Seit 50 Jahren im Spielmannszug

„Sicher an die 40 schwarze Hosen verschlissen“

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Dem Spielmannszug Albrignhausen-Schorlingborstel halten Erich Feldermann (hintere Reihe zweiter von rechts) und Werner Winkelmann seit 50 Jahren die Treue.

Bassum - Von Julia Kreykenbohm. „Habt ihr nicht Lust, beim Spielmannszug Albringhausen-Schorlingborstel mitzuspielen?“ Erich Feldermann war 15 und sein Freund Werner Winkelmann 16 Jahre alt, als sie diese Frage mit Ja beantworteten – obwohl keiner von ihnen vorher ein Musikinstrument gelernt hatte.

Aber sie hatten Lust, gemeinsam mit ihren Freunden etwas zu unternehmen. 50 Jahre ist das jetzt her. Vieles hat sich seitdem verändert – doch Mitglied im Spielmannszug sind die beiden Männer immer noch.

Winkelmann und Feldermann sitzen am Tisch und blättern in dem Album, das der Spielmannszug Winkelmann vor fünf Jahren schenkte. Der Anlass: der langjährige Tambourmajor tauschte den Stab gegen Papier und Stift – grob gesagt. Er übernahm den Posten des Geschäftsführers. „Die alte Geschäftsführerin hatte aufgehört. Am Anfang war es schon schwer, weil mir die Auftritte gefehlt haben“, erzählt Winkelmann.

Als er und Feldermann anfingen, lernten sie die Querflöte. „Da mussten wir erstmal Töne rauskriegen“, erinnert sich Feldermann. Die Tonleiter wurde hoch- und runtergespielt, Lieder eingeübt, die sie zuvor nicht kannten. „Damals lernten wir nur Märsche.“ Zusätzlich übten sie das Marschieren, und schon beim nächsten Schützenfest waren die „Küken“ dabei.

Fehler von Älteren kaschiert

Nervös seien sie nicht gewesen – zumindest, so lange die Routiniers dabei waren. „Man hat sich auf die Älteren verlassen, dass sie die eigenen Fehler kaschierten“, berichtet Feldermann schmunzelnd. Das Problem: Viele der „Großen“ waren Landwirte, und das Fest fiel in die Zeit, in der Heu gemacht wurde. „Wir haben dann gehofft, dass es regnet, denn nur dann hatten sie Zeit zu kommen.“

Nach einem Jahr tauschte Feldermann die Flöte gegen die Paradetrommel – auch wenn das gewisse „Opfer“ forderte. „Ich habe in all den Jahren durch das Scheuern des Instruments sicher an die 40 schwarze Hosen verschlissen“, glaubt Feldermann.

Viele Anekdoten fallen den beiden Spielleuten ein, wenn sie die Jahre an sich vorbeiziehen lassen. „Als wir in Bremen in den Kleingärten aufgetreten sind, ist eines unserer Mitglieder in einen Bach gefallen, weil es die Entengrütze auf dem Wasser mit Rasen verwechselte. Ein anderes Mal überhörte ein Lyra-Spieler das Kommando ,Rechts um’ und knallte gegen die Ehrenpforte.“

Ans Aufhören denken Erich Feldermann (links) und Werner Winkelmann noch lange nicht.

Ein echtes Highlight sei der Auftritt beim Schützenfest Hannover vor zehn Jahren gewesen. „Da waren so viele Schützen und Spielmannszüge“, erinnern sich Winkelmann und Feldermann.

Ansonsten haben sie fast alle Schützenfeste rund um Bassum besucht. „Wir hatten mal 32 Auftritte im Jahr, jetzt sind es noch 15. Wir könnten mehr machen, aber es fehlen die Leute.“ Zwar sei der Spielmannszug gut aufgestellt und habe auch einige Nachwuchsspieler: „Unsere Jüngste ist acht Jahre.“ Aber viele seien auch in anderen Vereinen aktiv und könnten nicht jedes Wochenende weg. Höhepunkt sei das Jahr 1985 gewesen, wo der Spielmannszug 68 Mitglieder gehabt habe, so dass „wir uns teilen konnten. Eine Hälfte spielte in Apelstedt, die andere in Ringmar.“ Heute sind es 36 Mitglieder.

Ans Aufhören denken sie nicht

Ans Aufhören denken die Musik-Freunde noch nicht. „So lange ich laufen kann, bin ich dabei“, sagt Feldermann. „Es hat mir immer Spaß gemacht und würde mir wehtun, nur noch zuzuhören.“ Das Besondere an ihrem Spielmannszug sei der Zusammenhalt und dass es eher locker zugehe. Neben den Märschen werden auch aktuelle Lieder gespielt, wie zum Beispiel von Helene Fischer oder Santiano. Nach einem Auftritt in Stocksdorf hätten die Leute gefragt: „Kommt ihr nächstes Jahr wieder?“

Am Wochenende müssen die Spielleute beim Kreisverbandsschützenfest wieder ran. Am Sonntag werden Winkelmann und Feldermann für ihre 50-jährige Treue geehrt. Und sie sind nicht die einzigen: Stephan Ehlers, Inge Heitböhn und Jutta Bäker sind seit 40 Jahren dabei.

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