Smartphone statt Aufsicht

Schwimmmeister klagen über Eltern: Oft unaufmerksam 

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Zusammen mit den Eltern planschen, ist für viele Kinder das Größte. Doch viele Eltern verletzen ihre Aufsichtspflicht, weil sie lieber auf ihr Smartphone schauen oder die Verantwortung auf die Badeaufsicht abwälzen.

Bassum/Twistringen - Von Julia Kreykenbohm. Das Freibad kann für Kinder ein aufregender Tummelplatz sein – aber auch ein gefährlicher. Das blau-schimmernde Nass wirkt wie ein Magnet. Ein bisschen zu weit über den Beckenrand gebeugt, den Halt verloren und schon liegen die Kleinen im Wasser. Da sind Mama und Papa gefordert, die Gefahr entweder frühzeitig zu erkennen oder im Notfall schnell einzugreifen.

Doch leider passiert beides immer seltener. Denn viele Eltern schauen lieber auf das Displays ihres Smartphones und surfen im Internet oder lesen Nachrichten als zu gucken, was der Nachwuchs macht, klagt der Bundesverband Deutscher Schwimmmeister.

„Die Kleinen wollen ausprobieren“

Auch im Schwimmpark Twistringen beobachtet Schwimmeister Sven Blumberg diese Entwicklung. „Ich sehe viele Eltern, die ständig auf ihr Smartphone gucken, statt die Kinder zu beaufsichtigen. Es nimmt überhand.“ Glücklicherweise habe er in dieser Saison noch keine schweren Notfälle deswegen behandeln müssen. Aber die Gefahr bestehe natürlich. „Die Kleinen wollen ausprobieren und springen auch mal irgendwo rein.“ Das Aufsichtsteam im Schwimmpark besteht aus drei Personen, die auf dem weitläufigen Gelände auch nicht immer überall zur Stelle sein können. Da seien die Eltern gefragt.

Ein weiterer Punkt, der Blumberg ärgert, ist, dass viele Eltern es sich auch sehr leicht machen, wenn es darum geht, dass der Nachwuchs schwimmen lernt. „Sie melden ihre Kinder zu einem Kurs an, aber man sieht sie weder davor noch danach wieder im Schwimmbad. Sie geben ihre Kinder bei uns ab, bis diese ihr Seepferdchen haben, aber sie bleiben nicht dran. Dabei ist das wichtig, um die Schwimmfähigkeit zu erhalten. Wenn man es nicht regelmäßig übt, verlernt man es irgendwann wieder.“

Doch selbst die Anmeldung zum Schwimmkurs scheint manchen Eltern schon zuviel: „Es werden immer weniger Anmeldungen“, sagt Blumberg.

Eltern beaufsichtigen Kinder oft nicht 

Mit Eltern, die den Blick nicht vom Smartphone lassen können, hat Monika Verhoeven im Naturbad Bassum bisher keine Erfahrungen gemacht. Dafür ärgert sich das DLRG-Mitglied oft über die Unvernunft mancher Erziehungsberechtigter. „Sie lassen ihr Kind mit Schwimmflügeln ins Wasser gehen und beaufsichtigen es nicht. Stattdessen liegen sie irgendwo weit weg auf der Wiese. Diese Kinder hole ich auch aus dem Wasser, bringe sie ihren Eltern und weise diese darauf hin, dass Schwimmflügel keine sicheren Hilfen sind.“ Das Kind könne einen Flügel verlieren, unter die Rutsche oder ins tiefe Wasser und in Panik geraten. In jedem Fall müssten die Eltern ihren Nachwuchs immer im Blick behalten.

Einsicht haben nicht alle. „Als ich eine Mutter darauf hinwies, sagte sie: ,Aber Sie sind doch da’“, berichtet Verhoeven. „Da habe ich sie darauf aufmerksam gemacht, dass sie die Ausichtspflicht für ihr Kind hat und nicht ich.“ Manche kleinen Kinder kämen auch ganz ohne Eltern und nur in Begleitung ihrer älteren Geschwister.

Ähnlich wie bei den Schwimmflügeln verhalte es sich mit dem Seepferdchen. „Eltern glauben, sobald ihr Kind das Abzeichen hat, müssen sie es nicht mehr im Auge haben. Aber das Seepferdchen bedeutet nicht automatisch, dass ein Kind schwimmen kann. Es ist nur in der Lage, sich eine bestimmte Zeit allein über Wasser zu halten“, so Verhoeven.

Kinder brauchen Schwimmpraxis

Die Schwimmfähigkeit vieler Seepferdchen-Träger sei deswegen schlecht ausgeprägt, weil die Eltern ihr Kind in den Schwimmkurs schicken und danach nicht wieder mit ihm schwimmen gehen. In diesem Punkt bestätigt Verhoeven die Erfahrung von Blumberg. „Wenn ich Kindern im Frühjahr das Seepferdchen abnehme und sie im September wiederkommen, kann ich oft nochmal von vorne anfangen“, klagt Verhoeven.

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