Singen befreit, entstresst und hebt die Laune

MGV Liedertafel bereitet sich auf das Sommersingen vor

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Chorleiterin Christiane Brandt gibt den Ton an.

Bassum - Von Frauke Albrecht. Die kräftigen Männerstimmen sind noch draußen zu hören. Sie singen von funkelndem Wein und der sonnigen Heimat – und lassen für einen kurzen Moment den prasselnden Regen vergessen. Zur letzten Probe des Männergesangvereins Liedertafel Bassum vor dem großen Auftritt am 5. Juli im Park der Freudenburg haben sich fast alle der 27 aktiven Sänger in den Räumen des NWDSB eingefunden.

„Was ist denn mit Albringhausen los?“ Chorleiterin Christiane Brandt blickt fragend in die Runde. „Einer ist krank, einer im Urlaub, und der andere muss seiner Frau helfen“, heißt es.

Die Aussage „Ich kann nicht singen“ sei Blödsinn

Ansonsten wird während der Probe nicht viel geredet. „Wir sind zum Singen hier“, sagt Hans-Jürgen Marcioch. Hinterher bleibe genug Zeit für einen gemütlichen Plausch, erklärt er. Aber von 20 bis 21.30 Uhr wird gesungen.

Jeder der Anwesenden weiß, wo sein Platz ist und was er zu tun hat. Die meisten sind seit Jahrzehnten Mitglied im Chor. Gerne würde die Runde neue Gesichter in ihren Reihen begrüßen. Doch bisher seien die meisten Versuche, Freunde und Nachbarn anzusprechen, gescheitert. „Ich kann nicht singen!“ – Diese Antwort kennen die Sänger zur Genüge. „Das ist das Erste, was alle sagen. Blödsinn! Jeder kann im Chor singen“, sagt Marcioch. Sein Kollege Manfred Schumacher glaubt: „Die meisten scheuen sich.“

„Oder sie denken, dass wir hier alte Kamellen singen. Stimmt aber nicht. Wir singen auch moderne Stücke – von Abba bis Shanty“, sagt Chorleiterin Christiane Brandt. Sie ist Profi genug, jeden relativ schnell in den Chor integrieren zu können. Notenkentnisse seien nicht erforderlich. Auch müsse niemand vorsingen.

Bei den Ausflügen sind die Partnerinnen willkommen

Hans-Joachim Günther wirbt: „Wir sind eine tolle Truppe und haben zusammen viel Spaß.“ Die Geselligkeit komme nicht zu kurz. Es gibt auch gemeinsame Ausflüge – dann mit Partnerinnen.

Männer jeder Altersklasse dürfen sich angesprochen fühlen. Marcioch: „Es gibt so viele Rentner, die nicht wissen, was sie machen sollen.“

Wer gerne singt, sollte sich also einen Ruck geben und einfach mal mittwochs um 20 Uhr vorbei kommen. Wem es nicht gefällt, der bleibt das nächste Mal einfach weg.

Letzte Probe vor dem 5. Juli.

„Bisher sind alle geblieben“, grinst Günther. Bei ihm war es so. „Bei mir auch“, bestätigt sein Sangeskollege Heinz Schumacher. Er war Gast beim Sommersingen, wurde angesprochen und zur nächsten Probe abgeholt. Das war vor 29 Jahren.

Singen bedeutet jedem etwas anderes. „Für mich ist es befreiend“, sagt Schumacher. Marcioch bezeichnet das Singen als „entstressend“. Berufsbedingt habe er viele Jahre pausiert. Eines Tages entschied er, wieder einem Chor beizutreten. An das erste Mal erinnert er sich genau: „Ich habe die Stimmen gehört und meine Haare standen zu Berge. Ich wusste, hier bin ich richtig.“

Gastchöre und Orchester bereichern den Abend

Brandt: „Singen befreit, macht Spaß, und meistens hat man danach gute Laune.“ Sie leitet die Liedertafel seit 2013. Ursprünglich war sie nur als Vertretung eingesprungen. Doch dann wurde der Posten des Chorleiters frei – da die Chemie zwischen ihr und den Männern sofort stimmte, übernahm sie die Aufgabe und hat es nicht bereut.

Sie stimmt am E-Piano den richtigen Ton an und hebt die Arme: Das ist das Zeichen zur Einstimmung: „La-la-la-la-la-la-la“ singen die Männer in verschiedenen Tonlagen. „Wir singen jetzt das ganze Programm für Mittwoch einmal komplett durch“, gibt Brandt Anweisung.

Für das Sommersingen im Park übt die Liedertafel sieben Stücke ein. „Nichts Schweres, es sind schwungvolle Lieder, passend zum Sommer“, so Brandt. „Funiculi-Funicula“ gehört dazu, die „Capri-Fischer“, „Vive L’amour“ und „Weinland“.

Die Liedertafel singt mehrstimmig – darauf legt Brandt großen Wert. „Sonst ist es kein Chor. Meistens singen wir dreistimmig. Wir können aber auch vierstimmig.“

Das Sommersingen beginnt um 19 Uhr. Der Eintritt ist frei. Neben der Liedertafel treten Gastchöre und Orchester auf. Mit dabei sind das Twistringer Blasorchester, der gemischte Chor Sulingen, der gemischte Chor Bassum sowie die Jagdhornbläser des Hegerings.

Ablesen erlaubt - auch wenn es Fotografen ärgert

Die Bassumer Wirte bereiten Bratwurst und Getränke vor. Bei gutem Wetter rechnen die Gastgeber mit mehren hundert Besuchern. Marcioch: „Wir haben schon mal 600 gezählt.“

Das schönste Kompliment, das Brandt nach einem Konzert zu hören bekam, war: „Man sieht richtig, wie viel Spaß deine Männer haben. Und den Text versteht man auch.“

Obwohl die Mitglieder der Liedertafel textsicher sind, dürfen sie ablesen. Günther schmunzelt: „Ein Graus für jeden Fotografen. Auf den Fotos hat die Hälfte von uns immer ein Blatt vor der Nase.“ Aber es gebe nunmal Sicherheit.

Diese Sicherheit braucht es bei der Probe nicht. Die Anwesenden singen flüssig – von Sommer und Wein. Im Blick steht bereits das Feierabendbier zur Belohnung.

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