Sidney Ellis singt vor rund 200 Besuchern in der Bassumer Stiftskirche

Jazz statt Predigt

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Sidney Ellis begeisterte in der Stiftskirche.

Bassum - Von Ulf Kaack. Ein ausgesprochen glückliches Händchen bewies das Kulturforum bei der Auswahl des ersten Konzerts in der neuen Saison. Die US-amerikanische Sängerin Sidney Ellis gastierte am Sonnabend in der mit knapp 200 Besuchern nahezu ausverkauften Stiftskirche Bassum und erntete frenetischen Beifall.

Nein, dies war keines dieser typischen, vornehmlich in Winterzeiten stattfindenden Kirchenkonzerte mit Gospels und Traditionals aus der Mainstream-Schublade. Sidney Ellis zählt international zu den ganz Großen ihres Fachs, verfügt über eine Premium-Stimme ihres Genres. Ihre Karriere begann die 68-Jährige erst spät, 1991 in Los Angeles. Seitdem hat sie mehr als 1200 Konzerte in 27 Nationen gegeben. Auch auf ihrer jüngsten Station in der Bassumer Stiftskirche wusste die Ausnahme-Vokalistin von Beginn an zu begeistern.

Mit dem langsamen Blues „Summertime“ war der Einstieg ins Programm zunächst verhalten, was sich jedoch schon mit dem zweiten Titel „September in the Rain“, einem swingenden, vom Bass getriebenen Jazz-Opus, änderte. Es folgten eine ganze Reihe Klassiker aus dem „Great American Songbook“, vornehmlich afro-amerikanischen Ursprungs: „All of me“, „Trouble in Mind“ oder „Nobody’s Fault but Mine“.

Geschickt kombinierte Sidney Ellis dabei traditionelle Songs aus Blues, Jazz und auch dem Rock’n’Roll der 1950er-Jahre. Mit ihrem sagenhaften Stimmvolumen schlug sie einen Bogen zwischen tiefgründig-melancholischen Songs und kraftvollen Kompositionen. Treibende Dynamik und Emotionen lagen dicht beieinander.

Nicht unerwähnt bleiben darf die hervorragende Begleitband der Amerikanerin. Es war vor allem Pianist Ralf Liebelt, der immer wieder mit fulminanten Solopassagen an seinem Instrument zu glänzen wusste. Unaufgeregt und mit einem Höchstmaß an Präzision agierten Schlagzeuger Chris Zeitler und Doc Ellis am Bass. Letzterer ist seit 30Jahren mit Sidney Ellis verheiratet.

Das Quartett vermochte es von Beginn an, das Bassumer Publikum zu vereinnahmen und mitzureißen. Ohne divenhafte Allüren suchte Sidney Ellis stets den Kontakt zum Publikum, tänzelte durch die Kirchenbänke und ging auf Tuchfühlung. Nach zweieinhalb Stunden endete das Konzert mit einer energiegeladenen Interpretation von „When the Saints go marching in“ und einer Vokalversion von „Amazing Grace“. Das Auditorium bedankte sich lautstark mit lang anhaltendem Beifall.

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