Der Traum von der gelben Rutsche

Campingplatz in Groß Ringmar soll in neuem Glanz erstrahlen

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Hier haben vor einigen Jahren noch Kinder geplanscht und Erwachsene ihre Bahnen gezogen: das Freibad in Groß Ringmar.

In Groß Ringmar machen es sich auf dem alten Campingplatz die ersten Dauercamper bequem. Sie haben sich dem Mammutprojekt gestellt, das Gelände wieder auf Vordermann zu bringen. Dafür suchen sie Mitstreiter. Das Versprechen: maximales Mitbestimmungsrecht.

Groß Ringmar – Es sieht aus, als hätte vor Jahrzehnten eine unsichtbare Bedrohung alle Menschen vertrieben. Efeugewächse greifen mit langen Fingern nach gelbbraunen Wohnwagen mit platten Reifen. Tische, Stühle und Zaunelemente liegen wie achtlos weggeworfenes Spielzeug auf dem Gelände verteilt. Über die graubraune Landschaft weht ein eisiger Wind und zehrt an den verbliebenen Grashalmen aus dem vergangenen Sommer.

Nele lächelt, als sie die kleine Gruppe durch diese Mondlandschaft führt. Die Vierjährige möge diesen Ort und sei hier auch lieber als zuhause, verrät ihre Mutter Tanja.

Die Rede ist vom alten Campingplatz in Groß Ringmar. Nachdem der damalige Inhaber Insolvenz anmelden musste, verwahrloste der Platz und die Natur holte ihn sich zurück. Dann kaufte der Handwerker Jakob Melzel das acht Hektar große Gelände.

Tanja und Patrick Lintelmann mit Tochter Nele (links) sind stolz auf das, was sie bereits auf dem Campingplatz Groß Ringmar erschaffen haben. Nachbar Nils Oetjen packt selbstverständlich immer wieder mit an.

Im Spätsommer 2018 entschlossen sich Tanja Lintelmann und ihr Mann Patrick, Jakob Melzel bei der Verwirklichung seines Traumes zu helfen: den Campingplatz Groß Ringmar wiederzubeleben. Zur selben Zeit fasste auch Nils Oetjen den Entschluss, mit seiner Frau ein Mobilheim auf dem Gelände abzustellen und zum Dauercamper zu werden. Seitdem ereignet sich auf dem Gelände etwas, das an das Intro der Sendung Löwenzahn erinnert. Überall in der trostlosen Landschaft entstehen kleine, grüne, säuberlich umzäunte Oasen der Ordnung. Zahlreiche Stunden Arbeit und viele Geldscheine sind seither in die Wiederherstellung des Campingplatzes geflossen.

„Man muss ein bisschen Fantasie haben“

„Wir fühlen uns hier super wohl“, erzählt Tanja Lintelmann und lächelt, während sie über den matschigen Pfad zwischen den Parzellen geht. „Man muss nur ein bisschen Fantasie haben.“

Am 26. Januar wollen die Lintelmanns, zusammen mit den Oetjens und Melzels Familie ein Großreinemachen starten bei dem, was sie „Das Projekt Waschhaus“ nennen. Mitten auf dem Campingplatz, nahe des großen Badesees, steht ein weißes, rechteckiges Gebäude. Die Scheiben wurden von Vandalen eingeschlagen, die Solarpaneele auf dem Dach zerstört. Tauben haben im Schutz des alten Waschhauses ihre Jungen großgezogen.

Die Scheiben des alten Waschhauses auf dem Campingplatz in Groß Ringmar wurden von Vandalen zerstört. Gut, dass Jakob Melzels Firma auf Türen und Fenster spezialisiert ist.

Jetzt soll das Gebäude wieder auf Vordermann gebracht werden. Das könne auch Kurzzeitcamper anlocken, hoffen die Helfer. Nach ihrer Arbeit und am Wochenende packen sie an, wo es nur geht. Dabei schätzen sie die starke Gemeinschaft und den guten Draht zu Melzel.

28 Plätze sind derzeit auf dem Gelände belegt, 200 soll es am Ende geben. Als magische Hürde hat Melzel 100 Dauercamper angekündigt. Dann will er eine ganz besondere Attraktion wieder in Gang bringen. Wer den Pfad zwischen den alten Wohnwagen verlässt und durch das hohe Gestrüpp watet, sieht das gigantische, gelbe Bauwerk schon von Weitem: eine Wasserrutsche. 

Das Camp hat nicht nur einen Badesee, eine Gaststätte und einen Spielplatz. Auch ein altes Freibad gibt es noch. Mit Schwimmer- und Nichtschwimmer-Bereich. Moose wuchern heute dort, wo einst Kinder im Wasser gespielt haben. In dem tiefen Becken sind aufgrund der Kälte einige Kacheln von den Wänden geplatzt. 2013 wurden hier noch in ein neues Filtersystem und eine Solaranlage investiert. Sind es einmal 100 Camper, sollen hier wieder Kinder rutschen und der Kiosk aufmachen.

Camping-Leben soll im Frühjahr aufblühen

Wenn die Temperaturen steigen, hoffen die Lintelmanns und Nils Oetjen auf einen Zauber. Nicht nur die Natur soll aufblühen, auch das Camping-Leben. Zu Ostern planen sie einige Veranstaltungen, hoffen, einige alte Camper zurückzugewinnen.

Dann erfülle sich vielleicht ja ihr Traum, sagt Tanja. Das Freibad hat geöffnet, die Kinder toben, es gibt einen Kiosk, in den Vorgärten wächst frischer Rasen und Familie Melzels Gaststätte lockt viele Hungrige an. So beschreibt die junge Mutter ihren Traum. Dann blickt sie über das Campinggelände mit all dem Gerümpel. Und lächelt.

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