Kammermusik im Stift feiert Auftakt

Sonaten: Mal virtuos, mal innig

Die vier Musiker widmeten sich ganz der Sonate während des musikalischen Barocks. - Foto: Anette Hoffmeier

Bassum - Von Anette Hoffmeier. Die Plätze im Kapitelsaal waren zum Auftakt der Konzertreihe Kammermusik im Stift Bassum, wohl aufgrund der hochsommerlichen Temperaturen, nur gut zur Hälfte besetzt. In seiner Einführung zur diesjährigen Reihe mit dem Thema „Die Sonate – Siegeszug einer Form“ brachte Stephan-Rupert Steinkühler dem Publikum die Geschichte der Sonate näher, die Ende des 16. beziehungsweise Anfang des 17. Jahrhunderts begann. Die Sonate setzte sich als Klingstück von der davor üblichen Kantate (Singstück) ab und verzichtete auf Gesang.

Das Programm des Konzertes widmete sich ganz der Sonate im Zeitalter des musikalischen Barock, der etwa die Jahre 1600 bis 1750 umfasste. So, wie es im Barock die beiden Bereiche der kirchlichen und der höfischen Musik gab, so teilte sich der Abend in einen kirchlichen Teil mit Kirchensonaten, bei dem die Solo-Musiker von Ralf Wosch auf dem Orgelpositiv begleitet wurden, und den höfischen, kammermusikalischen Teil, bei dem das Cembalo als Begleit- und Continuo-Instrument erklang.

Steinkühler zeigte die Entwicklung der Sonate anhand der chronologischen Stückauswahl für die Sandardbesetzung der damaligen Zeit: zwei Violinen (gespielt von Susanne und Stephan-Rupert Steinkühler) und „Basso Continuo“ (Viola da Gamba – Roswitha Conrad – und Orgelpositiv beziehungsweise Cembalo – Ralf Wosch).

Durch die kurzweiligen Erläuterungen und das sehr virtuose, mal innige, lautmalerische, mal energische Spiel der Musiker wurden dem Publikum die Sonaten „La Martinenga“ von Maurizio Cazzati, „Die Verkündigung“ von Heinrich Ignaz Franz Biber, „Sonata á tre C-Dur“ von Dietrich Buxtehude und „Sonata prima op. 1,1“ von Arcangelo Corelli beinahe bildlich nahe gebracht. Durch den Hinweis, dass ab der Zeit von Dieterich Buxtehude, der in Lübeck Kirchenmusiker war, die Gambe aus ihrer bloßen Begleitfunktion heraustrat und eine virtuose Konkurrenz zu den Violinen bilden konnte, achteten die Zuhörer vermehrt auf musikalische Dialoge unter den drei Instrumenten.

Im zweiten Teil des Konzerts erschienen die Stücke dann durch die Begleitung mit dem Cembalo tänzerischer, im Kapitelsaal konnte man sich eine höfische Atmosphäre sehr gut vorstellen.

In der „Sonata prima g-Moll op. 1,1“, der ersten Sonate, die der damals 27-jährige Antonio Vivaldi 1705 veröffentlicht hatte, waren schon deutliche Anklänge seiner „Vier Jahreszeiten“, die er erst 20 Jahre später herausgab, zu erkennen. Die „Sonata prima G-Dur“ von Georg Philipp Telemann war eine Besonderheit im Konzert. Komponiert als konsequenter Kanon für zwei Violinen ohne Basso Continuo, spielten Sabine und Stephan- Rupert Steinkühler die drei Sätze sehr einfühlsam und gut aufeinander eingespielt.

Den fulminanten Abschluss des Konzertes bildete die „Triosonate G-Dur“ (BWV 1039) von Johann Sebastian Bach. Die vier Musiker wirkten sehr harmonisch und begeisterten die Zuhörer, sodass als Zugabe die erste Sonate von Maurizio Cazzati wiederholt wurde. Dadurch wurde anschaulich, dass in den 150 Jahren der Barockzeit die Sonate musikalisch stark weiterentwickelt wurde.

Diesen wunderbar klangvolle Abend, der hervorragend in den Kapitelsaal des Stiftes passte, fand das Publikum sehr interessant und sehr lehrreich.

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