Umweltschutz beim Hundespaziergang

Warum Ralf Schauwacker beim Gassi gehen immer eine Mülltüte mitnimmt

Ein Hund und ein Mann sitzen mit einem Müllsack auf einer Tischtennisplatte
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Nach dem Rundgang sehen sich Ralf Schauwacker und Hund Bo die „Ernte“ an.

Ralf Schauwacker aus Bassum ist eigentlich Filmemacher. Wenn er allerdings mit seiner Hündin Bo spazieren geht, dann wird er – bewaffnet mit einer Mülltüte – zum Umweltschützer. Unsere Reporterin hat Ralf Schauwacker begleitet und mit ihm über seine Filmprojekte und über Umweltschutz gesprochen.

Bassum - „Hallo. Von mir aus können wir gleich loslaufen.“ Mit diesen Worten begrüßt mich Ralf Schauwacker auf dem Hof in Groß Henstedt. Er steht angezogen bereit, dicke Jacke, Mütze, Handschuhe und einen schwarzen Müllsack in der Hand. Der Bassumer sammelt seit einiger Zeit auf seinen Spaziergängen Abfall. Ich werde ihn heute auf seiner Tour begleiten. Ihn und Bo, den quirligen Familienhund.

Ralf hält mir eine Art Pikser vor die Nase. „Habe ich bei uns in der Scheune gefunden. Damit brauche ich mich nicht mehr bücken.“

Wir machen uns auf den Weg. Das Wetter spielt mit. Es ist trocken. Wir laufen keine zehn Meter, schon pickt Ralf das erste Plastikteilchen auf. Ein Stück Plane. „Ich gehe gerne spazieren und habe mich immer über den Müll in der Umgebung geärgert“, erläutert er seine Beweggründe. Beim Spaziergang mit Bo hat er irgendwann eine Mülltüte mitgenommen. Seine Erfahrung: „Eine zwei bis drei Kilometer lange Strecke ergibt einen Sack Müll."

Schauwacker entdeckt vor allem landwirtschaftlichen Abfall

„Ich wollte mir noch mal die Mühe machen und sortieren“, sagt er. „Um zu schauen, woher der Müll kommt.“ Er glaubt, das meiste sei landwirtschaftlicher Abfall, vor allem Reste von Planen. Und tatsächlich hat er bereits nach kurzer Wegstrecke diverse Folienreste eingetütet. „Das wird dann irgendwann Mikroplastik“, sagt Schauwacker.

„Jetzt im Winter sieht man die Stückchen besonders gut.“ Schauwacker pikst wieder etwas Plane auf. Er hat mittlerweile einen Blick dafür. „Ich ertappe mich, dass ich mich freue, wenn ich was finde“, schmunzelt er. Man verfällt in einen richtigen Suchmodus, ähnlich wie bei einer Schatzsuche.“ Suchen muss er aber nicht, es liegt allerhand am Wegesrand. Ich bin erstaunt über die Menge.

Der Hundehalter aus Bassum ist eigentlich Filmemacher

Während wir laufen unterhalten wir uns über das Leben, die Politik und seine aktuellen Projekte. Ralf Schauwacker ist Filmemacher. Er dreht seit Jahren Lehrfilme, Dokumentarfilme, Kurz- und Spielfilme. Sein Roadmovie „The Big Underwear Social Tour“ lief sogar im Kino.

Ende Februar feiert das Projekt „Wo gehst du hin“ von Künstlern aus der Region Premiere. Ralf Schauwacker arbeitet an dem Projekt mit und hat Menschen mit Fluchterfahrungen interviewt. Er lässt Ältere zu Wort kommen, die in den Wirren des Zweiten Weltkriegs fliehen mussten, aber auch Flüchtlinge, die jüngst über das Mittelmeer geflohen sind und ihr Leben riskiert haben. „Derzeit mache ich den Grobschnitt“, erzählt er. Einige hätten in den Interviews geweint. „Das ist schon hart.“

Auch Jugendliche aus der Region kommen zu Wort. „Sie sollten sagen, wie sie sich Flucht vorstellen“, erzählt er. Künstlerische Elemente unterstreichen die persönlichen Erinnerungen. „Zum Schluss sind Sequenzen zu sehen, in denen die Gesichter miteinander verschmelzen.“ Ein Hinweis auf das Thema Flucht durch die Jahrhunderte. „Es ist etwas, was den Menschen in seiner Geschichte begleitet“, sagt Schauwacker.

Das Thema beschäftigt ihn. „Ich bin so froh darüber, in Bassum zu wohnen. Ich freue mich immer wieder, dass die Willkommenskultur hier so ausgeprägt ist.“ Nach einer kurzen Pause sagt er: „Ich finde es schlimm, dass heute Unsagbares wieder gesagt wird.“ Mittlerweile lasse er nichts mehr unkommentiert – auch keine blöden Sprüche.

Ab mit dem Müll in die Tüte.

Schauwacker spricht neben Hundespaziergang von Filmideen

Während wir uns unterhalten, füllt sich die Mülltüte – neben Folienstücken liegen Kaffeebecher herum. Abrupt bleibt Schauwacker stehen. Der Pikser tippt auf eine Fliese im Gras. Währendessen hat Bo ein Mauseloch entdeckt und buddelt. Schauwacker pfeift. Weiter geht’s.

Ein Traum des Filmemachers ist es, in Mexiko einen Film über die Zapatistas zu drehen. Dort werde Basisdemokratie gelebt, sagt er. „Das würde mich interessieren.“ Aber es sei für Kameraleute schwierig, dort zu filmen, weil sich die Zapatistas nur maskiert der Kamera stellen. Ralf Schauwacker interessiert sich für die Menschen hinter der Maske. Er erzählt von dem Kampf der Bewegung für Land, Gesundheit, Bildung und Freiheit. „Wer sich dafür interessiert: Es gibt den Film ,Aufstand der Würde’.“

Viele Filme im Ausland und über Pferde gedreht

Würde er auswandern, wenn er könnte? „Dann müsste mein ganzes soziales Umfeld mitauswandern“, sagt er und lacht. „Das geht schlecht.“

Er sei aber gern auf Reisen. „The Big Underwear Social Tour“ führte ihn vor einigen Jahren von Mexiko in Richtung Panama. Mehrmals im Jahr filmt Schauwacker in Spanien. Im Sommer dreht er einen Imagefilm für das Gestüt La Perla. Dort werden Lusitanos gezüchtet. Er gerät ins Schwärmen: „Du stehst in einer einzigartigen Landschaft inmitten von Hunderten recht wilden Pferden, die neugierig ankommen – ein großartiges Gefühl!“

Schauwacker ist passionierter Reiter und hat sich mit Pferdelehrfilmen in der Szene einen Namen gemacht. Sein Werk „Liberty“ erhielt 2016 auf dem Filmfestival EQUUS in New York die Auszeichnung „Best Film International“.

Ein Sack Müll am Ende des Spaziergangs gefüllt

„Grob überschlagen komme ich auf etwa 200 Filme“, sagt er. Darunter sind mehrere Krimis, die er mit Marcello Monaco und Daniela Franzen gedreht hat. Ein Werbefilm über die Piazzetta für die Stadt Bassum ist ebenfalls dabei. An solchen Projekten allerdings verdient er kaum etwas. „Die Tariflöhne für Kameraleute liegen zwischen 600 und 1.200 Euro. Mein Tagessatz beträgt zwischen 350 und 400 Euro.“ Die meisten würden die Arbeit nicht sehen, die in den Filmen steckt. Jeder meine heute, filmen zu können, nur weil er irgendwas auf Youtube veröffentlicht. „Es wird schwerer, Filme zu verkaufen.“

Mittlerweile sind wir an einer Weide angekommen, auf der zwei Hütehunde wachen. Selbst Bo hält Abstand, als sie zu bellen beginnen. „Hier war ich schon. Da dürfte eigentlich nicht viel zu finden sein.“

Zukunftsangst hat Schauwacker nicht. „Arbeiten bis zum Umfallen“, sagt er und grinst. Und vielleicht kommt irgendwann eines seiner weiteren Lieblingsthemen zum Tragen: bedingungsloses Grundeinkommen. Der Filmemacher ist ein großer Befürworter. Das Gespräch darüber muss aber warten. Wir sind wieder am Plendelhof angekommen. Gut eine Stunde ist vergangen. „Sag ich ja, eine Runde, ein Sack Müll“, sagt Schauwacker und hält die Tüte in die Kamera.

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