Umfrage unter CDU-Politikern

Seehofers Rücktrittsangebot befremdet lokale Unionskollegen

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Horst Seehofer hatte am Sonntag einen Rücktritt von seinen Ämtern in den Raum gestellt. 

Bassum - Die kleine Schwester aus Bayern hält die CDU im Moment ziemlich in Atem. Oder besser gesagt derjenige, der die kleine Schwester führt: Horst Seehofer sorgt derzeit für viel Furore. Wie sehen Bassums CDU-Politiker sein Verhalten?

„Ich vermute, dass das hauptsächlich mit dem Wahlkampf in Bayern zu tun hat“, schätzt Hans-Hagen Böhringer, Fraktionsvorsitzender der CDU Bassum, die Lage ein. Allerdings strapaziere der CSU-Vorsitzende die Zusammenarbeit mit der CDU. „Erst sagt er, er macht es notfalls im Alleingang, jetzt will er zurücktreten – das wirkt schon etwas übertrieben“, findet Böhringer. „Vor allem, da er genau weiß, dass er sowieso keinen Alleingang machen kann. Es kann nur eine gemeinsame Lösung geben. Und wenn er schon damit droht, zurückzutreten, nur weil er nicht bekommt, was er will, sollte er es doch gleich wirklich tun.“

Angela Merkel solle sich auf keinen Fall von Seehofer unter Druck setzen lassen. „Es ist bedauerlich, dass er die Zusammenarbeit scheitern lassen will, nur weil man sich in einem Punkt nicht einig wird und am Ende profitieren Dritte davon, wie die AfD.“ Trotz allem sieht Böhringer des Verhältnis zwischen CDU und CSU nicht nachhaltig beschädigt. „Ich denke, man kann sich wieder zusammenraufen.“

Knoerig: „Wie ein Weckruf“

Anders beurteilt Bundestagsabgeordneter Axel Knoerig das Handeln Seehofers. „Er hat dadurch erreicht, dass auf EU-Ebene erkannt wurde, dass es in der Flüchtlingsfrage auch um die Stabilität Deutschlands geht.“ Dies habe wie ein Weckruf gewirkt, der EU-Staaten wie Frankreich und Italien dazu bewegt habe, sich erneut an den Verhandlungstisch zu setzen. „Er hat natürlich alles sehr zugespitzt, aber ohne den Druck Seehofers wäre vieles, was in den vergangenen 14 Tagen durch Angela Merkel erreicht worden ist, nicht zustande gekommen.“

Was jedoch alle befremdet habe, sei Seehofers Bereitschaft zum Rücktritt. Doch sowohl für die CDU als auch für die CSU stehe fest, dass die Fraktionsgemeinschaft bestehen bleibe. „Viele geben Horst Seehofer Recht, aber bei der inhaltlichen Umsetzung sind sie auf Merkels Schiene – also für eine europäische Lösung.“

Landtagsabgeordneter Volker Meyer war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

juk

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