Bassumer Unternehmen arbeitet an viertem Standbein

Stelter bereitet sich auf hart umkämpften Markt vor

+
Dr. Christoph Westerkamp 

Bassum - Von Frauke Albrecht. Die Stelter Zahnradfabrik sicherte sich kürzlich Anteile an der Zahnradfabrik ZWP Pritzwalk in Brandenburg. Wie Geschäftsführer Dr. Christoph Westerkamp mitteilt, bringt die Beteiligung drei Vorteile mit sich: Haupttriebfeder sei in erster Linie die Schließung einer strategischen Lücke gewesen. Stelter hat nun Zugriff auf eine Härterei, den das Unternehmen vorher nicht hatte.

„Wir erweitern außerdem unser Portfolio“, so der Geschäftsführer. Pritzwalk sei spezialisiert auf Kleinserien. „Und letztlich sind wir beteiligt an einem ehemaligen Mitbewerber.“

Für den Standort Bassum ändert sich nichts. „Beide Unternehmen werden sich aber gegenseitig unterstützen können“, erklärt Westerkamp in einem Gespräch mit der Kreiszeitung.

In der Brandenburger Firma sind 165 Mitarbeiter beschäftigt. „Es ist nicht unser Ziel, Beschäftigte einzusparen, wir wollen die Mitarbeiterzahl halten und dafür sorgen, dass der Betrieb mit unserer Unterstützung vorsichtig wachsen kann.“

Die Herausforderung für das Bassumer Unternehmen mit etwa 370 Beschäftigten liegt vor allem in einer breit gefächerten Auslastung – das heißt, eine kontinuierliche Beschäftigung sicherzustellen, um so die Personalkosten besser zu decken.

Industrie 4.0 ist ein großes Thema

Dabei setzt Stelter auf drei Standbeine – und arbeitet intensiv an einem vierten: Neben den Bereichen Automotiv, klassische Industrie und Großzahnräder (Windkraft und Bahn) sollen langfristig die Bereiche 3-D-Druck sowie Sondervorrichtungsbau ausgebaut werden. Industrie 4.0 ist ein großes Thema. Westerkamp ist überzeugt: „Das wird dazu führen, dass unser Unternehmen hier in Bassum auch gegen die Wettbewerber aus Niedriglohnländern bestehen kann.“

In den vergangenen Jahren lief es gut für das Unternehmen. Vor allem das Automotiv-Geschäft sei gewachsen. Westerkamp übt sich allerdings in Zurückhaltung: „Wir wollen nicht zu stark werden“, denn gerade hinsichtlich der E-Mobilität sei nicht sicher, welche Auswirkungen diese auf das Unternehmen habe. Sicherlich werde es auch weiterhin das klassische Fahrzeuggeschäft geben. Aber der Kuchen dürfte kleiner werden. Ebenso wenig lasse sich die Entwicklung für den Windkraftbereich vorhersagen. Der Markt in Deutschland sei allein flächentechnisch irgendwann gedeckt.

„Wir müssen leistungsfähig bleiben“

„Uns ist klar, dass unsere Kunden langfristig außerhalb Europas zu finden sind. Zum Beispiel in China“, so Westerkamp. Ziel müsse sein, trotz des Transports bestehen zu können. Für den europäischen Raum sieht er als Geschäftsfelder hauptsächlich den Off-shore-Bereich und das Repowering.

Westerkamp stellt sich auf einen harten Wettbewerb innerhalb des europäischen Marktes ein. „Wir müssen leistungsfähig bleiben.“

Dafür benötigt jedes Unternehmen qualifiziertes Fachpersonal. Der Geschäftsführer setzt verstärkt auf Qualifizierung und Ausbildung. In Vorbereitung ist zum Beispiel eine Ausbildungswerkstatt. „In diesen Bereich werden wir zukünftig verstärkt investieren.“

Den ländlichen Standort sieht er dabei nicht unbedingt als Nachteil. „Es kommt auf die Attraktivität des Arbeitgebers an“, ist Westerkamp überzeugt. Was sich der Geschäftsführer in diesem Zusammenhang von der Politik wünscht, wären grundsätzlich weniger Auflagen. Und mehr Flexibilität, auch was Arbeitszeiten angeht.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

3:1 übertüncht Defizite: Bayern "nicht im siebten Himmel"

3:1 übertüncht Defizite: Bayern "nicht im siebten Himmel"

Sandhausen und Düsseldorf klettern nach oben

Sandhausen und Düsseldorf klettern nach oben

Spur der Verwüstung: So sah das Chiemsee-Summer-Festival nach dem Unwetter aus

Spur der Verwüstung: So sah das Chiemsee-Summer-Festival nach dem Unwetter aus

Innensenator: „Freiheitliche Grundordnung gilt leider auch für Arschlöcher“

Innensenator: „Freiheitliche Grundordnung gilt leider auch für Arschlöcher“

Meistgelesene Artikel

Gerätehaus in Leeste feierlich übergeben

Gerätehaus in Leeste feierlich übergeben

Unfall im Kreisverkehr: Motorradfahrer tödlich verletzt 

Unfall im Kreisverkehr: Motorradfahrer tödlich verletzt 

Aus der Disco direkt gegen eine Laterne und in eine Schlägerei

Aus der Disco direkt gegen eine Laterne und in eine Schlägerei

Wetterexperte zum Ballon-Fahrer-Festival: „Wind ist unser Hauptfeind“

Wetterexperte zum Ballon-Fahrer-Festival: „Wind ist unser Hauptfeind“

Kommentare