Appell an die Vernunft der Mitarbeiter

Handwerk profitiert zum Teil von Coronakrise: „Leute lassen jetzt viele Dinge machen“

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Hoffen, dass die Branche weiterhin gut durch die Corona-Krise kommt: Lars-Tino Bobek (links) und Carsten Wiegmann.

Bassum - Sie sind nicht so gravierend, wie in anderen Bereichen des Handwerks. Beispielsweise bei den Friseuren oder Bäckern. Aber sie sind da: Die Veränderungen durch das Coronavirus. Auch der Arbeitsalltag der Handwerker aus dem Bau- oder Ausbau-Bereich hat sich ein wenig gewandelt.

„Die Mitarbeiter haben immer eine Maske dabei, wenn sie zum Kunden fahren“, erläutert Lars-Tino Bobek, Vorsitzender der Ortshandwerkerschaft und Inhaber von Bobek Möbel Innenausbau. Eigentlich müssen sie bei ihrer Arbeit keine tragen. Aber wenn der Kunde es möchte, kommen sie dem selbstverständlich nach. „Oder wir fragen vorher, ob die Mitarbeiter mit Maske kommen sollen“, ergänzt Carsten Wiegmann vom „Dekoratör“. Auch seine Verkäufer haben immer die Maske griffbereit, obwohl sie bei ihrer Arbeit ebenfalls keine tragen müssten.

Was den Schutz der Handwerker selber angeht, müssen diese sich auf die Vernunft und Rücksichtnahme ihrer Kollegen verlassen. So zum Beispiel, wenn zwei Mitarbeiter in einem Auto zum Kunden fahren. „Das sind aber in der Regel immer dieselben, die miteinander fahren“, so Bobek. Natürlich kann Kollege A nicht wissen, ob Kollege B am Wochenende mit mehreren Leuten grillen war und sich dabei womöglich infiziert hat – „aber eine hundertprozentige Sicherheit hat man ja nie“, so der Vorsitzende der Ortshandwerkerschaft, in der 53 Betriebe vertreten sind.

Coronavirus auf der Baustelle: Appell an die Vernunft der Handwerker

Ebenso ist es auf der Baustelle. Die Mitarbeiter sind angehalten, in ihrem Gewerk unter sich zu bleiben und sich beim gemeinsamen Frühstücken weit auseinanderzusetzen. So wie es auch beim Essen im Betrieb der Fall ist.

Kontrollen an den Baustellen, ob sich auch alle an die Abstandsregeln halten, gebe es nicht. Da setze man ebenfalls auf die Vernunft der Mitarbeiter, die ja auch alle ein Interesse daran haben, sich nicht anzustecken und das Coronavirus in den Betrieb zu schleppen.

Denn – das ist Bobek und Wiegmann klar – „bei einem erkrankten Mitarbeiter wird der gesamte Betrieb geschlossen. Dann ist sofort Schluss.“ Doch die beiden Chefs lassen sich angesichts dieser Vorstellung nicht aus der Ruhe bringen. „Man muss damit rechnen – sollte aber nicht in Hysterie verfallen.“

Handwerk in der Corona-Pandemie: Unsicherheit der Kunden geht zurück

Anfangs hat Bobek noch versucht, seine Mitarbeiter zeitversetzt einzusetzen – also Kollege A kommt montags und dienstags und Kollege B mittwochs und donnerstags – „aber das ist nicht möglich, weil zu viele Projekte sich überschneiden, an denen gemeinsam gearbeitet werden muss“, so Bobek.

Die Unsicherheit der Kunden, die zu Beginn der Corona-Krise dazu führte, dass viele Termine verschoben wurden, sei ebenfalls abgeflaut. Jetzt sei, im Gegenteil, sogar ein positiver Trend spürbar: „Die Leute lassen jetzt viele Dinge in ihrem Urlaub machen, die sie sonst nicht haben machen lassen, weil sie in der Zeit lieber weggefahren sind.“ Wiegmann ergänzt mit einem Schmunzeln: „Und bei uns kaufen sie Gummibänder für Masken.“

Corona-Pandemie hat auch Auswirkung auf die Lieferanten: Lage jedoch generell entspannt

Was allerdings die Arbeit der Handwerker stört, sind die Lieferschwierigkeiten, wenn es um Produkte aus dem Ausland geht. Dort hätten die Lieferanten viel heruntergefahren. „Eine Weile mussten wir bis zu vier Wochen auf Leder aus Italien warten. Das hat sich zum Glück wieder gegeben“, so Wiegmann. Kritischer sei es mit Waren aus China. „Von dort kommen etwa 99 Prozent der Möbelgriffe. Und wenn die Lager in Deutschland leer sind, sind sie leer“, erklärt Bobek.

Doch von echten Einschränkungen und Einbußen durch das Coronavirus können die Handwerker im Bau- und Ausbaubereich in Bassum bisher nicht sprechen. „Man hat aber keine Planungssicherheit.“ Die Stimmung unter den Mitarbeitern sei entspannt. Allerdings haben gerade Eltern mit kleinen Kindern Probleme mit der Betreuung ihres Nachwuchses.

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