Tonnenweise Altkleider: Was passiert mit dem Inhalt der Container?

Die Kleider-Auswahl in den DRK-Shops (Foto: Roter Faden in Brinkum) ist groß. Foto: Jantje Ehlers

Oft ist es nicht nur Geschmacks-, sondern auch Modesache: Blusen, Hosen und Jacken wandern in den Altkleider-Container, weil sie gefühlsmäßig ausgedient haben. Allein das Deutsches Rote Kreuz (DRK) im Landkreis Diepholz sammelt pro Jahr bis zu 300 Tonnen Alttextilien in einem seiner 54 Altkleider-Container.

Landkreis Diepholz – „Alles, was ein Jahr lang den Schrank nicht verlassen hat, fliegt“: Das raten Stylisten allen, die ihren Kleiderschrank von ausgedienten Textilien befreien wollen. Doch wohin mit den mittlerweile ungeliebten Hosen, Jacken, Pullis, T-Shirts, Kleidern oder Röcken? Der Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) bietet zwei Möglichkeiten, wieder Platz im Kleiderschrank zu schaffen.

Gut getragene Kleidung können Bürger in insgesamt neun DRK-Shops im Landkreis abgeben – konkret in Diepholz, Sulingen, Barnstorf, Twistringen, Syke, Kirchweyhe, Bruchhausen-Vilsen, Brinkum und Wagenfeld. Dort werden Blusen, Jacken & Co. wieder verkauft. Wie in Second-Hand-Shops steht das Angebot allen zur Verfügung. Ulrike Hirth-Schiller, hauptamtliche Vorsitzende des DRK-Kreisverbands, erinnert an den sozialen Gedanken: „Jeder kann einkaufen für kleines Geld.“

Außerdem stehen 54 DRK-Altkleider-Container im Landkreis Diepholz – flächendeckend in den 15 Kommunen. Ulrike Hirth-Schiller weiß, dass Angehörige sie häufig für die Kleidung von Verstorbenen nutzen: „Weil sie nicht mehr getragen werden soll.“ Nicht selten wird dem DRK der gesamte Nachlass angeboten. Die hauptamtliche DRK-Kreisverbandsvorsitzende betont: „Wir machen keine Haushaltsauflösungen.“

Egal ob DRK-Shop oder Container: Der Erlös aus Verkauf und Verwertung kommt den sozialen Aufgaben des DRK zugute, erläutert Ulrike Hirth-Schiller. Die Textilien aus den Containern gehen komplett in die Verwertung. Partner ist das Unternehmen Soex Collecting Germany, das seinen zentralen Verwaltungssitz in Bassum hat. Über dieses Unternehmen verwertet das DRK die gespendeten Textilien. „Mit dem Erlös kann das DRK die Jugendarbeit, den Suchdienst, die Kleiderkammern selbst oder unsere ehrenamtlichen Bereitschaften unterstützen – wie zur Anschaffung von Ausrüstung, die im Katastrophenschutz benötigt wird“, erläutert das DRK seinen Spendern auf der Internet-Seite.

Weiter heißt es dort: „Leider landen viele Tonnen gebrauchte Kleidung im Hausmüll, vergrößern den Müllberg und stellen eine Belastung für die Umwelt dar. Denn vielen Bundesbürgern ist nicht bekannt, dass Textilien mit synthetischen Stoffen wie Polyester oder Polyamid laut deutschem Abfallgesetz als Sondermüll einzuordnen sind.“

Laut der Organisation fairwertung ist das jährliche Sammelaufkommen an Textilien seit Mitte der 1990er- Jahre um mehr als 20 Prozent gestiegen. „Und die Menge wächst weiter“, so fairwertung. Grund dafür sei vor allem der immer häufigere Modewechsel und eine immer kürzere Nutzungsdauer von Bekleidung: „Insgesamt kommen so viel mehr Altkleider zusammen, als soziale Einrichtungen benötigen.“

Längst vorbei sind die Zeiten, in denen eine Tonne Altkleider bis zu 500 Euro pro Tonne brachte. Die Preise haben sich, so berichten Kenner der Branche, inzwischen halbiert. Der Fachverband Textilrecycling schlägt Alarm: „Die Ex- und Hopp-Mentalität der Verbraucher sorgt zwar dafür, dass Altkleidercontainer in den letzten Jahren gut gefüllt sind. Leider sind jedoch billige Synthetik-Fasern und Mischstoffe zum dominierenden Bestandteil in den Produkten der Modeindustrie avanciert. Diese sind für die weitere Verwendung nur sehr eingeschränkt nutzbar. Sie eignen sich weder für den Second-Hand-Bereich noch für die Putzlappenherstellung oder die Faserrückgewinnung.“ Zudem sähen sich die Unternehmen an immer mehr Standorten mit zunehmender Vermüllung ihrer Altkleidercontainer konfrontiert: „Die steigenden Kosten für die Beseitigung von Abfall und Fremdstoffen machen die Sammlung zunehmend unwirtschaftlich.“

Aus alt wird anders – Fünf Fragen an Soex-Geschäftsführer Axel Buchholz

Axel Buchholz Foto: Soex

Soex ist ein Global Player: 1 350 Mitarbeiter arbeiten für das Unternehmen, das Tochterfirmen in sechs Ländern hat und über ein weltweites Textilrecycling-Netzwerk verfügt. Die Soex Collecting Germany hat ihren Verwaltungssitz in Bassum. Axel Buchholz, Geschäftsführer der Soex Textil-Vermarktungsgesellschaft, nennt im Kurz-Interview Zahlen und Fakten zum Unternehmen. 

Wie viele Altkleidercontainer gibt es im Landkreis Diepholz, wie oft werden sie geleert – und mit welchem Gesamtergebnis? 

Im Landkreis Diepholz betreibt die Soex Collecting Germany (eine GmbH) gewerbliche Sammlungen sowie Sammlungen mit karitativen Verbänden wie dem Deutschen Roten Kreuz. In den insgesamt 130 Sammelbehältern landen zirka 500 Tonnen Alttextilien und Schuhe jährlich. Umgerechnet wären das circa 2,5 Millionen T-Shirts oder eine Million paar Schuhe (wenn man durchschnittlich 200 Gramm für ein T-Shirt und 500 Gramm für ein Paar Schuhe rechnet). Damit hat die Soex Collecting einen Marktanteil im Landkreis Diepholz von rund 25 Prozent. Der Rest entfällt auf eine große Anzahl legaler, aber auch illegaler Mitbewerber. Die Behälter werden bedarfsgerecht entleert, das heißt je nach Saison und Standort zwischen ein- und dreimal die Woche. Bei schlecht frequentierten Behältern variiert dieser Rhythmus und eine Leerung kann bis zu zwei Wochen dauern. Sollten die Behälter zwischen den Leerungen sehr voll sein, bitten wie die Bürger, uns dies über die angegebene Service-Hotline 01803/73839845 zu melden. Dann können wir schnellstmöglich Abhilfe schaffen. 

Wo wird das Sammelgut sortiert und nach welchen Kriterien? 

Die Diepholzer Sammelware wird in das deutsche Soex-Sortierwerk nach Wolfen in Sachsen-Anhalt gebracht. Dort werden die Alttextilien und Schuhe händisch nach bis zu 400 Kriterien sortiert. Beispielsweise: Art (Hemd, Bluse, Jeans, Hose, Anzug etc.), Geschlecht, Qualität (wie neu, getragen, Recyclingsware usw.). 

Wie wird das Sammelgut verwertet und wo? 

Die Verwertung erfolgt im deutschen Soex-Sortierwerk in Wolfen. 57 Prozent des Sammelguts wird als Secondhandware per Versand in unsere eigenen Vintage Stores sowie in den Export in 70 Länder gebracht. 14 Prozent des Sammelguts wird in der Putzlappenindustrie verarbeitet und 15 Prozent im Reißfaserrecycling. Die Reißfasern werden in der Automobilzulieferer-Industrie verwendet oder zu Malerfließ weiterverarbeitet, ein kleiner Teil geht ins fibre-to-fibre-Recycling (Textilfasern als Rohstoff). Vier Prozent landen im sonstigen Recycling (Pappe, Plastiktüten, Elektro, Metall) und zehn Prozent sind Abfall – darunter textiler Abfall und Schuhe, Plastikbügel und sogar Hausmüll zur kostenpflichtigen Entsorgung.

Wie stellt sich der Markt zurzeit da?

Tendenziell werden mehr Alttextilien und Schuhe in die Sammlung gegeben – gleichzeitig sinkt jedoch deren Qualität, was die Absatzmöglichkeiten einschränkt. Das wird sich negativ auf die Ankaufspreise auswirken. Für Verwertungsunternehmen wie Soex wird es zukünftig darauf ankommen, die Qualität der Sammelware durch eine hochwertige händische Erfassung zu maximieren, die Qualität der Sortierung zu erhöhen sowie die Entwicklung und Implementierung von neuen Recyclingtechnologien voranzutreiben. Nur so kann auch weiterhin eine ökologisch und ökonomisch profitable Kreislaufwirtschaft für Alttextilien und Schuhe garantiert werden. 

Wie viele Mitarbeiter sind an Ihrem Standort in Bassum tätig und für welchen Bereich? 

Am Standort Bassum beschäftigen wir 25 Mitarbeiter, die den reibungslosen Ablauf der deutschlandweiten Sammelaktivitäten der Soex Collecting Germany organisieren. Hinzu kommt ein Stammfahrer im Landkreis Diepholz, der für die händische Leerung der Sammelbehälter sowie für die Müllentsorgung zuständig ist. Der Fahrer wird im Urlaubs- oder Krankheitsfall sowie in der Hauptsaison von einem anderen Fahrer vertreten beziehungsweise unterstützt.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Massendemos und neue Unruhen: Katalonien-Konflikt eskaliert

Massendemos und neue Unruhen: Katalonien-Konflikt eskaliert

Abstimmung über Brexit-Deal könnte denkbar knapp ausgehen

Abstimmung über Brexit-Deal könnte denkbar knapp ausgehen

Fotostrecke: U19-Spieler Woltemade im Abschlusstraining dabei - Pizarro bereit für Hertha

Fotostrecke: U19-Spieler Woltemade im Abschlusstraining dabei - Pizarro bereit für Hertha

Tausende protestieren im Libanon

Tausende protestieren im Libanon

Meistgelesene Artikel

Nach Dornröschenschlaf: Ortskern Brinkum endlich wieder in der Diskussion

Nach Dornröschenschlaf: Ortskern Brinkum endlich wieder in der Diskussion

K-Scheune fördert kulturelles Leben

K-Scheune fördert kulturelles Leben

Am Feuerwehrhaus in Heede ist erstes kommunales Dorfentwicklungs-Projekt im Bau

Am Feuerwehrhaus in Heede ist erstes kommunales Dorfentwicklungs-Projekt im Bau

Hildegard Schubert aus Barnstorf vollendet ihr 100. Lebensjahr

Hildegard Schubert aus Barnstorf vollendet ihr 100. Lebensjahr

Kommentare