Grabstätte am Wegesrand

Über Generationen hinweg: Erinnerung an den 10. April 1945

Blumen zum Gedenken: Hermann Horeis, Uwe Hinrichs und Friedrich Wilhelm Weitkamp (v.l.) besuchen die Kriegsgräberstätte in Kastendiek. Foto: Schiermeyer
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Blumen zum Gedenken: Hermann Horeis, Uwe Hinrichs und Friedrich Wilhelm Weitkamp (v.l.) besuchen die Kriegsgräberstätte in Kastendiek.

Kastendiek - Von Ute Schiermeyer. Ein kleines grünes Hinweisschild und eine Steinstele weisen an der B51 zwischen Bassum und Bremen in Höhe Kastendiek auf eine Kriegsgräberstätte hin. Dort liegt am Waldrand, unweit des Radwegs, eine gepflegte Grabstätte. Auf deren Grabstein sind die Namen von 23 Männern eingemeißelt, alle verstorben am 10. April 1945.

Was geschah dort in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges? Elfriede Strodthoff, geborene Meyerholz aus Fesenfeld, hat es damals in einem Aufsatz niedergeschrieben: Ein Lastwagen mit 25 deutschen Soldaten, die auf dem Hof Meyerholz in Fesenfeld genächtigt hatten, wurde von einem Artilleriegeschoß der Engländer getroffen. Da sich auf dem Lkw neben Verpflegung auch schwere Munition befand, hatte der Angriff verheerende Folgen. 21 Soldaten waren sofort tot, zwei weitere starben wenig später auf dem damaligen Verbandsplatz in Gräfinghausen. Der Kastendieker Dorfschullehrer Hermann Mindermann identifizierte die Männer im Alter zwischen 17 und 40 Jahren anhand ihrer Soldatenmarken und beerdigte sie vor Ort. Nur zwei junge Männer überlebten den verheerenden Angriff.

Am gestrigen Mittwoch jährte sich das Kriegsereignis zum 74. Mal. Grund genug für Hermann Horeis, die Kriegsgräberstätte zu besuchen. Der Mann aus Balje im Landkreis Stade ist der Sohn eines der beiden Überlebenden. „Der 10. April war quasi der zweite Geburtstag meines Vaters“, sagt er. 60 Jahre lang war sein Vater Henry Horeis zu der Kriegsgräberstätte gekommen, um seiner toten Freunde zu gedenken. Als der Vater vor sieben Jahren altersbedingt nicht mehr Auto fahren konnte, begleitete Hermann Horeis ihn zur Gedenkstätte. Und obwohl Henry Horeis inzwischen verstorben ist, hält Sohn Hermann an der Tradition fest und besucht am Jahrestag weiter die Grabstätte. Seit drei Jahren wird er dabei auch von seiner erwachsenen Tochter begleitet.

„Mein Vater hat nicht viel erzählt“, berichtet Horeis. „Er hatte mit 16 ein Not-Abi gemacht und war dann eingezogen worden. Nachdem er zweimal verwundet worden war, kam dann hier dieses schreckliche Erlebnis.“ Er konnte sich bei einem Bauern verstecken und traf, als er sich wieder bei der Truppe meldete, glücklicherweise auf einen gutmütigen Hauptmann. Dieser soll ihm geraten haben: „Junge, sieh zu, dass du wegkommst.“

„Wir haben das Glück, dass wir seit 74 Jahren vom Krieg verschont wurden“, sagt Hermann Horeis. Allein diese Tatsache sei für ihn ein Grund, den Schicksalsort seines Vaters zu besuchen. „So etwas Schlimmes darf nicht in Vergessenheit geraten“, meint er. Überdies möchte er auch die ehrenamtliche Arbeit von Uwe Hinrichs und Friedrich Wilhelm Weitkamp würdigen, die die Grabstätte seit Jahren pflegen. Sie pflanzen dort regelmäßig Blumen, versorgen sie mit Wasser und halten die Stätte sauber. Über die Jahre entstand eine Freundschaft der beiden Bassumer zu Henry Horeis und Hermann Horstmann, dem zweiten Überlebenden.

Neben den Ehrenamtlichen kümmert sich der Bauhof um die Kriegsgräberstätte. Auf Anregung der Ehrenamtlichen wurde jüngst der alte Jägerzaun entfernt und durch eine hübsche Einfriedung ersetzt, die ein Bauhofmitarbeiter gebaut hat. Auch die gepflasterten Wege wurden professionell ausgebessert. „Fehlt eigentlich nur noch eine Tafel, die auf die Geschehnisse des 10. April 1945 hinweist“, finden die ehrenamtlichen Pfleger und Anwohner Heiner Meyerholz, dessen Tante damals einen Zeitzeugenbericht geschrieben hat. „Vielleicht wäre das ja mal eine Idee für eine Projektwoche oder eine Seminararbeit an einer Schule?“, regen sie an.

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