100 Tage im Ehrenamt / Hermuth Straßburg leitet Fraktion des Bürgerblocks

„Können jeden Euro nur einmal ausgeben“

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Hermuth Straßburg ist eher ein Mann der leisen Töne.

Bassum - Von Frauke Albrecht. In seiner Freizeit cruist er gerne mit einer knallroten BMW durch die Gegend. Sein Traum wäre eine Motorrad-Tour durch Namibia, so ganz ohne Zeitdruck. Bis es soweit ist, begnügt sich Hermuth Straßburg mit kleineren Touren durch Norddeutschland.In letzter Zeit werden die Ausflüge weniger, denn der 53-Jährige ist ehrenamtlich stark eingebunden. Hermuth Straßburg ist Ortsvorsteher in Schorlingborstel, sitzt im Bassumer Stadtrat und ist seit 100Tagen Fraktionsvorsitzender des Bürgerblocks.

Weitere Ehrenämter wolle er nicht annehmen. Deshalb winkte er kürzlich auch ab, als es um die Besetzung des Vorstandes im neu gegründeten Heimatverein Albringhausen-Schorlingborstel ging. „Unterstützung ja, aber kein Amt mehr“, sagt Straßburg. Schließlich möchte er neben seinem Beruf – Leiter des Rechnungswesens beim Landvolk Kreisverband Mittelweser in Syke – noch Zeit haben für die Familie, den Garten, die Doppelkopfrunde und für den Spielmannszug, in dem er seit 40 Jahren Mitglied ist.

Was Freunde und politische Weggefährten an ihm schätzen? „Meine ruhige vermittelnde Art. Mein Grundsatz lautet: Politik der sachbezogenen Entscheidungsfindung – und das gerne mit den anderen Ratsfraktionen zusammen.“

Straßburg wuchs auf dem elterlichen Hof in Albringhausen auf. Nach dem Gymnasium besuchte er die Höhere Handelsschule, machte eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann und qualifizierte sich im Bereich Buchführung und Steuern.

Seine „Abnabelungsversuche“ wie er es nennt, führten ihn ganz bis nach Bassum. Da er bereits mit 17 Jahren seine Ehefrau Gisela in der Dorfjugend kennengelernt hatte, und überhaupt gerne auf dem Dorf wohnt, kam er zurück. Das Paar heiratete, zog nach Schorlingborstel und bekam zwei Jungs. Beide sind mittlerweile erwachsen.

Das Interesse für die Politik hat sich langsam entwickelt. „Mein Elternhaus war eher unpolitisch“, sagt Straßburg. 1983 wurde er in den Wahlvorstand gewählt. Getreu dem Motto: Was man einmal macht, macht man immer, blieb er dabei. „Man wurde auf mich aufmerksam“, schmunzelt er.

1996 schlug ihn Ortsvorsteher Johann Schulenberg als Nachfolger vor – mit Erfolg. „2005 hat mich Jochen Löschen beim Weihnachtsbaumkauf angesprochen, ob ich Lust hätte, in die Politik zu gehen“, erinnert sich Straßburg. Löschen war Fraktionsvorsitzender des Bürgerblocks. Straßburg fand die Idee gut, besuchte die Fraktionen und entschied dann, für den Bürgerblock zu kandidieren. „Ich glaube, dass man da etwas freier seine Meinung sagen kann“, meint er.

Anfangs habe er gedacht, mehr bewegen zu können. „Dann kam die Konstellation SPD und CDU – und diese Gruppe gegen den Bürgermeister.“

Um bei überregionalen Themen mehr Einfluss zu haben, entschied der Bügerblocks 2010, in der Kreispolitik mitzumachen. „Wir sind in der ersten Wahlperiode. Ich bin frohen Mutes.“

Guter Dinge ist er auch, was Bassum angeht. Nicht zuletzt, weil Bürgermeister Christian Porsch – bis vor Kurzem Fraktionsvorsitzender des Bürgerblocks – für frischen Wind im Rathaus sorgen werde.

Priorität habe für Straßburg derzeit, „einen einigermaßen vernünftigen Haushalt aufzustellen“. „Bei allen Entscheidungen müssen wir die nachfolgenden Haushalte und Generationen im Blick haben.“ Deshalb begrüßt er auch die Wirtschaftlichkeitsberechnung hinsichtlich des Rathaus-Neubaus. „Wir können jeden Euro nur einmal ausgeben.“

Einem Ankauf von Gewerbeland stimme der Bürgerblock zu. „Allerdings hatten wir uns einen anderen Standort als den Bramstedter Kirchweg gewünscht.“ Klenkenborstel hätte es sein sollen. Die Fläche liege näher an der B 51.

Für den Lindenmarkt hofft Straßburg, dass dieser bald expandieren könne und weiter Bestand habe.

Vorantreiben möchte er die Schaffung von Wohnraum in den Ortschaften, vor allem in Nordwohlde. – „Da bitte ich zudem um Verständnis für die Turnhalle.“ – Baumöglichkeiten in Neubruchhausen stünden für ihn an zweiter Stelle.

Straßburg: „Wir müssen versuchen, dass die Kreissparkasse oder die Volksbank die Flächen vermarktet.“ Erst wenn die Institute abwinken, könnte er sich vorstellen, dass die WISEG den Part übernehme und, ähnlich wie in Bramstedt, günstiges Bauland anbiete. Die Verwaltung hatte vorgeschlagen, das Stammkapital der WISEG aus diesem Grund auf 500000 Euro zu erhöhen. „Diese Summe halten wir für zu hoch“, erklärt Straßburg.

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