, in dem Unterlagen aufbewahrt werden. „Früher wurde auch nicht groß begründet, warum man eine Straße nach jemandem benannte, und vor 1970 gibt es überhaupt keine Unterlagen zu dem Thema im Stadtarchiv.“

Doch was wissen Heuermann und Junge über die Bassumer, die in den Straßen verewigt wurden?

Agnes-Schlu-Straße

Geboren 1859, gestorben 1933. Sie war Mitbegründerin und Mitglied im Vaterländischen Frauenverein – Vorläufer des Deutschen Roten Kreuzes – und pflegte etwa 20 Jahre lang den Kaufmann Georg Pflüger, der sich auf den Sandwichs-Inseln ein schweres Gemütsleiden zugezogen hatte. 1900 starb er. Seine Schwester, Frau Konsul Marie-Hackfeld aus Bremen, wollte aus Dankbarkeit für die Pflege Agnes Schlu einen Wunsch erfüllen. „Diese Gelegenheit benutzte Fräulein Schlu in hochherziger und uneigennütziger Weise, dem damaligen Flecken Bassum Mittel für den Krankenhausbau zu verschaffen“, heißt es in den Quellen. „Sie war eine edle Frau mit geradem Sinn und ohne Falsch, mit tiefer Seele und adeligem Herzen.“

Marie-Hackfeld-Straße

Geboren 1829, gestorben 1907. Sie ging auf den Wunsch der Pflegerin ihres Bruders, Georg Pflüger, ein und stiftete einen Betrag von 30 000 Goldmark mit der Bedingung, dass bis zum 1. Mai 1903 das neu zu erstellende Krankenhaus der Öffentlichkeit übergeben werden und die Größe des Hauses „einer Bevölkerung von 10 000 Seelen genügen müsse“. Schon 1896 hatten Kirchenvorstand und Gemeindevorsteher beschlossen, ein Krankenhaus zu bauen, doch die Mittel fehlten. Hackfeld verlängerte die Frist noch mal bis zum 1. Oktober und gab erneut eine beachtliche Spende. So konnte das Krankenhaus pünktlich fertiggestellt werden.

Bürgermeister-Bernard-Straße

Geboren 1934, gestorben 1988. Der Lehrer und von 1982 bis 1988 Rektor der Bassumer Grundschule wurde 1967 Ratsmitglied und 1972 mit 38 Jahren zum Bürgermeister gewählt. In seiner Amtszeit wurden viele Projekte umgesetzt wie das Schulzentrum Petermoor, der Kindergarten Kinderreich, das Hallenbad sowie die Sporthallen Bassum, Bramstedt und Neubruchhausen. Er wohnte an der Querstraße, von der ein Teil heute seinen Namen trägt.

Bürgermeister-Lienhop-Straße

Geboren 1833, gestorben 1915. Er arbeitete auf die Vereinigung der drei Flecken Bassum, Freudenberg und Loge hin und war von 1896 bis 1901 Bürgermeister. Er richtete 1874 das Archiv des Stiftes ein, war im Kirchenvorstand sowie in der Bezirks- und Landessynode tätig. Bis zu seinem Tod war er Stiftsrentmeister des Stiftes, engagierte sich für den Bau der Eisenbahnstrecke Bassum – Herford und gilt als Vater der landwirtschaftlichen Winterschule in Bassum, die 1888 eröffnet wurde.

Ernst-Wöhlke-Ring

Geboren 1861, gestorben 1939. Der Sattlermeister kaufte 1897 die Häuser an der Kirchstraße 7 und 7a. Nach seinem Tod vermachte seine Witwe, die ein Handarbeitsgeschäft besaß, die Immobilien der Stadt.

Wilhelm-Wilkens-Ring

Geburtsdatum liegt dem Archiv nicht vor, gestorben 1937. Er war ein Vertreter für Margarine und besaß ein Geschäft an der Bremer Straße. Das Grundstück vermachte er nach seinem Tod der Stadt, die es an die angrenzende Bäckerei Deiermann verkauft hat. Allerdings kam die Stadt erst einige Jahre nach dem Tod Wilkens’ in Besitz des Grundstücks. Das lag daran, dass der eigentliche Erbe, der Sohn Hans, mit dem Zeitpunkt vom 31. Dezember 1945 im Jahr 1966 für tot erklärt wurde.

Manfred-Krause-Straße

Geboren 1934, gestorben 2003. Der SPD-Ratsherr engagierte sich stark für soziale Themen und Bildung. Bei der Widmung der Straße wurde Krause vom damaligen Bürgermeister Wilhelm Bäker als „charakterstark und selbstlos“ bezeichnet. Zudem bescheinigte er ihm „ein großes Fachwissen“. Krause hatte auch einen Sitz im Kreistag, war stellvertretender Bürgermeister der Stadt Bassum und Vorsitzender des Kultur- und Heimatvereins.

Wilhelm-Rohlfs-Straße

Geboren 1896, gestorben 1966. Er war Lehrer und später auch Rektor an der Volksschule Bassum, „ein bewährter Pädagoge, ein Schulmann durch und durch und ein treuer, echter Sohn der Heimat“. Unter anderem ließ er seine Schüler Kapitel über Heimatgeschichte schreiben, die er in kleinen Heftchen zusammenfasste und veröffentlichte, die wiederum von nachfolgenden Schülern genutzt werden konnten. Rohlfs leistete erfolgreiche Aufbauarbeit für die hiesige Landwirtschaftliche Berufsschule, die er bis 1947 leitete.

Heinz-Zurmühlen-Straße

Geboren 1921, gestorben 2005. Er war von 1968 bis 1986 Landrat, unter anderem bis zur Gebietsreform im Jahr 1974 viele Jahre Bürgermeister der Gemeinde Bramstedt (1952 bis 1974) und von 1972 bis 1974 Samtgemeindebürgermeister. Er war der erste Ortsvorsteher der Ortschaft Bramstedt im Zeitraum von 1974 bis 1991. In der durch die Gebietsreform „neu“ gebildeten Stadt Bassum war er von 1974 bis 1986 stellvertretender Bürgermeister.

Adolf-Garbs-Straße

Geboren 1923, gestorben 2010. Er war 1974 bis 2001 Ortsvorsteher in Nordwohlde und zuvor Ortsbürgermeister.

Evers-Ring

Geboren 1937, gestorben 2019. Heinrich Evers war 2001 bis 2007 Ortsvorsteher in Nordwohlde, seine Frau Inge Evers übernahm das Amt nach seinem Tod bis 2015.

Richardis-von-Stade-Straße

Geboren 1125/29, gestorben 1152. Im Jahr 1151 wird sie Äbtissin von Bassum und stirbt ein Jahr später. Sie war eine enge Vertraute der Hildegard von Bingen, half ihr unter anderem beim Verfassen ihrer Bücher. Hildegard von Bingen hatte bis zum Schluss dafür gekämpft, ihre Vertraute an ihrer Seite behalten zu dürfen. Doch Richardis Bruder Hartwig, Erzbischof von Bremen, hatte andere Pläne mit seiner Schwester gehabt.

Richterstraße

Geburts- und Todesdatum liegen dem Archiv nicht vor. Die Straße ist wohl eine der ältesten von Bassum. 1909 wird sie zum ersten Mal unter diesem Namen erwähnt (vorher Seilerstraße) und bezieht sich auf Johann-Friedrich Richter. Er war Steuereintreiber unter der Herrschaft Napoleons. Womit er sich eine Widmung verdiente, bleibt im Dunkeln.

Hinweise

Das Stadtarchiv freut sich immer, Lücken über Persönlichkeiten und historische Ereignisse zu füllen. Wer Infos oder Hinweise zu der einen oder anderen Person geben möchte, kann sich melden unter 04241/84920.

Von Julia Kreykenbohm

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