Kleiderkammer bleibt geschlossen

Ein weiteres Stück Normalität: Am Freitag öffnet die Bassumer Tafel wieder

+
Harald Köster sortiert schon Waren für die Kunden am Freitag ein.

Bassum - Im Gebäude der Bassumer Tafel wird zurzeit viel geschoben und gerückt. Denn am kommenden Freitag öffnet sie wieder ihre Tore für ihre Kundschaft. Nach rund sechs Wochen Zwangspause durch Corona. Die Freude bei den Mitarbeitern ist groß, wie der Vorsitzende Anders Niedenführ mit einem Strahlen bestätigt. „Wir freuen uns, wieder etwas Normalität in das Leben unserer Kunden bringen zu können.“

Doch es ist eine andere Normalität als vor dem Ausbruch der Pandemie. Darauf weisen schon die Zettel der Caritas hin, die gut sichtbar an der Tür zu den Büroräumen der Tafel hängen. „Gib Viren keine Chance“ prangt dort über den Verhaltens-, Abstands- und Hygieneregeln, die in mehreren Sprachen übersetzt und mit entsprechenden Zeichnungen versehen sind.

Weiter gehen die Neuerungen im Gebäude. Niedenführ und sein Mitstreiter Harald Köster beratschlagen, wie sie die Einrichtung am besten umstellen können, damit der Abstand zwischen den Kunden und den Mitarbeitern gewährleistet werden kann. Um den Abstand zwischen den Kunden herzustellen, wird ein Rundgang eingerichtet. „Die Kunden können dann nicht mehr hin und her laufen, sondern gehen nur einmal durch und nehmen dabei die Waren“, erläutert Niedenführ. Außerdem wird die Anzahl der Kunden im Gebäude reduziert.

Corona-Krise in Bassum: Tafel blickt zuversichtlich auf Wiedereröffnung

Niedenführ ist zuversichtlich, dass alles gut klappen wird. Am 24. April hatte die Tafel schon einmal geöffnet, weil sie eine große Lebensmittelspende bekommen hatte (wir berichteten). Auch da hätten sich die Kunden vorbildlich an Regelungen gehalten. Damals hatten sie jedoch nicht die Möglichkeit, Waren auszusuchen. Diese wurden von den Mitarbeitern zuvor in Kisten gepackt und an die Besucher ausgegeben. „Das war ein großer Aufwand und sehr anstrengend für die Mitarbeiter“, erinnert sich Niedenführ. Darum will die Tafel jetzt zu der gewohnten Ausgabe zurückkehren. Nur eben unter Einschränkungen.

„Wir haben die Zahl der Mitarbeiter reduziert, sowohl beim Sortieren der Waren als auch bei der Ausgabe“, erläutert der Vorsitzende. Alle von ihnen tragen Mundschutz und Handschuhe. Wer Waren ausgibt, trägt zusätzlich noch ein Visier. Desinfektionsmittel stehen bereit, mit dem die Tische sowie die Griffe der Einkaufswagen gereinigt werden sollen. „Auch die Kunden müssen Mundschutz tragen“, so Niedenführ.

Zudem wird darauf geachtet, dass die Kunden auch draußen auf dem Gelände Abstand halten. „Direkt vor dem Eingang werden wir die Gruppe versammeln, die dran ist, während wir für die Übrigen einen Wartebereich auf dem Parkplatz einrichten.“

Tafel Bassum öffnet unter strengen Corona-Hygieneauflagen

Niedenführ erinnert seine Kunden daran, dass sie ab Mittwoch ihre Tafel-Ausweise beantragen oder verlängern können. „Wir haben dafür wie üblich von 14 bis 16 Uhr geöffnet. Wer zum ersten mal einen Ausweis beantragt, muss seinen Personalausweis und einen Einkommensnachweis mitbringen.“

Die Mitarbeiter der Tafel werden zudem am Mittwoch wieder zu den Läden fahren und die Waren abholen. „Einen Mangel an Produkten haben wir nicht“, so Niedenführ mit Blick in die Lager. Obst und Gemüse gebe es wie gewohnt. Nur von den Backwaren seien etwas weniger vorhanden.

Für die Kunden endet am kommenden Freitag eine schwierige Zeit. „Die meisten sind jedoch gut klar gekommen, nur Einzelfälle hatten Probleme“, weiß Niedenführ. Das Angebot, das die Tafel bei Inkoop eingerichtet hatte, sei gut angenommen worden. Ebenso das Hilfstelefon der Caritas. „Dort konnten die Leute anrufen und um finanzielle Unterstützung bitten. Ich weiß, dass ein großer Teil aus Bassum das in Anspruch genommen hat.“

Tafel Bassum öffnet wieder: Helfer können es gar nicht erwarten

Doch nun geht es wieder los, jeden Freitag von 14 bis 16.30 Uhr. Den Auftakt besorgt am kommenden Freitag die Gruppe 2. Die Mitarbeiter sind schon Feuer und Flamme. „Vor allem die Senioren wollen unbedingt wieder mit anpacken“, so Niedenführ schmunzelnd. Über einen Mangel an Helfern kann er sich nicht beklagen. „Im Gegenteil, ich hatte sogar von Jüngeren einige Anfragen. So zum Beispiel von einer Studentin, die am Freitag das erste Mal mit dabei ist.“

Ein großes Fragezeichen steht jedoch weiterhin hinter der Kleiderkammer. „Wir bekommen viele Anfragen, sowohl von Menschen, die die Kammer als Kunden nutzen, als auch von Leuten, die etwas spenden wollen.“

Beide Gruppen muss Niedenführ vorerst vertrösten. Bei den Kunden scheitert es an den räumlichen Umständen der Kleiderkammer. „Es ist sehr kompliziert, weil natürlich auch dort Abstand gehalten werden muss. Wir wissen noch nicht, wie wir den Zugang begrenzen. Aber wenn wir es wissen, geben wir es sofort bekannt“, verspricht der Vorsitzende.

Die Spenden wiederum können nicht sortiert werden, weil auch die Mitarbeiter gerade nicht an Bord sind. „Ich weiß, dass das unbefriedigend für die Spender ist, die ja etwas Gutes tun möchten. Aber leider ist es zurzeit nicht zu ändern“, bittet Anders Niedenführ um Verständnis.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Fossilien-Grube Messel feiert 25 Jahre Welterbe

Fossilien-Grube Messel feiert 25 Jahre Welterbe

Von Black Power bis George Floyd: Sport als politische Bühne

Von Black Power bis George Floyd: Sport als politische Bühne

Unterwegs mit einem abgespeckten Slim-Bike

Unterwegs mit einem abgespeckten Slim-Bike

Wolle, Wärme und Wandern im Sarntal

Wolle, Wärme und Wandern im Sarntal

Meistgelesene Artikel

„Die Idee zündete sofort“

„Die Idee zündete sofort“

„Der mit dem Storch lebt…“

„Der mit dem Storch lebt…“

Hoffnung auf Lockerung der Corona-Maßnahmen: Gleis 1 will im September wieder durchstarten

Hoffnung auf Lockerung der Corona-Maßnahmen: Gleis 1 will im September wieder durchstarten

„Red Carded“ packt die Gefühle

„Red Carded“ packt die Gefühle

Kommentare