Sportgilde ehrt Inge Richter: Die 92-Jährige ist seit 70 Jahren im Schützenwesen und hilft, wo sie kann

„Sie ist ein Juwel“

Horst-Dieter Jobst überreicht Inge Richter das Bild als kleines Dankeschön für ihre Tätigkeit. Foto: Kreykenbohm

Bassum - Von Julia Kreykenbohm. Acht Tage sind vergangen, seit Inge Richter die Mittelschule in Bassum verlassen hat. Da endet der Zweite Weltkrieg. Keine Bomben mehr, keine feindlichen Flieger am Himmel – dafür viele Verletzte, ehemalige Gefangene und Flüchtlinge. „Um die musste sich doch jemand kümmern“, sagt Richter. Aus der frischgebackenen Schulabgängerin wird eine Krankenschwester.

Ihr Arbeitsplatz sind unter anderem die Baracken, die an der Bremer Straße als Ausweichkrankenhaus für das Hospital in Bremen fungieren. Für Durchreisende, die am Bahnhof Bassum ankommen, kocht sie Tee, streicht Brote und sammelt Zeitungen. Sie wohnt direkt am Bahnhof, bekommt das Elend also hautnah mit – und möchte helfen. Ein Wesenszug, den die heute 92-Jährige beibehalten hat und für den sie vor Kurzem ausgezeichnet wurde.

Der Vorsitzende der Sportgilde, Horst-Dieter Jobst, übergab Richter bei einer Zusammenkunft ein Präsent und fand anerkennende Worte für die Frau, die sogar Gründungsmitglied ist. „Sie ist ein Juwel. Sie setzt sich für jeden Menschen ein, hat versucht, allen Freude zu schenken und zu helfen. Unsere Ausflüge hat sie mit ihren Ideen immer bereichert“, schwärmt Jobst. Unter anderem sei Richter auch eingebunden gewesen, als es 1973 um die Grundsteinlegung der Delme-Werkstätten in Bassum ging.

Richter ist seit 70 Jahren dem Schützenwesen verbunden. Das kannte sie schon aus ihrer Kindheit. „Meine Eltern gehörten dem Schützenverein an, und so kam ich auch dort hinein. Das gehörte sich damals so. Mein Vater wurde sogar einmal Schützenkönig. Das muss so 1926 gewesen sein.“

Geschossen hat Richter zwar auch, aber das sei „nicht so ihr Ding“ gewesen. Viel besser gefiel ihr das Zusammensein mit anderen Menschen und die Gemeinschaft. 1998 gründete sie unter anderem mit Jobst, mit dem sie eine enge Freundschaft verbindet, die Gilde.

Für jedes Treffen reist die 92-Jährige aus Ganderkesee, wo sie mittlerweile lebt, nach Bassum. „Und so lange es möglich ist, will ich das auch machen“, erklärt Richter. Sie habe sich immer gern eingebracht. „Wenn Not am Mann ist, ruf Inge an“, sei so ein geflügelter Satz in der Gilde geworden, sagt Richter und schmunzelt.

Dass die übrigen Mitglieder das zu schätzen wissen, zeigte sich in der Vorbereitung für die Ehrung der 92-Jährigen. „Wir haben etwas für Inge vor“, sagte Jobst und Michael Gillner erklärte spontan: „Da mache ich was!“ Und er „machte“ ein hübsches Bild, das unter anderem Richters Schwester Lory Butt und August Huesmann, ihren ehemalige Nachbarn, der seit 60 Jahren mit dem Schützenwesen verbunden ist, zeigt.

„Du bist eine Frau, die gern gibt, und was du gegeben hast, wird nie vergessen. Man kann dich nicht genug hofieren“, sagte Jobst, als er der überraschten Seniorin unter dem Beifall der übrigen Gäste das Bild überreichte.

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