Tahir Szymanowski muss zurück nach Mazedonien

Fleißiger Flüchtlingshelfer hat kein Bleiberecht

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Mitten unter den Helfern: Tahir Szymanowski (vordere Reihe, 2.v.l.) bei einem Treffen der Flüchtlingsinitiative „Willkommen in Bassum“ im Juli 2015. Links neben ihm Heiner Herholz, der Sprecher der Initiative.

Bassum - Von Anke Seidel. Tahir Szymanowski und seine Familie haben den Bus genommen. Er ist billiger als die Reise mit dem Flugzeug zurück nach Mazedonien. Freiwillig sind die Szymanowskis ausgereist – bitter enttäuscht. Denn sie hatten auf Anerkennung als Flüchtlinge gehofft. Dass Tahir Szymanowski sich fleißig in der Flüchtlingsinitiative „Willkommen in Bassum“ engagiert und über Monate bei der Sammlung von Spenden für andere Flüchtlinge geholfen hat, zählt nicht.

Ebenso wenig, dass er eine Fußballmannschaft betreute oder Behörden im Notfall als Übersetzer half. Mazedonien liegt auf dem Westbalkan – der gilt als sicheres Herkunftsland. Deshalb hat die Familie kein Bleiberecht. Die Szymanowskis sind Roma. Mit knapp drei Prozent Bevölkerungsanteil bildet diese Gruppe eine Minderheit in Mazedonien: ein Land mit schwacher Volkswirtschaft, geprägt von hoher Arbeitslosigkeit.

Während der Balkan-Kriege hatte die Familie 1992 in Deutschland schon einmal Schutz gesucht, das Land dann aber wieder verlassen müssen – wie jetzt auch. „Tahir Szymanowski war für die Stadt Bassum hilfreich und hat eine Menge gemacht“, erklärt Heiner Herholz als Sprecher der Flüchtlingsinitiative „Willkommen in Bassum“ auf Anfrage dieser Zeitung. Öffentlich thematisiert hat die Initiative die Ausreise der Szymanowskis nicht. Er habe noch versucht, über die Härtefallkommission etwas zu erreichen, sagt Herholz. „Aber die hat sich bis zur Ausreise nicht mehr zurückgemeldet.“

Als Flüchtling war Tahir Szymanowski vor eineinhalb Jahren mit seiner Frau und seinen drei Kindern nach Bassum gekommen. Zunächst lebten die Szymanowskis in einem Wohncontainer am Rande des Industriegebietes, dann zogen sie in eine kleine Wohnung. Tahir Szymanowski gehörte zum festen Team, das Spenden für andere Flüchtlinge sammelte. Er schleppte Möbel und half bei der Ausstattung von Flüchtings-Unterkünften, unterstützte die Stadt Bassum tatkräftig.

„Arbeit und ein eigenes Haus“, so beschrieb der 49-Jährige noch vor wenigen Monaten seinen Traum vom Leben in Deutschland. Eine feste Arbeitsstelle hatte er in Aussicht, aber offensichtlich keine Arbeitsgenehmigung.

Nach wie vor gelte die Vorrangprüfung, so Kreisrat Markus Pragal auf Anfrage. Will heißen: Flüchtlinge dürfen eine Arbeitsstelle nur dann annehmen, wenn kein deutscher Arbeitnehmer sie übernehmen kann – selbst wenn das in Zeiten der Vollbeschäftigung nur Theorie ist. Zum konkreten Fall konnte der Kreisrat aus Datenschutzgründen keine Auskunft geben, stellte aber grundsätzlich fest: Asylanträge würden vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge entschieden und könnten rechtlich überprüft werden. Erst wenn auch dieser Weg ausgeschöpft sei und eine Individualprüfung keine politische oder ethnische Verfolgung ergeben habe, würde die Ausreise verfügt. Wer ihr nicht Folge leiste, werde abgeschoben. So einen Fall hatte es unlängst in Wagenfeld gegeben (wir berichteten). Die Szymanowskis wollten genau das verhindern und zahlten ihre Rückreise selbst. Sie wollten sich die Chance auf eine Rückkehr nach Deutschland nicht verbauen. Die ist grundsätzlich möglich, wenn der Betroffene einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz in Deutschland nachweisen kann und alle Auflagen erfüllt.

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Recht ist nicht immer gerecht

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