OOWV: Probleme beim Pumpwerk in Bramstedt

Immer wieder: Falsch entsorgte Feuchttücher

Ein Mitarbeiter der Firma Nehlsen reinigt das betroffene Rohr.
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Ein Mitarbeiter der Firma Nehlsen reinigt das betroffene Rohr.

Eine Packung Feuchttücher kostet in vielen Online-Shops knapp zwei Euro. Doch wenn sie falsch entsorgt werden, kommen mal locker 1000 Euro zusammen. So wie an diesem Morgen in Bramstedt.

Bramstedt - Anlagenkoordinator Gerd Lehmkuhl vom Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband (OOWV) steht gemeinsam mit einem Kollegen am Kirchweg in Bramstedt und schaut zu, wie ein Mitarbeiter der Firma Nehlsen Kanal- und Abwasserservice aus Lohne mit einem Schlauch in einem tiefen Schacht herumhantiert. Ein unangenehmer Geruch steigt daraus empor.

In diesem Schacht befindet sich das Hauptpumpwerk des Ortes. Alle Abwässer von Bramstedt – mit Ausnahme der Haushalte, die eine eigene Klärgrube haben – landen dort. Lehmkuhl und seine Kollegen stehen mittlerweile alle vier Wochen an dieser Stelle, meist mit Mitarbeitern der Firma Nehlsen an ihrer Seite. Der Grund: Feuchttücher, die Anwohner in der Toilette entsorgen, legen das Pumpwerk lahm.

1000 Euro an Kosten

„Die automatische Meldeanlage gibt die Störung an die Kläranlage weiter. Dann rückt unser Bereitschaftsdienst aus, schaut sich an, was los ist, und ruft dann meist die Firma hinzu“, erläutert Lehmkuhl. Dann pumpt der OOWV das Wasser aus dem Rohr, Nehlsen saugt den Klumpen heraus und reinigt anschließend noch alles. Nach knapp zwei Stunden ist die Arbeit getan – und der OOWV um etwa 1000 Euro leichter.

Lehmkuhl zeigt mehrere, faserige, dreckige Bänder, die er problemlos um seine Hand wickeln und ziehen kann, ohne, dass sie reißen – obwohl sie schon tagelang im Wasser herumgedümpelt sind: die Überreste der Feuchttücher. „Die sind reißfest und lösen sich nur sehr langsam auf“, erläutert der Anlagenkoordinator. „Eigentlich kommen wir nur einmal im Jahr zur Kontrolle zu den Pumpwerken. Dann mussten wir halbjährlich anrücken. Nun stehen wir alle vier Wochen hier.“

Ein deutschlandweites Problem

„Es ist ein deutschlandweites Problem“, weiß Silvia de Vries von der Firma Nehlsen, die auch im Raum Osnabrück und Wildeshausen unterwegs ist. „Wir wissen nicht genau, warum der Trend zunimmt. Am Anfang der Corona-Krise, als das Klopapier oft vergriffen war, kauften die Leute als Alternative viele Feuchttücher. Das machte sich bemerkbar.“ Aber mittlerweile müssten diese doch wieder verbraucht sein? Lehmkuhl zuckt etwas ratlos mit den Schultern. Manchmal könne man herausfinden, aus welchen Haushalten die Tücher stammen. Dann spricht der OOWV die Bewohner an. „Aber wenn man nachfragt, war es immer keiner.“ Dabei versucht der Wasserverband schon lange, über die Folgen aufzuklären, unter anderem mit Flyern.

Auffällig sei, dass das Pumpwerk in Bramstedt immer wieder Probleme mache. „Wir haben 72 Pumpwerke im Raum Bassum. 46 haben zwei Pumpen wie das hier in Bramstedt. Aber das am Kirchweg ist ständig betroffen“, sagt Lehmkuhl und blickt zum Schacht, wo der Mitarbeiter von Nehlsen gerade das Fett vom Rand des Rohres abspritzt. Dabei steigen Gase auf, die nicht gerade gesundheitsförderlich sind. Aus diesem Grund sind die Mitarbeiter unter anderem gegen Hepatitis A und B geimpft.

Der OOWV appelliert an die Bürger, ihre Feuchttücher nicht mehr in der Toilette zu entsorgen – zumal am Ende auch sie draufzahlen werden, denn der OOWV muss die gestiegenen Betriebskosten am Ende wieder reinholen, durch höhere Entgelte beim Verbraucher.

Was von Feuchttüchern übrig bleibt, ist unappetitlich - und sorgt für viel Ärger.

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