BÜRGERMEISTERWAHL

Oliver Launer - Typ „Geradeaus-Mensch“

Die Bassumer wählen am 12. September einen neuen Bürgermeister. Zwei Kandidaten gehen ins Rennen: Amtsinhaber Christian Porsch und Herausforderer Oliver Launer. Was sie bewegt, ihnen wichtig ist und was ihre Stärken und Schwächen sind, erzählen sie im Gespräch mit der Kreiszeitung. Zweite Folge: Oliver Launer.

Bassum – Oliver Launer? Der organisiert doch die Bassumer Open-Air-Festivals. Und hat der nicht auch eine Bar? So viel ist bekannt über den 55-Jährigen, der antritt, um Bürgermeister in Bassum zu werden. Doch was ist Oliver Launer für ein Typ? Was macht ihn aus? „Ich bin ein Geradeaus-Mensch“, sagt er von sich selbst. „Ich trage meine Meinung auf der Zunge. Mein Gegenüber weiß immer, woran es bei mir ist.“

Mit ausgebreiteten Armen steht er gut gelaunt in der Tür und bittet hinein in das neue Domizil. Seit Dezember wohnen die Launers in Osterbinde. Sie sind eine moderne Patchwork-Familie. „Mein Sohn aus erster Ehe und meine jüngste Tochter aus zweiter Ehe sind mitgezogen“, erzählt er lachend. Und alle würden sich auf dem Land pudelwohl fühlen. Er selbst inklusive.

Nicht nur Oliver Launer genießt den großen Garten, auch Kater Wilas fühlt sich am neuen Standort wohl. Seine Aufgabe: Haus und Hof mausfrei zu halten.

Die Familie genießt den Platz und den Garten. „Wobei ich zugeben muss: Gabi und ich haben uns Hilfe geholt, wir haben von Gartenarbeit nicht viel Ahnung.“ Und wie steht’s mit Hausarbeit? „Kein Problem. Gabi kocht, ich putze das Bad.“

Die Rückkehr nach Bassum sei einfach nur schön gewesen. „Ich habe so viele bekannte Gesichter von früher getroffen. Es ist nicht schwer gewesen, wieder Fuß zu fassen.“

In Bassum geboren und aufgewachsen

Launer ist in Bassum geboren und aufgewachsen. Aus beruflichen Gründen kehrt er seiner Heimatstadt in den 80er-Jahren den Rücken und zieht nach Bremen. Doch fühlt er sich in all den Jahren Bassum sehr verbunden. „Ich bin Bassumer und ich liebe Bassum.“ Aus diesem Grund organisiert er 2016 das erste Open-Air-Festival. Damals verschwendet er noch keinen Gedanken daran, Bürgermeister werden zu wollen. Vielmehr will er dem allgemeinen Tenor – „in Bassum ist doch nichts los“ – etwas entgegensetzen. „Ich bin jemand, der von der Einstellung sehr gerne Sachen neu probiert.“ Launer lebt nach dem Motto: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

Er wächst bei seinen Großeltern an der Bremer Straße auf. „Ich hatte eine sehr schöne Kindheit“, erzählt er. „Wir haben auf der Straße Fußball gespielt, uns jeden Nachmittag getroffen.“ Die typische Kindheit der 70er-Jahre – ohne Handy und PC, Fernsehen höchstens mal am Abend.

„Meine Mutter hat mich früh bekommen. Mein Vater ist nach meiner Geburt weg.“ Deshalb kümmern sich Oma und Opa. „Ich habe nichts vermisst. Die Zeit habe ich genossen.“ Sie prägt ihn aber auch. Familie ist Launer wichtig. Und er nimmt seine Rolle als Vater ernst. „Ich war dreimal verheiratet“, erzählt er. Zu seinen Exfrauen unterhält er ein sehr gutes, zu seinen Kindern ein inniges Verhältnis. „Das Gute ist doch heute, dass man sich trennen kann, wenn man nicht mehr zusammenpasst“, sagt er. „Nicht wie in den 50er-Jahren. Da gab es Mord und Totschlag, und die Frauen sind trotzdem geblieben.“

Seine erste Frau lernt Launer mit 25 Jahren kennen. „Nach drei Monaten haben wir geheiratet. Und unser Wunschkind bekommen.“ Die Eheleute merken jedoch schnell, dass sie auf Dauer nicht zusammen passen und trennen sich. „Wir haben noch sehr guten Kontakt.“

„Da habe ich viel erfahren über die menschlichen Abgründe“

Um die Familie zu ernähren und seinen eigenen Unterhalt zu sichern, fährt er an den Wochenenden Taxi. Er lacht. „Da habe ich viel erfahren über die menschlichen Abgründe.“ Zu der Zeit arbeitet Launer bereits beim Bremer Senat. Nach der Realschule lockt ihn das erste Gehalt. Doch während seine Klassenkameraden zur Sparkasse oder Mercedes wollen, entscheidet er sich für den Öffentlichen Dienst. „Viele haben mich belächelt, weil in der Verwaltung nicht so viel gezahlt wurde.“

Während der Ausbildung merkt er schnell, wie interessant die Tätigkeit ist. Launer wird Beamter. Im Laufe der Jahre durchläuft er fast alle Abteilungen im Bremer Senat. „In den 80ern habe ich die Volkszählung begleitet, super spannend“, erinnert er sich. Auch die Zeit nach dem Mauerfall, als viele DDR-Bürger aus der Partnerstadt Rostock nach Bremen kommen, um zu bleiben, erlebt er hautnah mit.

1997 lernt Launer seine zweite Frau kennen, eine Arbeitskollegin. Sie heiraten, bekommen zwei Töchter. 2013 folgt die Trennung. „Wir sind super gut befreundet.“ Daran habe auch Ehe Nummer drei nichts geändert. Noch bis vor Kurzem haben die Familien in Bremen nebeneinander gewohnt. „Meine älteste Tochter wollte nicht mit nach Bassum, sie ist stattdessen in mein Haus gezogen.“ Seine dritte Frau Gabi kreuzt Launers Weg vor fünf Jahren. „Sie hat eine Tochter und einen ähnlichen Lebenslauf, was Ehen angeht“. Warum sie trotz gescheiterter Ehen heiraten? Zum einen, weil sie für Launer nicht gescheitert sind. Zum anderen, weil mir „Heirat wichtig ist. Es bedeutet, dass man zueinandersteht“, sagt er.

Patchworkfamilie unter einem Dach

Dass das Zusammenleben der Patchworkfamilie unter einem Dach harmonisch funktioniert, liege zum einen am Platz – „als mein Sohn erfahren hat, dass es eine Einliegerwohnung gibt, war er dabei“ – aber auch daran, dass Launer mit den Jahren entspannter und gelassener geworden sei. „Wenn es mal Stress gibt, gehe ich ins Nebenzimmer und flipper ‘ne Runde.“ Oder er setzt sich in einen seiner Oldtimer und macht eine Ausfahrt. Alte Autos sind eine große Leidenschaft von Launer.

Überhaupt mangelt es nicht an Abwechslung. „Wir haben super nette Nachbarn.“ Und auch das Fußballspielen hat er wieder begonnen. Wobei er der Älteste im Team ist. Warum er nicht bei den Senioren spielt? „Dafür bin ich zu fit“, sagt er selbstbewusst. „Und zu ehrgeizig. Ich fordere mich selbst.“

Seit zweieinhalb Monaten ist auch die Vino-Bar wieder geöffnet. Den kleinen Laden an der Sulinger Straße übernimmt er Anfang 2020 von Michael Maas, um den Bassumern einen Treffpunkt zu bieten. Er überlegt nicht lange, sondern greift spontan zu. „Ich wollte schon immer ein Café betreiben. Es ist wie eine Teestube der 80er-Jahre, nur gibt es bei uns Wein statt Erdbeertee.“

Vino-Bar: Geschäft gerade wieder angelaufen

Ärgerlich: Während der Corona-Zeit gibt es keine Förderung. „Wir haben am 1. März aufgemacht. Stichtag für die Förderung war der 29. Februar. Wir haben oft überlegt, zu schließen.“ Nun sei das Geschäft gerade wieder angelaufen. Launer will abwarten, wie es sich entwickelt. „Die venezianische Nacht war der Hammer.“ So oft es seine Zeit zulässt, ist er in der kleinen Bar und genießt es, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen.

Die offene Ansprache wünscht er sich auch von seinen Kritikern. Dass er von einigen in die braune Ecke gedrängt werde, bedrückt ihn. Hintergrund ist sein kurzes Engagement in der Schill-Partei, wir berichteten bereits. Launer will zu der Zeit mitgestalten – in einer Partei, die sich gerade gegründet hat. Er merkt jedoch schnell dass sich die Gruppe in eine Richtung entwickelt, die er nicht mittragen will und tritt aus. Hat er das Gefühl, sich rechtfertigen zu müssen? „Nein! Ich weiß, was ich gemacht habe. Deshalb finde ich es unfair, dass Plakate von mir mit Hitler-Bart beschmiert werden. Das belastet mich und meine Familie. Wir können uns nicht wehren.“ Sein Wunsch: „Wer ein Problem hat, soll mich ansprechen statt Anfeindungen über soziale Medien loszuwerden.“

Podiumsdiskussion

Wer wird Bassums neuer Bürgermeister? Amtsinhaber Christian Porsch oder Herausforderer Oliver Launer? Am Sonntag, 12. September, sind die Bassumer aufgefordert einen neuen Stadtrat und einen Bürgermeister zu wählen. Sowohl Porsch als auch Launer treten als Einzelbewerber an. Welche Stärken und Schwächen die Kandidaten haben und welche Ziele sie verfolgen, das versucht die Kreiszeitung im Rahmen einer Podiumsdiskussion herauszufinden. Chefredakteur Hans Willms wird den beiden auf den Zahn fühlen. An Themen mangelt es nicht: Klimaschutz, Wirtschaftsförderung, Verkehrsentwicklung, Stadtentwicklung, Gesundheitsversorgung und vieles mehr.
Los geht es am Donnerstag, 2. September, um 18 Uhr im Gasthaus Freye in Osterbinde. Coronabedingt ist die Zahl der Zuhörer auf 70 Personen begrenzt. Wer dabei sein möchte, schickt eine Mail an lokales.bassum@kreiszeitung.de – bitte Vor- und Zuname angeben. Auch der Postweg ist möglich: Kreiszeitung Syke, Lokalredaktion Bassum, Am Ristedter Weg 17, 28857 Syke. Anmeldeschluss ist der 28. August. Die Plätze werden ausgelost.
Da die Veranstaltung gestreamt wird, ist ein Zugucken auch bequem von zu Hause oder aus dem Urlaub möglich. Dafür sorgt die Firma Video Art von Michael Gillner. Weiterer Kooperationspartner ist die Wirtschafts- und Interessensgemeinschaft Region Bassum (WIR).

Rubriklistenbild: © Husmann

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