Spenden aus Bassum für Namibia

Geld für warme Mahlzeiten und den Schulbesuch

Stephan Hock unterstützt seit Jahren die Teams der Suppenküchen.
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Stephan Hock unterstützt seit Jahren die Teams der Suppenküchen.

In Namibia herrscht durch die Corona-Krise große Not. Viele Kinder gehen in die Suppenküchen, um eine warme Mahlzeit zu bekommen. Werner Pußack, der ein Reisebüro in Bassum betreibt, unterstützt die Einrichtungen - und viele Bassumer haben ihm dabei geholfen.

  • Viele Spender haben Geld für Suppenküchen in Namibia gegeben.
  • Von dem Geld wurden Lebensmittel gekauft und eine Schule unterstützt.
  • Corona-Krise verstärkt die Armut.

Bassum – Wenn man Stephan Hock bittet, die Situation der Kinder zu schildern, die eine der beiden Suppenküchen in Namibia aufsuchen, die er unterstützt, schafft er das mit einem einzigen Satz: „Wenn ein zweijähriges Kind zwei bis drei Kilometer zu Fuß auf sich nimmt, um eine warme Mahlzeit zu bekommen, dann sagt das im Grunde alles. Das sind Bilder, bei denen ich jedes Mal eine Gänsehaut bekomme.“

Hock, der nach Namibia ausgewandert ist, lernte die Suppenküchen, die von der Hilfsorganisation Steps for Children betreut werden, vor knapp fünf Jahren kennen. Seitdem unterstützt der Lodge-Besitzer und leidenschaftliche Hobby-Koch sie mit dem Erlös aus dem Verkauf eines Kochbuchs, das er veröffentlicht hat. „Ich wollte einfach etwas zurückgeben, zumal mich die Bilder von Kindern, die auf der Suche nach Essen den Müll durchwühlen, bewegt haben.“

Hinzu kommen Spenden, die Gäste seiner Lodge an Hock überreichen, mit denen er – meist über sein Buch – ins Gespräch kommt. „Ich habe da ein spezielles Konto eingerichtet, das allerdings privat ist, da wir keinen extra Verein gegründet haben. Die Leute vertrauen uns, dass das Geld ankommt.“ Und inzwischen hat er auch Unterstützung aus Deutschland – unter anderem aus Bassum.

Spenden auf Wochenmärkten gesammelt

Möglich gemacht hat das Werner Pußack, der mit Frau und Tochter ein Reisebüro in Bassum betreibt und seit 2018 auch geführte Touren durch Namibia und Südafrika anbietet. Das Ehepaar ist mit Hock befreundet. Und als Pußack eines Tages seiner Schwägerin von der großen Not erzählte, die in dem Land seit der Corona-Krise herrscht, stellte diese eine Spendendose an ihrem Wochenmarktstand auf. Dort kamen größere und kleinere Beträge zusammen.

Seitdem hat sich noch mehr getan. Nach dem jüngsten Bericht der Kreiszeitung meldeten sich zahlreiche Interessierte, die helfen wollten. „Bisher haben wir den Suppenküchen 5 000 Euro übermitteln können. Mit einem weiteren Betrag von etwa 1500 Euro wurde zudem nach Rücksprache mit den Spendern ein Schulprojekt unterstützt“, berichtet Pußack. „Die privatfinanzierte Schule hätte aus Geldmangel den Unterricht für die vierten bis sechsten Klassen einstellen müssen, da der Betreiber-Familie die Einnahmen aus dem Tourismus fehlen. Die nächste staatliche Schule ist gut 100 Kilometer entfernt, und somit wäre eine auswärtige Unterbringung der Kinder erforderlich gewesen. Die Folge: Die Schüler wären wohl zu Hause geblieben. Die Schließung der Schule konnte durch Spenden verhindert werden. Damit können die Kinder 2021 weiter zu Schule gehen, bei ihren Familien leben und auch die Verpflegung ist gesichert.“

Ein Großteil der Spenden ist laut Pußack auf den Wochenmärkten in Bassum und Brinkum zusammen gekommen. Weitere kamen von Einzelpersonen, Kunden des Reisebüros, aber auch von vielen Personen, die den Artikel gelesen hatten. „Dabei handelte es sich überwiegend um Beträge bis zu 200 Euro. Eine Familie aus Achim hat sogar einen monatlichen Dauerauftrag eingerichtet“, freut sich Pußack.

Neben einem Verein mit Sitz in Bremen, der nicht genannt werden möchte, hat der Förderverein Lions Club Bassum-Klosterbach-Delme 1 000 Euro gespendet. Ein Mitglied dieses Vereines hat privat zusätzlich 500 Euro gegeben. Nach wie vor gehen kleinere Beträge ein.

Es ist wie überall, die Ärmsten der Armen trifft es am schwersten

Stephan Hock

Das Geld fließt ohne Abzüge ausschließlich in Lebensmittel, die dringend benötigt werden. Denn viele Menschen, die vom Tourismus leben, haben inzwischen durch die Pandemie ihren Job verloren. Wer schon zuvor wenig hatte, verliert nun alles. „Bis Weihnachten sah es schon wieder ganz gut aus. Wir hatten viele Buchungen. Aber dann wurde Namibia wieder zum Risikogebiet erklärt. Es ist wie überall, die Ärmsten der Armen trifft es am schwersten“, schildert Hock.

Doch was heißt Armut in Namibia? „Eine Blechhütte von 16 Quadratmetern, in der bis zu 20 Personen wohnen. Das Leben findet vor der Hütte statt“, berichtet Hock. „Die Leute fertigen Dinge, die sie an der Straße verkaufen, um etwas zu verdienen – aber da keine Urlauber mehr kommen, bricht auch diese Einnahme weg.“ Hilfe vom Staat gibt es nicht.

Und besonders leiden natürlich die Kinder, von denen immer mehr die Suppenküchen aufsuchen. 350 kommen täglich nach Rehoboth, 1500 erhalten an drei Tagen eine warme Mahlzeit in Okahandja. Und täglich werden es mehr. Von daher freut sich Hock immer über Spenden.

Mit denen werden die Lebensmittel gekauft. Zusätzlich mengen die Mitarbeiter der Suppenküchen den Mahlzeiten noch ein spezielles Pulver bei, das Spurenelemente und Vitamine enthält. So können die Kinder ausgewogen ernährt werden.

Das Schlimmste wäre ein dritter Lockdown

„Ich besuche die Küchen regelmäßig, und diese können nachweisen, dass mit dem Geld wirklich Essen finanziert wurde. Ich erlebe außerdem, wie verantwortungsvoll die Mitarbeiter dort mit den Kindern umgehen.“ So werde genau auf die Abstands- und Hygieneregeln geachtet.

Das Schlimmste, was wohl passieren könnte, wäre ein dritter Lockdown in Namibia. Denn während dieser Zeit werden auch die Suppenküchen geschlossen. „Damals packten wir bis zu 500 Pakete mit Lebensmitteln, die wir an bedürftige Familien lieferten, damit sie versorgt sind“, erinnert sich Hock.

Ihm ist es wichtig, dass die Suppenküchen nicht als Einrichtungen gesehen werden, die „nur die Hand aufhalten“. „Okahandja versucht, sich selbst zu helfen. Dort gibt es beispielsweise eine Hühnerfarm mit einer Solaranlage, Gemüse wird angebaut und Steine für den Hausbau bearbeitet. Wir leisten wiederum Hilfe zur Selbsthilfe, indem wir die Solaranlage mitfinanziert haben.“

Neue Projekte hat Hock zwar nicht auf dem Zettel, aber durchaus Ideen, wie man noch helfen könnte. „Würden regelmäßig Spenden eingehen, könnte man vielleicht etwas für die Trinkwasserversorgung tun. Wir können die Welt nicht verändern – aber für manche Menschen ein bisschen besser machen.“

Schon kleine Kinder nehmen weite Wege auf sich, um eine warme Mahlzeit zu bekommen.
Seit die Corona-Krise wütet, wächst die Not.

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