Tränen, Küsse und ein Hahn als Gastgeschenk

Bassumer Ehepaar betreut Flüchtlinge und besucht deren Heimat Eritrea

Rena Ziegler und Heiner Herholz treffen die Familie ihres Schützlings Andit.

Bassum - Von Frauke Albrecht. Eritrea – aus kaum einem anderen Land werden in Deutschland mehr Flüchtlinge anerkannt. Doch wie sieht es dort wirklich aus? Das fragte sich das Bassumer Ehepaar Heiner Herholz und Rena Ziegler, das seit drei Jahren vier junge Eritreer betreut. Um mehr über das Herkunftsland ihrer Schützlinge Teklit, Bereket, Andit und Mussie zu erfahren und vor allem, um deren Familien zu besuchen und Grüße auszurichten, fuhren die beiden für 14 Tage in das Land in Ostafrika. Es wurde eine sehr emotionale Reise.

„Ich bin überrascht davon, wie freundlich die Menschen dort sind“, erzählt Rena Ziegler. „Wir trafen auf viele hilfsbereite, freundliche Menschen voller Lebensmut.“ Und das trotz der großen Not.

Die Reise war bis ins Detail geplant. Touristen benötigen ein Visum – und für Reisen außerhalb der Hauptstadt Asmara eine zusätzliche Reiseerlaubnis. „Wir durften uns nur in touristischen Gebieten bewegen“, erzählt Herholz. Autofahren war ihnen nicht gestattet. Deshalb hatten sie eine Agentur beauftragt, die Reise für sie auszuarbeiten. Ziegler: „Das war sehr gut, unser Fahrer war gleichzeitig auch Dolmetscher.“

Diese Jungs freuen sich riesig über die Bassumer Trikots.

Sie vermieden es aber tunlichst, mit den Menschen dort die politische Lage zu diskutieren. „Es gibt viele Spitzel“, sagt Herholz. Die Regierung gelte als eine der repressivsten der Welt. Sie wollten niemanden in Schwierigkeiten bringen.

Begleitet wurden die Bassumer von einem Bremer Rechtsanwalt, der 15 Eritreer betreut und den Auftrag hatte, verschiedene Dokumente zu besorgen, die die Herkunft seiner Schützlinge dokumentieren.

„Wir haben auch ein Zeugnis mitgebracht“, schmunzelt Rena Ziegler. Da es sehr schlecht sei, wird es wohl nicht in die Bewerbungsmappe kommen.

Für Freude sorgten die vielen Geschenke, die sie im Gepäck hatten, unter anderem Trikots vom TSV Bassum für einen jungen Fußballtrainer, den sie vor ihrer Reise über das Internet-Portal Couch-Surfing kennengelernt hatten.

Für die Familien ihrer Schützlinge hatten die Bassumer eine besondere Überraschung: „Unsere Jungs haben Fotobücher von sich gebastelt“, erzählt Ziegler. „Die Familie von Teklit (23) ging vier Stunden zu Fuß, um uns zu treffen. Als die Mama das Fotobuch in Händen hielt, küsste sie die Bilder und fing an zu weinen.“ Der Bassumerin steigen immer noch die Tränen in die Augen, wenn sie daran zurückdenkt.

Der Vater von Andit (27) war erstaunt über die langen Haare seines Sohnes, erzählt Herholz. Die Familie hatte einen lebendigen Hahn mitgebracht, um ihn als Gastgeschenk zu überreichen. „Wir hatten Mühe, ihnen das auszureden.“

Arbeiter werden zwangsrekrutiert

Die Bassumer erfuhren viel über die Lebensweise der Menschen dort. Die meisten leben von dem, was sie anbauen. Wer die Schule nicht schafft, um zu studieren, wird in der Regel für Arbeiten zwangsrekrutiert. Die Männer kämen alle vier Wochen mal nach Hause. Die Frauen müssten sich mit den Kindern allein durchschlagen.

Leider konnten die beiden Paten nicht alle Familien ihrer Schützlinge besuchen. „Die Mama von Mussie (21) wohnt zu weit weg. Wir durften dort nicht hin, und sie hatte keine Möglichkeit zu kommen.“

Noch ist es den vier jungen Männern nicht möglich, Geld nach Hause zu schicken. Aber alle arbeiten dran. Herholz: „Sie sind alle auf einem guten Weg, drei haben sehr schnell die deutsche Sprache gelernt. Mussie tut sich noch etwas schwer.“ Andit sei ein guter Fußballer und arbeitet bei Berlin Druck. Er wird dort einen Ausbildungsplatz bekommen. Teklit beginnt bald in Syke eine Ausbildung als Maurer und engagiert sich sehr in der Kirche. „Bereket ist ein guter Sänger, er dichtet und schreibt Lieder.“

Mittlerweile gehören die vier jungen Männer quasi zur Familie. Herholz hatte sie vor drei Jahren aus Neugier angesprochen. „Sie fuhren immer auf ihren Fahrrädern durch Bassum und guckten sich die Gegend an.“ Er besuchte sie in der Obdachlosenunterkunft und war entsetzt von den Zuständen. So nahm sich das Ehepaar der jungen Flüchtlinge an.

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