Wo der Kronenkranich wacht

Im Tierpark Petermoor gibt’s viel zu tun

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Tierpfleger Maik Otto füttert die Kattas.

Er behält Maik Otto genau im Blick. Jedem Schritt des Tierpflegers folgt er aufmerksam. Dabei ist dieser überhaupt nicht in seinem Gehege, sondern bringt Futter zu den Nachbarn von gegenüber, den Soayschafen. Aber der Kronenkranich hat etwas gegen den 45-Jährigen und hackt nach seinen Fingern, wenn er an sie rankommt.

Der Grund für diese Abneigung steht ein paar Meter weiter in Gestalt des Kronenkranich-Weibchens. Die Dame des Hauses schaut auch nach dem Tierpfleger – allerdings wirkt ihre Haltung eher erwartungsvoll. Sie mag Maik Otto und lässt sich gern von ihm streicheln. Das passt ihrem Göttergatten nicht. „Er mag das nicht“, erzählt der Tierpfleger im Tierpark Petermoor und schmunzelt, während er den Eimer mit Futter für die Schafe aus der Schubkarre hebt. „Er ist sehr eifersüchtig.“ Abschrecken lässt sich Otto davon nicht, denn die Kranich-Lady ist seine liebste Bewohnerin im Park.

Einen Namen hat sie übrigens nicht. Otto tauft keinen seiner Schützlinge, um die Bindung zu ihnen nicht noch tiefer zu machen, als sie ohnehin schon ist. Denn umso mehr schmerzt der Abschied. „Wenn ein Tier stirbt, ist das immer sehr emotional“, sagt Otto. Obwohl er schon seit 20 Jahren Tierpfleger ist? Otto nickt. Gewöhnen kann er sich daran nie. „Es wird im Alter eher schlimmer. Aber ich finde es auch wichtig, nicht abzustumpfen. Sonst kann man den Job nicht so gut machen.“

Die Axishirsche sind meist etwas schüchtern.

Es ist Morgen im Petermoor. Um 6.30 Uhr beginnt Ottos Arbeitstag. Als erstes dreht er eine Runde durch den Park und schaut in den Gehegen, ob alles in Ordnung ist. Dann steht Büroarbeit auf dem Programm: Mails checken, Dienstpläne erstellen, mit den Kollegen sprechen. Anschließend werden sämtliche Bewohner gefüttert und getränkt, etwa 400 Tiere von 80 Arten.

Aber Tierpfleger im Tierpark Petermoor zu sein bedeutet eben nicht nur,die Tiere zu pflegen. Otto, seine Kollegin und der jeweilige Azubi sind für alle Arbeiten im Park verantwortlich, die anfallen. Dazu gehört das Leeren von Mülleimern, das Abfegen der Spielgeräte und der Platten, das Streichen der Zäune, das Beschneiden der Bäume, das Kaufen von Futter sowie von Tieren und so weiter. Und natürlich auch die Kommunikation mit Presse und Besuchern. „Die Gäste haben viele Fragen zu den Tieren oder zum Park.“

Die Ziegen haben keine Scheu vor Besuchern.

Otto betritt das Gehege der Soayschafe, was diese erstmal mit lautem Meckern quittieren. Vielleicht hat ihnen die Lieferung zu lange gedauert? Der Umgang mit wolligen Vierbeinern ist für den Tierpfleger ein kleiner Blick in die Vergangenheit, denn Otto ist gelernter Schäfer, den es aus seiner Heimat Wismar zunächst in den Tierpark Ströhen verschlug. Dann besuchte er mit seiner Freundin, eine Bassumerin, den Tierpark Petermoor. „Mein erster Gedanke war: Das ist ja niedlich hier! Hier müsste man arbeiten!“ Damals sei der Park rustikaler eingerichtet gewesen, mit viel Holz, kleineren Volieren, und auch das Affenhaus habe es noch nicht gegeben. Als eine Stelle frei wurde, bewarb sich Otto.

Das Besondere an dem Park ist für ihn, dass es keine Fleischfresser gibt und es somit meistens geruchsneutral ist. Raubtiere riechen eben streng. „Es ist einfach nett, hell und freundlich hier. Der Eintritt ist kostenlos, und die Leute werden nicht durch Souvenir-Shops zum Kaufen animiert. So kann wirklich jeder Gast im Tierpark sein.“

Der Kronenkranich

Auch wenn die Pfleger feste Arbeitszeiten haben, so richtig frei habe man nie, findet Otto. „Ein Ohr ist immer am Tierpark.“ Besonders dann, wenn die Bewohner spontan beschließen, einen Ausflug zu machen. So hat Otto den Kronenkranich schon vom Dach der Sportarena holen müssen, und der Bauhof beteiligte sich an der Jagd nach einem Känguru. Ein anderes Mal gönnte sich eine Meerkatze eine dreiwöchige Auszeit vom Park, bis sie an der OBS hinter einem Müllcontainer gefunden und zurückgebracht wurde.

Sehr weh getan habe ihm der Diebstahl der Aras, der Amazonen und des Graupapageien vor einigen Jahren. „Sie waren so zahm. Ich hoffe, es geht ihnen gut, wo immer man sie auch hingebracht hat.“

Otto betritt das Affenhaus, nimmt sich eine Handvoll Rosinen und kniet sich zu den Kattas, die seinen Besuch mit Gluckslauten untermalen, die Aufregung ausdrücken. Die munteren Gesellen nehmen sich mit ihren kleinen Fingern behutsam die Früchte, stopfen sie sich in die Schnauzen und kauen hingebungsvoll.

So gern Otto auch im Tierpark arbeitet, sein Lieblingsort in Bassum ist doch ein anderer. „Die Kartbahn ist cool! Sowas hat auch nicht jede Gemeinde. Und die Maschinen sind ein kleiner Ausgleich zu den Tieren“, verrät Otto lächelnd, während sich ein Katta die letzte Rosine aus seiner Hand schnappt.

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