Flexibel ausbilden, um Lücken zu schließen / Effektive Strategien präsentiert

Taff: Quelle für neue Fachkräfte

In der Ausbildungswerkstatt Bassum befassen sich Fachreferenten gemeinsam mit Multiplikatoren aus Politik und Wirtschaft mit flexiblen Qualifizierungsmöglichkeiten, die passgenaue Lösungen für Betriebe ermöglichen.
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In der Ausbildungswerkstatt Bassum befassen sich Fachreferenten gemeinsam mit Multiplikatoren aus Politik und Wirtschaft mit flexiblen Qualifizierungsmöglichkeiten, die passgenaue Lösungen für Betriebe ermöglichen.

Bassum – Das ist Taff: Weil der Fachkräftemangel in technischen Berufen mehr als akut ist, haben neun Firmen in der Region schon vor einem Jahr gemeinsam mit der Metropolregion Nordwest und der Stadt Bassum ein spezielles Ausbildungszentrum gegründet. Der Name ist Programm: Welche „taffen“ Möglichkeiten es gibt, neue Kräfte für die Wirtschaft zu gewinnen, und wie flexibel die Qualifizierungen sind, stellten verschiedene Referenten am Donnerstag während einer Tagung im Ausbildungszentrum vor.

In diesem Sinne kann Taff eine Quelle für neue Kräfte werden, die Unternehmen in der Region so dringend brauchen. Elementar für den Erfolg: die effektive Vernetzung mit fachlichen Institutionen. Genau deshalb ist Taff ein selbstständiger Teil des beruflichen Ausbildungsnetzwerks im Gewerbebereich, kurz Bang.

Dessen Geschäftsführer Michael Kamann stellte am Donnerstag vor mehr als 20 Multiplikatoren aus Wirtschaft und Politik Möglichkeiten und Ideen vor, wie über die klassischen Schulabgänger hinaus Menschen für Mangelberufe gewonnen werden könnten. „Mitarbeiter, die sofort wertschöpfend unterwegs sind“, so formulierte es Kamann. Im Fokus hatte er genauso „Mitarbeiter, die multifunktional eingesetzt werden“. Denn zum Angebot im Bassumer Ausbildungszentrum gehören Module mit speziellen Trainern, die Firmen flexibel buchen können.

„Ausbildung auf hohem Niveau, aber bezahlbar“, so hatte Dr. Christoph Westerkamp als Vorsitzender des Taff-Trägervereins schon zu Beginn der Tagung erläutert, welche Vorteile das Zentrum Unternehmen bietet: Die Ausbilder bei Taff seien in der Lage, sich mehr Zeit für die Lehrlinge zu nehmen und deshalb selbst aus schwächeren Jugendlichen gute Mitarbeiter entwickeln zu können.

Wie groß die Nachfrage nach Auszubildenden in allen Sparten der Wirtschaft und im öffentlichen Dienst ist, stellte Bassums Bürgermeister Christian Porsch klar. Die entscheidende Frage: „Wie können wir junge Menschen auf unsere Betriebe aufmerksam machen?“ Taff sei ein Baustein dafür, Nachwuchskräfte zu gewinnen und zu qualifizieren. Herzenswunsch des Bürgermeisters war es, diese jungen Menschen in der Region zu verankern.

„Hier ist ein dritter Lernort entstanden“, lobte der stellvertretende Landrat Ulf Schmidt das Ausbildungszentrum – und hatte zuvor auf das Duale Ausbildungssystem hingewiesen, das mindestens in Europa, wenn nicht sogar weltweit, einzigartig sei. Fachkräfte müssten heute in der Lage sein, selbstständig komplexe Aufgaben zu lösen. Vor diesem Hintergrund würdigte der stellvertretende Landrat das Ausbildungszentrum als „besonderen Standortfaktor“, den es auszubauen gelte.

Michael Kamann warb dafür, bei der Suche nach neuen Mitarbeitern den Blick nicht nur auf klassische Schulabsolventen zu richten. Langzeitarbeitslose, Migranten und Alleinerziehende könnten mit speziellen Strategien und im Schulterschluss mit dem Jobcenter oder der Agentur für Arbeit genauso für Aufgaben im Betrieb qualifiziert werden – ebenso Menschen jenseits der 50 Jahre oder mit Handicap. „Studienabbrecher sind eine Riesen-Ressource“, erläuterte Kamann – und berichtete, dass im Schnitt zwischen 25 und 30 Prozent der Studierenden keinen Abschluss erwerben.

Für jedes Klientel, so betonte der Bang-Geschäftsführer, gebe es Module und könne ein Weg zur Qualifizierung gefunden werden. Dabei muss es nicht immer die klassische Ausbildung sein. Das erläuterte Angela Schäfer (Bang) am Beispiel der „Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten“. Bei dieser Qualifizierung kann der Betrieb bestimmte Ausbildungsaufgaben festschreiben. Die Kenntnisse werden den Teilnehmern in zwei bis drei Wochen fundiert vermittelt. Der Kurs schließt mit einer Prüfung. Weil die Aufgaben flexibel festgelegt werden können, schafft diese Ausbildungsform passgenaue Lösungen für Unternehmen.

Wie sie aber genauso von der Eingliederung von Soldatinnen oder Soldaten auf Zeit profitieren können und welche Vorteile ihnen das so genannte Qualifizierungschancengesetz eröffnet, erfuhren die Tagungsteilnehmer in Bassum ganz genauso.

Hintergrund

Das Netzwerk Technische Ausbildung für Fachkräfte, kurz Taff, bietet seit rund einem Jahr elf Berufsausbildungsmöglichkeiten im Ausbildungszentrum in Bassum. Vom Industrie- und Zerspanungsmechaniker über Werkzeugmacher, Fachkraft für Metalltechnik, Konstruktionsmechaniker und Feinwerkmechaniker über Mechatroniker und andere Berufe mehr reicht das Spektrum. Neun Firmen der Region haben das Ausbildungszentrum mit Unterstützung der Metropolregion Nordwest und der Stadt Bassum gegründet. Trainer und Mitarbeiter bieten anderen Firmen dort außerdem die Möglichkeit, eigene Kräfte in speziellen Modulen aus- und weiterbilden zu lassen.

Von Anke Seidel

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