Rettung des weißen Goldes

Spargelhöfe im Landkreis Diepholz rechnen mit erheblichen Verlusten - trotz genügend Erntehelfern

Trotz Quarantäne ist die Ernte möglich. Um den Rest kümmern sich die Höfe für ihre Mitarbeiter. Foto: Jantje Ehlers
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Trotz Quarantäne ist die Ernte möglich. Um den Rest kümmern sich die Höfe für ihre Mitarbeiter.

Landkreis Diepholz - Die Corona-Krise macht keinen Halt. Auch nicht vor dem weißen Gold. Die Ernte des Deutschen liebsten Gemüses ist in Gefahr. Etliche Erntehelfer dürfen nur unter strengen Auflagen auf Spargelfeldern im Landkreis Diepholz arbeiten. Die Landwirte haben in dieser Saison mit heftigen Einbußen zu rechnen.

Gut sieben Wochen ist es nun her, als die Spargel-Ernte auf der rund 500 Hektar großen Anbaufläche des Spargelhofs Thiermann in Scharringhausen (Samtgemeinde Kirchdorf) begann. Das war circa drei Wochen später als im Jahr zuvor. Zu der Zeit waren etwa 100 Erntehelfer im Einsatz. Heute sieht das etwas anders aus. 500 Menschen, überwiegend aus Polen und Rumänien, helfen Familie Thiermann, das weiße Gold zu stechen. Aber auch etliche Studenten helfen auf dem Spargelhof aus. Oder Berufstätige, die sich derzeit in Kurzarbeit befinden, und so ihr Gehalt aufstocken.

Seit Mitte April dürfen osteuropäische Arbeitskräfte für die Landwirtschaft wieder nach Deutschland einreisen. Die ersten 14 Tage müssen sie aber in Quarantäne bleiben. In den Unterkünften der Familie Thiermann „geht das problemlos“, sagt Heinrich Thiermann. Sie würden sehr viele einzelne Gebäude als Unterkunft für ihre Erntehelfer nutzen. Bedingt durch die Corona-Krise übernachten jetzt „ein bis zwei Personen in einem Raum“, berichtet Thiermann auf Nachfrage. In der Vergangenheit seien es doppelt so viele gewesen.

Spargelhöfe in Corona-Zeiten: Hygiene auf dem Feld enorm wichtig

Und wie steht es um die Hygiene? Auch darauf hat der 78-jährige Spargelbauer eine Antwort: „Bei halber Auslastung ist gewährleistet, dass sich die Mitarbeiter nicht zu nah kommen.“ Außerdem gebe es genügend Desinfektionsmittel und „engmaschige Reinigungspläne“ für die Unterkünfte.

Auch auf dem Feld wird für Thiermann Hygiene großgeschrieben: Alle Erntehelfer erhalten eine schriftliche und mündliche Hygiene-Unterweisung in der entsprechenden Sprache. Auch dort haben sie nach eigener Einschätzung genügend Masken und Desinfektionsmittel im Einsatz. Obwohl die „Anwendung und Umsetzung sehr gut klappt“, stehen dem Hof Ernte-Verluste bevor. Thiermann rechnet mit bis zu 40 Prozent.

Kristian Wichmann vom gleichnamigen Hof in Bassum-Bramstedt sagt: „Wir machen als allererstes einen Corona-Test, sobald die Erntehelfer aus dem Ausland kommen.“ Auf seinem Hof sind im Moment 100 bis 120 Erntehelfer, die überwiegend aus Rumänien kommen, beschäftigt. „Während der Quarantäne-Zeit dürfen sie normal arbeiten, aber nicht einkaufen gehen. Wir schreiben uns auf, was sie wollen und wir erledigen dann die Einkäufe“, erklärt Wichmann.

Mund-Nase-Schutz beim Spargelstechen nicht notwendig

Das Thema Unterkünfte sei ebenfalls gelöst „Wir haben sechs Mehrfamilienhäuser für die Erntehelfer.“ Auf dem Feld ist es so geregelt, dass die Beschäftigten zusammen in den Gruppen arbeiten, mit denen sie zusammen wohnen. Beim Spargelstechen müssen sie keinen Mund-Nase-Schutz tragen, „aber während der Arbeit in geschlossenen Räumen“. Zusätzlich zu den rumänischen Arbeitskräften beschäftigt der Betrieb um die 25 hiesigen Arbeitskräfte. „Es haben sich bei uns einige gemeldet, zum Beispiel Künstler, Gastronomen oder Berufstätige, die in Kurzarbeit sind. Wir sind gut aufgestellt und im Moment haben wir genug Helfer“, berichtet Wichmann. Heute soll noch ein weiterer Flieger mit Erntehelfern landen.

Aber nicht nur die Spargel- und Erdbeerernte, sondern auch der Verkauf hat schon begonnen. „Die Mitarbeiter waschen und desinfizieren sich oft die Hände, und in den Ständen haben wir Spuckschutze aufgestellt. Und wenn sie zu zweit arbeiten, tragen die Mitarbeiter einen Mundschutz“, erklärt Wichmann.

Beim Erdbeerhof Nüstedt in Bassum-Döhren hat die Spargelernte vor etwa drei Wochen begonnen. „Rund 90 Prozent der Leute kommen vom hiesigen Arbeitsmarkt“, erklärt Walter Nüstedt. Vor ein paar Monaten sind fünf Arbeitskräfte aus Polen angereist. „Vor rund zwei Wochen sind noch zwei rumänische Helfer eingetroffen. Die haben zu zweit gewohnt, somit war die Quarantäne-Zeit kein Problem.“ Etwa 100 Leute hätten sich beim Erdbeerhof als Helfer gemeldet. „Im Moment brauchen wir aber gar nicht so viele“, so Nüstedt.

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