Auf der Suche nach Flächen 

AG Landnutzung des Klima-Aktions-Bündnisses plant in Bassum konkrete Projekte

+
Wunsch und Wirklichkeit: Die AG Landnutzung des Klima-Aktionsbündnisses möchte Biotope für Insekten schaffen.

Bassum - Jens Diedrich wusste schon vor dem Vortrag von Henning Austmann im Syker Theater, dass es mit der Welt so nicht weitergehen kann, weil es eben keinen Planeten  B gibt. Er hatte schon im Privaten versucht, durch Änderungen seiner Gewohnheiten seinen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Aber der Vortrag hat ihm noch einmal die Dringlichkeit vor Augen geführt, sich zu engagieren. „Ich stand auf dem Parkplatz und war richtig sauer auf mich selbst, weil ich mit dem Auto gekommen war und nicht mit dem Rad. – Ich habe gedacht, was machst du jetzt?“

Wie ihm erging es anderen auch, denn das Klima-Aktions-Bündnis ist ein Resultat des Abends. 90 engagierte Bürger aus dem Landkreis haben sich zusammengeschlossen. Sie wollen nicht länger auf Entscheidungen von Politikern warten, sondern selbst etwas tun, um ihre Lebensgrundlage zu ändern. Mittlerweile haben sich mehrere Arbeitsgruppen gebildet.

Jens Diedrich hat sich der AG Landnutzung angeschlossen: „Wir sind 17 Leute und sehr motiviert.“ Die Gruppe hat viele Ideen, auch wenn die meisten davon noch im theoretischen Ansatz stecken, ist der Bramstedter überzeugt, schon bald erste Erfolge vorweisen zu können. Er rührt kräftig die Werbetrommel, denn er hofft, Gleichgesinnte zu finden und die Bürger zum Mitmachen zu sensibilisieren. „Wir möchten die Eigenmotivation der Menschen wecken.“

Auch in Privatgärten, die zum Teil manchmal richtig insektenfeindlich gestaltet sind.

Ganz oben auf der Prioritätenliste der AG Landnutzung steht die Beschaffung und Renaturierung von Flächen. „Wir möchten Hecken, Knicks, Wälder und Baumstreifen anlegen. Ebenso Blühflächen und Blühstreifen.“ Dazu braucht es Flächen.

„Unsere Vision ist es, an den vorhandenen Wander- und Radwanderwegen der Stadt Bassum und der Ortsteile Biotopverbünde zu schaffen“, so Diedrich.

Die Gruppe hat bereits erste Kontakte zu Ortsvorstehern aufgenommen. Es geht um die Frage, ob und wo öffentliche und stadteigene Flächen insektenfreundlich und divers gestaltet werden können.

Ein ganz konkretes Projekt zeichnet sich bereits ab: In der Ortschaft Bramstedt soll ein Insektenpark entstehen. Die Stadt Bassum hat eine 3500 bis 4000 Quadratmeter große Fläche beim Neubaugebiet Dorfstraße 2 zugesichert. Es handelt sich um eine Ausgleichsfläche. Diese soll mit Experten zu einem Insektenpark umgebaut werden und später von Schülern und Bürgern als Anlaufstelle genutzt werden. Dort können sie sich informieren und in der Praxis sehen, was naturnah bedeutet. Angedacht ist auch eine Zusammenarbeit mit der Grundschule.

Die AG hat auch beim Bauhof angefragt, das Innere der Verkehrskreisel anders zu gestalten. Denn nicht alles, was hübsch aussieht, ist auch ideal für Insekten. So bieten die Stiefmütterchen den Krabblern nur wenig bis gar keine Nahrung, da sie auf maximal große Blütenblätter gezüchtet wurden und die Nektarien verkümmert seien.

„Das wissen viele nicht“, ist Diedrich überzeugt. Da möchte die Gruppe aufklären. Sie ist bereit, auch dicke Bretter zu bohren.

Vor allem in den Privatgärten sei noch viel Luft nach oben, was die Insektenfreundlichkeit angeht. Die Gruppe möchte Vortragsveranstaltungen und Beratungen anbieten, um die Gartenbesitzer zu einer naturnahen, insekten- und vogelfreundlichen Bepflanzung zu motivieren.

„Somit könnten Kleinbiotope ohne zusätzlichen Kostenaufwand geschaffen werden“, ist Diedrich überzeugt. Eine Liste mit insektenfreundlichen Pflanzen wäre hilfreich – diese könnte vor allem in Neubaugebieten wie beispielsweise in Bramstedt verteilt werden.

Und dann möchte die Gruppe auch noch an einer Baumschutzverordnung für die Stadt Bassum arbeiten.

Diedrich ist Realist genug, zu wissen, dass Aktionen wie Insektenpark“ oder „Jeder pflanzt einen Baum“ das Klima allein nicht retten. „Ein Hektar 35 Jahre alter Mischwald kann etwa 13 Tonnen Co2 im Jahr verarbeiten. Also nur unwesentlich mehr als ein Bundesbürger im Jahr durchschnittlich ausstößt“, sagt er und untermauert seine Aussage bei Bedarf auch mit jeder Menge Zahlen.

„In naher Zukunft wird auch die Politik Entscheidungen treffen, die richtig wehtun“, ist er überzeugt.

Die AG Landnutzung trifft sich an jedem ersten Dienstag im Monat um 19 Uhr. Mitstreiter sind willkommen.

Kontakt: bassum-landnutzung@klima-aktions-buendnis.de

Die anderen AGs beschäftigen sich mit den Themen Verkehr und Mobilität, Energieversorgung, Konsum, Bauen und Wohnen, Grüne Stadt und solidarische Landwirtschaft.

Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.klima-aktions-buendnis.de

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Ein Toter und viele Verletzte bei Explosion in Blankenburg

Ein Toter und viele Verletzte bei Explosion in Blankenburg

Richtig Hilfe holen mit dem Smartphone

Richtig Hilfe holen mit dem Smartphone

Weihnachtszeit in der Filmkulisse New York

Weihnachtszeit in der Filmkulisse New York

Weihnachtskonzert des Domgymnasiums Verden

Weihnachtskonzert des Domgymnasiums Verden

Meistgelesene Artikel

Bassumer Ehepaar postet 10.000-Euro-Spende auf Facebook - doch RTL-Stiftung weiß von nichts

Bassumer Ehepaar postet 10.000-Euro-Spende auf Facebook - doch RTL-Stiftung weiß von nichts

Audi-Fahrerin kollidiert beim Überholen mit Gegenverkehr - vier Verletzte

Audi-Fahrerin kollidiert beim Überholen mit Gegenverkehr - vier Verletzte

Mehrere Beißattacken erlebt: Wenn nicht angeleinte Hunde zum Problem werden

Mehrere Beißattacken erlebt: Wenn nicht angeleinte Hunde zum Problem werden

Kartoffelkrebs in Barnstorf entdeckt: Pilzsporen geraten in Kanalisation

Kartoffelkrebs in Barnstorf entdeckt: Pilzsporen geraten in Kanalisation

Kommentare