1000 Impfungen in neun Stunden

Bis zu 100 Menschen stehen stundenlang vor Impfzentrum Schlange 

Schlange vor dem Impfzentrum Bassum
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Warten: Vom Impfzentrum bis zum alten Bassumer Kino staut sich die Schlange der Impfwilligen.

Am Mittwoch kam es vor dem Bassumer Impfzentrum zu langen Schlangen. Bis zu 100 Menschen mussten warten. Auf dem Plan hätten für den Tag 1 000 Impfungen in neun Stunden gestanden. Doch seien deutlich mehr Menschen gekommen als erwartet. Landrat Cord Bockhop ist um Aufklärung bemüht.

Bassum – Die Nerven lagen blank am Mittwoch vor dem Impfzentrum Bassum: Dort standen zeitweise bis zu 100 Menschen Schlange, die auf ihre Impfung warteten. Warum es zu einem derartigen Stau kam, ist noch nicht ganz geklärt. Beigetragen dazu haben nach ersten Erkenntnissen Menschen, die unberechtigt – sprich ohne Termin – einen Impfversuch unternahmen.

Und solche, die zu einem anderen als erwarteten Termin gekommen waren. Landrat Cord Bockhop war selbst vor Ort: „So etwas darf nicht passieren! Ich kann mich dafür nur entschuldigen!“

Mittwochvormittag in Bassum: Eine Menschenschlange vom Eingang des Impfzentrums bis kurz vor die Bahnhofstraße. Verschränkte Arme, genervte Blicke. Der eine tippt auf seinem Smartphone, die andere beobachtet die Autos, die im Sekundentakt auf die Marie-Hackfeld-Straße einbiegen. Sie schleichen am Friedhof entlang, auf der Pirsch nach einem Parkplatz. Keine Chance. Sie biegen auf den Bereich am Zentrum für seelische Gesundheit ein. Doch der ist ebenfalls schon voll.

Selbst die Zufahrt zum Friedhof wurde dicht geparkt

Manch einer fährt frustriert wieder davon, um woanders sein Glück zu versuchen. Doch einige greifen in ihrer Verzweiflung auf – sagen wir – kreative Lösungen zurück und stellen den Wagen kurzerhand direkt vor den Parkscheinautomaten, mit zwei Rädern auf dem Bordstein. Eine Frau hält kurzerhand vor der Zufahrt des Friedhofs. Als eine Seniorin, die von der Frau herbgebracht wurde, Bedenken äußert, sagt diese angespannt: „Irgendwo muss ich ja parken!“ Eine andere ältere Dame hat offenbar ihr Fahrzeug recht weit hinten abstellen können. Mit ihrem Rollator quält sie sich langsam Richtung Impfzentrum, hält inne, zieht für einen Moment die Maske vom Gesicht und schnappt nach Luft.

Christine Erbe-Salje will am Vormittag ihren Hausarzt konsultieren – und wundert sich über einen ungewöhnlichen Stau an der Bahnhofstraße. Als sie endlich in die Straße zum Impfzentrum einbiegen kann, sieht sie „Unmengen von Menschen, die bis zum alten Kino stehen“. Spontan denkt sie an eine Demonstration. „Zwar trugen alle Mund- und Nasenschutz, aber sie standen eng beieinander“, hat die 70-Jährige beobachtet. Schnell erkennt sie, dass es sich um Wartende handelt: „Da muss etwas komplett schief gelaufen sein...“

Das denkt auch Marianne Vogt aus Weyhe, als ihr eine Freundin Fotos von der Menschenschlange und dem Autochaos schickt. Die 81-Jährige kann es kaum glauben: „Ich bin schon geimpft. Da hat alles gut geklappt, alles mit Abstand.“ Aber an diesem Mittwoch brauchen andere insgesamt drei Stunden dafür.

Bockhop: „So etwas darf auf keinen Fall passieren!“

„So etwas darf auf keinen Fall passieren!“, entschuldigt sich Landrat Cord Bockhop. Genau deshalb will er die Gründe, die zu dieser Situation geführt haben, mit den Mitarbeitern genau erforschen und analysieren – und Konsequenzen daraus ziehen.

Auf dem Plan hätten für Mittwoch 1 000 Impfungen in neun Stunden gestanden. Doch seien deutlich mehr Menschen gekommen als erwartet: „Weit über 100“, schätzt der Landrat nach erster Sichtung, – meistens Menschen aus priorisierten Berufsgruppen und mit Gruppenterminen.

Warum das zu Verwicklungen geführt hat, erläutert der Landrat an einem Beispiel: Eine Schule oder eine Firma mit 60 Impfberechtigten erhalte vom Impfzentrum drei Gruppentermine. Welcher Mitarbeiter welchen der drei Termine wahrnimmt, soll schul- oder firmenintern geklärt werden – das scheint nicht geklappt zu haben. Was dazu führte, dass Impfberechtigte zu einem anderen Termin als erwartet erschienen. „Die Namen müssen aber genau und per Hand in die Impflisten eingetragen werden“, stellt der Landrat klar – ein zusätzlicher Zeitfaktor, der sich fatalerweise summierte. Das Prozedere soll nun verbessert werden: „Wir müssen die Kommunikation intensivieren.“

Außerdem verliefen etliche Aufklärungsgespräche offenbar deutlich länger als erwartet – was ebenfalls Verzögerungen auslöste. Schließlich sei es am Empfang zu unnötigen Diskussionen gekommen – mit Menschen, die ohne Termin gekommen waren. Ihre Hoffnung, auch ohne Berechtigung eine Impfung zu ergattern, erfüllte sich nicht: Sie wurden nach Hause geschickt.

Die Mitarbeiter des Impfzentrums seien sehr unglücklich über die Situation gewesen und hätten ihr Bestes gegeben, um zu helfen, so der Landrat: „Sie sind durch die Schlange gegangen und haben alte Menschen mit offensichtlichen Problemen vorgezogen.“

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