Stadt verabschiedet Bauamtsmitarbeiter in den Ruhestand und richtet 450-Euro-Stelle ein

Erich Feldermann steigt vom Polo aufs E-Bike um

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Erich Feldermann kennt sich auf Bassums Straßen aus.

Bassum - Von Frauke Albrecht. Er kennt jede Straße in Bassum, jeden Kanal und jedes noch so kleine Schlagloch: Erich Feldermann. In den vergangenen Jahren hat er sich vor allem um den Straßenausbau und die Instandsetzung der Bassumer Straßen gekümmert. Nun ist der Bauamtsmitarbeiter in den Ruhestand gegangen. „Ich überlasse ein geordnetes Haus“, sagt der 65-Jährige. Seine Kollegen hatten ihn zum Abschied mit Geschenken und einem selbst gedichteten Lied überrascht – „Atemlos durch die Stadt“.

Erich Feldermann ist gerührt. „Damit habe ich gar nicht gerechnet. Es war toll.“ Überhaupt sei der Fachbereich3 etwas ganz Besonderes. „Wir verstehen uns alle sehr gut, halten zusammen. Meine Kollegen werde ich am meisten vermissen.“

Er habe gern gearbeitet. „Es hat viel Spaß gemacht“, sagt der Albringhauser. Er sei erst ziemlich spät zur Verwaltung gekommen. Feldermann hat sein Berufsleben in der freien Wirtschaft begonnen. 1968 machte er eine Ausbildung zum Straßenbauer. „Ich wäre auch gern Landwirt geworden. Aber dafür war der elterliche Hof zu klein.“

Wie das auf dem Dorf so üblich ist, erzählte ein Nachbar von einer freien Lehrstelle. Erich Feldermann bewarb sich und bekam eine Zusage. Er blieb bei der Firma Straßen- und Tiefbau Wessels, arbeitete als Polier und machte seinen Ausbilderschein. Mehr als 20 Jahre lang war er in Achim als Bauführer tätig.

1995 wechselte er zur Stadt Bassum. „Ich wollte mal etwas anderes machen“, erzählt Feldermann. Dort war eine Stelle frei geworden. Er sollte sich um den Kanalbau kümmern. Genau sein Ding. Bis dato hatte er Straßen, Kanäle und sogar Pipelines gebaut. „Zu der Zeit war die Stadt noch Eigentümer der Kanäle und Gräben und auch der Kläranlage.“

Feldermann kam viel rum, ganze Ortschaften mussten an das Netz angeschlossen werden. Sein großes Plus: „Ich kann Platt sprechen.“ Da hatte er bei den meisten gleich ein Stein im Brett. „Den Kontakt zu den Menschen habe ich immer geliebt“, erzählt Feldermann. Er kennt die Geschichten der Ortsteile, Höfe und deren Bewohner. „Wenn heute jemand anruft, habe ich meistens ein Gesicht vor Augen.“

Nachdem 2001 das gesamte Kanalnetz vom Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband übernommen worden war, kümmerte sich Feldermann um die Straßen, Beleuchtung, die Wasserläufe und den Tierpark. Ob Hochwasser, Innenstadtsanierung, Bauhofumzug, Straßenausbau – Feldermann war dabei.

Bassums Straßen- und Wegenetz umfasst 720 Kilometer. Davon sind 420 Kilometer befestigt, 80 Kilometer sind Schotterwege, der Rest Feldwege. In den vergangenen Jahren sei viel Geld in die Instandsetzung geflossen. „Sollte ich den Zustand bewerten, würde ich eine Drei geben.“ Es sei aufwendig, den Standard zu halten.

Seinen Nachfolger, Bernhard Rohlfs aus Twistringen, habe er bereits eingearbeitet. Aber da viele Details nur im Kopf von Feldermann und nicht auf Papier existieren – vor allem die Verläufe alter Kanäle –, hat er seine Handynummer hinterlassen.

In 20Jahren konnte Feldermann viele Projekte abschließen, aber nicht alles durchsetzen. „Ich hätte gerne einen Kreisverkehr bei Brokate gehabt. Um dort die Geschwindigkeit rauszunehmen. Aber das Straßenbauamt wollte nicht mitziehen.“ Den Radweg von Osterbinde nach Neubruchhausen hätte er auch gerne noch fertiggestellt. „Ich hoffe, dass er dieses Jahr seiner Bestimmung übergeben wird.“

Auf die faule Haut legt sich der Albringhauser nicht. Er ist bei den Alterskameraden der Feuerwehr, aktiv im Spielmannszug und hat ein großes Grundstück. Und er wird für die Stadt Bassum als 450-Euro-Kraft die Straßen kartieren. Feldermann ist also nach wie vor auf den Straßen unterwegs – künftig nicht mehr mit dem weißen Stadt-Polo, sondern mit einem eigenen E-Bike – atemlos durch die Stadt...

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