130 Anmeldungen für „D-Rad-Treffen“

„Springbock“ erkennen Enthusiasten am Sound

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Rolf Friedrichs mit seinem mehr als 90 Jahre alten „Springbock“.

Neuenkirchen/Bassum - Von Heinz Büntemeyer. Bei der Veteranenrallye der Motorräder bis Baujahr 1914, die Kurt Harries in Wachendorf organisierte, bemerkte er ganz beiläufig und ohne aufzublicken: „Da kommt eine ,Springbock‘!“ Die Motorrad-Enthusiasten wussten sofort, was er meinte, denn dieses Motorrad, gefahren von Rolf Friedrichs aus Mallinghausen, hatten sie auch schon an seinem unverwechselbaren Sound erkannt – eine „R/04“, die bei der „Deutschen Industriewerke AG Berlin-Spandau“ zwischen 1922 und 1932 gebaut wurde und in Fachkreisen auch als „D-Rad“ bekannt ist.

Ab 1922 wurde das „D-Rad“ gebaut, das wegen seiner langen Blattfederung als „Springbock“ in die Motorrad-Geschichte eingegangen ist. In verschiedenen Modellreihen wurde das „D-Rad“ bis 1932 produziert, dann übernahm das NSU-Motorenwerk den Betrieb. Die Hersteller bauten nicht nur Motorräder, sondern auch Lokomotiven, Eisenbahnwaggons, Autos und Landmaschinen. Hervorgegangen war der Betrieb aus verschiedenen Heereswerkstätten des Kaiserreiches, die nach dem Krieg Auflagen der Siegermächte beachten mussten und deshalb fusionierten.

Gemeinsame Ausfahrt am 5. August

Christa und Rolf Friedrichs in Mallinghausen sind begeisterte „D-Rad“-Fahrer und haben bereits an zahlreichen „D-Rad“-Treffen teilgenommen. Vom 4. bis 6. August werden sie in Neuenkirchen selbst ein Treffen mit Ausfahrt organisieren (wir berichteten): 130 Teilnehmer mit rund 90 „D-Rädern“ haben sich bereits angemeldet. Auch aus Polen und der Schweiz werden Teilnehmer erwartet. Das älteste und wohl auch technisch interessanteste „D-Rad“ ist eine M 23 mit einem Zweizylinder-Boxermotor aus den Anfangsjahren des Werkes.

Im Mittelpunkt des dreitägigen Treffens steht am Sonnabend, 5. August, eine rund 100 Kilometer lange gemeinsame Ausfahrt, die quer durch den Landkreis Diepholz führt. Start ist Neuenkirchen, von wo es über Ehrenburg nach Freistatt geht. Dort ist die erste Pause geplant. Von Freistatt geht es weiter Richtung Sulingen und über Affinghausen nach Bruchhausen-Vilsen. Auch dort wird gerastet, ehe die Strecke über Neubruchhausen nach Hallstedt führt, wo die letzte Pause vor der Rückfahrt über Sudwalde nach Neuenkirchen eingelegt wird.

Robuste „Bauernmotorräder“

Christa und Rolf Friedrichs fahren natürlich auch „D-Räder“. Christa eine „R 0/6“ und Rolf eine „R/04“. Seine Maschine wurde 1926 gebaut. Der Einzylinder-Viertakt-Motor entwickelt aus fast 500 Kubikzentimetern Hubraum zehn PS und erreicht dabei eine Geschwindigkeit von 90 Kilometern pro Stunde, die ein Oldtimerfahrer allerdings niemals ausreizt.

Als dieses Motorrad 1926 gebaut wurde, war es natürlich nach den damals neuesten technischen Kenntnissen konstruiert, aber die Sicherheitsstandards waren damals noch nicht so ausgereift. Daher wird die Maschine über eine Keilklotzbremse abgebremst, die im Hinterrad eingespeicht ist und über einen Seilzug betätigt wird. Beim Betrachten dieser Bremsanlage verbieten sich sofort höhere Geschwindigkeiten.

Auffällig ist bei diesem Motorrad, dass Vorder- und Hinterrad gleich groß sind. Bei den später gebauten Modellen wurde dann auch auf das Einspeichen der Keilklotzbremse in das Hinterrad verzichtet, sodass es tatsächlich möglich war, Vorder- und Hinterrad auszutauschen. Die sehr massiv und übersichtlich konstruierten „D-Räder“ wurden seinerzeit auch als „Bauernmotorrad“ bezeichnet, wohl auch, weil sie sich als sehr robust erwiesen. Das war von den Herstellern beabsichtigt, denn in einer Werbebroschüre heißt es: „Vor allem ist beim Aufbau der Maschine darauf gehalten worden, daß sie jeder Nicht-Fachmann handhaben und pflegen kann.“

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