Vom Chefsessel in den Schaukelstuhl 

Bassums Stadtbrandmeister legt Amt zum Jahresende vorzeitig nieder

Bassum - Im Schaukelstuhl sitzen, ein Buch lesen und im besten Fall noch ein Glas Rotwein in der Hand. So sieht sich Bassums Stadtbrandmeister Theo Garrelts im nächsten Jahr die Zeit genießen. Denn am 1. Januar 2020 legt er sein Amt in jüngere Hände. Sein Nachfolger heißt Claas Meyer. Garrelts geht nicht aus Altersgründen, sondern vielmehr hat er vorausgeschaut und festgestellt: „Es ist ein guter Moment, um aufzuhören, denn die nächsten zwei Jahre werden sehr ruhig.“ Ideal für seinen Nachfolger, sich einzuarbeiten. „Erst 2022 geht es wieder mit den Bauarbeiten an den Feuerwehrhäusern los.“

Die arbeitsintensiven Jahre liegen hinter dem Stadtbrandmeister. Das dokumentiert sein Dienstbuch, das er seit 2017 führt. In dem Jahr kam er auf 448 ehrenamtlich geleistete Stunden. Für dieses Jahr hat er bereits 360 Stunden dokumentiert.

Weitere kommen hinzu, denn auch die letzten Wochen seiner Amtszeit sind verplant. „Das Hygienekonzept ist noch in Arbeit“, sagt Garrelts. Und die Stadtkommandositzung Ende November muss vorbereitet werden. In dieser Sitzung wird er verabschiedet.

Hat er einen Tipp für seinen Nachfolger? „Ja, den habe ich: Die Zeit nutzen.“ Genau denselben habe ihm sein Vorgänger Horst Husmann mit auf den Weg gegeben. Soll heißen: Nicht alles muss sofort umgesetzt werden.

Garrelts erinnert sich schmunzelnd an seine erste Stadtkommandositzung als Stadtbrandmeister. In dieser hatte er seine Ziele vorgestellt und war wohl etwas forsch an die Sache rangegangen, was vor allem bei den etwas erfahreneren Kollegen für Stirnrunzeln gesorgt hatte. „Das habe ich aber erst viele Jahre später erfahren“, schmunzelt Garrelts. Er sei aber auch selbst sehr schnell darauf gekommen, dass manche Dinge Zeit brauchen.

Als Stadtbrandmeister brauche man eine gewisse Gelassenheit und ein dickes Fell, sagt er.

Seine Bilanz heute – zehn Jahre später – kann sich sehen lassen. „Die Feuerwehr Bassum ist hervorragend aufgestellt“, ist er zufrieden. Nicht zuletzt auch dank des Feuerwehrbedarfsplanes, der ihn, die Verwaltung und Politik in den vergangenen Jahren intensiv beschäftigt hat.

Dieser listet nicht nur detailliert auf, was eine leistungsfähige Feuerwehr benötigt, sondern beinhaltet auch die Themen Jugendarbeit und Mitgliederwerbung.

Der Erfolg gibt Bassum recht. Viele andere Kommunen tun es der Stadt nach.

Garrelts verhehlt nicht, dass er diesem Bedarfsplan anfangs etwas skeptisch gegenüber stand. „Nicht, weil ich das abgelehnt habe. Ich hatte Sorge, dass es zu teuer wird“, sagt er und fügt hinzu: „Ich hatte die Haushaltssituation im Blick.“

Er kennt noch andere Zeiten, in denen Anschaffungen nach Haushaltslage entschieden wurden und nicht nach Dringlichkeit.

Der 59-Jährige ist seit 42 Jahren Mitglied der Feuerwehr und hat schon einiges erlebt. „Früher sind wir mit Latzhose und Gummistiefeln zum Einsatzort gefahren. Es gab nicht mal für alle eine Winterjacke. – Heute haben wir über 400 Aktive, und jedes Mitglied verfügt über eine eigene Ausstattung. Feuerwehr früher und heute, das sind Welten.“

Garrelts: „Die Erkenntnis hat sich gewandelt, dass Feuerwehr wichtig ist und eben auch Geld kostet.“

Im Rückblick auf die vielen Einsätze seiner Laufbahn sind ihm zwei in besonderer Erinnerung geblieben. Und die stammen aus der jüngeren Vergangenheit: Es sind Sturm Xavier im Jahr 2017 und der große Flächenbrand in Albringhausen in diesem Sommer.

„Beim Sturm Xavier waren alle draußen. Im Minutentakt kamen neue Meldungen. Alles passierte zugleich, und dann ereignete sich noch ein Verkehrsunfall auf der B51“, erzählt Garrelts. In der Rückschau gesteht er: „Mit etwas mehr Überlegung hätten wir uns unnötige Wege erspart.“ Er sagt aber auch: „Es gibt keine fehlerfreien Einsätze.“ Wichtig sei, aus Fehlern zu lernen.

In Albringhausen standen die Brandbekämpfer vor einem Flammenmeer. „Vor allem der heftige Wind sorgte dafür, dass wir Mühe hatten, hinterherzukommen.“ Es sei eine ernste Situation gewesen. Es sind vor allem die kniffligen Einsätze, zu denen er als Stadtbrandmeister hinzukommt. „Ich entscheide selbst, wohin ich fahre.“ Er warte meistens die erste Lagemeldung ab. „Da kann ich schon hören, ob ich losfahren muss.“

Die Zahl dieser Einsätze macht in seinem Dienstbuch einen verschwindend geringen Anteil aus. „Ich komme auf höchstens 10 bis 15.“ Den Großteil überlässt er der Erfahrung und Routine der Ortsbrandmeister. Garrelts hat volles Vertrauen in seine Führungsriege.

Auch das sei Aufgabe des Stadtbrandmeisters – die Einsatzfähigkeit der Führungskräfte im Blick zu haben. Es sei auch wichtig, dass sich „alle als eine Feuerwehr betrachten, als ein Ganzes und nicht als zwölf. Das funktioniert sehr gut“, ist Garrelts zufrieden. Es werde ein vernünftiger Umgang gepflegt. „Jeder darf seine Meinung sagen, aber bitte höflich und sachlich. Das funktioniert auch mit den jüngeren Kollegen, die in den vergangenen Jahren nachgerückt sind.“

Auch viele Baumaßnahmen seien ihm in Erinnerung geblieben. Unter anderem der Bau des Feuerwehrhauses Hallstedt 1996. Da war er gerade Ortsbrandmeister in Hallstedt geworden. „Ordnungsamtsleiter Helmut Kautz kam zu mir und sagte: Da musst du dich drum kümmern. Vorher waren wir in einer Fertiggarage untergebracht. Die war in den 70er-Jahren übergangsweise aufgestellt worden.“

Eine der ersten Aufgaben als Stadtbrandmeister war die Erneuerung des Fuhrparks für die Bassumer Schwerpunktfeuerwehr. „Das war eine Herausforderung, weil es sich ausschließlich um große und teure Fahrzeuge handelte.“

Sicherlich gab es auch die eine oder andere falsche Entscheidung, blickt der Hallstedter zurück und nennt unter anderem das Fahrzeugkonzept für Dimhausen 2015. Aus Kosten- und Platzgründen hatte sich das Stadtkommando für zwei mittlere Löschfahrzeuge und einen MTW entschieden. „Ich hielt das damals für eine geniale Idee.“ Der Feuerwehrbedarfsplan sagte später etwas anderes.

Gerne hätte er den Bau der Feuerwehrhäuser Bramstedt und Dimhausen als Stadtbrandmeister erlebt. Das wird nun Aufgabe seines Nachfolgers sein. Vermissen wird er weniger die Arbeit als vielmehr die vielen Kontakte.

Komplett auf Feuerwehr muss er aber nicht verzichten. Da er erst 59 Jahre alt ist, darf er noch ein paar Jahre Dienst tun als ganz normales Mitglied der Hallstedter Feuerwehr. Kann er denn überhaupt loslassen? „Ich denke schon.“ Schließlich warten der Schaukelstuhl und jede Menge Bücher.

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