PORTRÄT Horst-Dieter Jobst hat vor 22 Jahren die Sportgilde gegründet

„Seelenwohl ist das Wichtigste im Leben“

Ein Danke ist für ihn das Schönste: Horst-Dieter Jobst wurde kürzlich mit der Bassumer Ehrenmedaille ausgezeichnet.
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Ein Danke ist für ihn das Schönste: Horst-Dieter Jobst wurde kürzlich mit der Bassumer Ehrenmedaille ausgezeichnet.

Bassum – Er hat den Verein Sportgilde Bassum 98 ins Leben gerufen. Horst-Dieter Jobst. Für sein Engagement in dieser Zeit hat ihm die Stadtverwaltung kürzlich die Bassumer Ehrenmedaille verliehen.

Aber der Reihe nach: 1966 hat Jobst in Bassum ein Grundstück gekauft, dort ein Jahr später gebaut, und dann ist er mit seiner Frau nach Bassum gezogen. Eigentlich ist er gebürtiger Ostfriese, aber in Bremen aufgewachsen, erzählt er. „1963 habe ich mich selbstständig gemacht. Zu Anfang mit Werk- und Generalvertretung in Ostfriesland.“

Aber er hatte, wie er sagt, schon immer einen Bezug zu Bassum. „Meine Großmutter kommt aus Apelstedt, mein Vater aus Scharrendorf.“ 1972 hat er in Bassum die Firma Joba gegründet. Alles für die Landwirtschaft habe er dort verkauft – Pumpen, Aufbereitungsanlagen, Güllewagen und Stalleinrichtung, listet der 78-Jährige auf. „Ich habe immer etwas anderes gemacht als die anderen.“ Er erzählt von Entsorgungsboxen für Kleidung, die seine Idee waren. „1989 haben wir 25 000 Stück im Jahr gebaut. Die haben wir weltweit verkauft.“ Und er erzählt von Fließentmistung, während die anderen ihre Ställe noch per Schwemmentmistung gereinigt hätten.

Vor 21 Jahren ist die Firma Joba nach Bremen gezogen. „Die führt mein Sohn.“

Vor 48 Jahren ist Jobst dem Schützenverein Bassum von 1848 beigetreten. Warum? „Das hat sich aus dem Freundeskreis heraus entwickelt.“ 14 Jahre später wurde er Schützenkönig. „Gleichzeitig bin ich dann auch in den Vorstand gekommen und war der erste Vorsitzende“, erinnert er sich. 13 Jahre hatte er den Posten inne.

Damals hatte der Verein um die 200 Mitglieder. Während seiner Zeit dort hat er den Schießstand neu gebaut. „Da war viel marode. Die Schießhalle war abbruchreif.“ 1992, zu seinem 50. Geburtstag, hat er zusammen mit Handwerkern die Schützenhalle in Angriff genommen und neu gebaut. Sowohl die Halle als auch den Schießstand haben sie mit Fachwerk versehen, erzählt er. „1991 habe ich den Luftgewehrstand gebaut.“

Sechs Jahre später kam es zu Problemen zwischen Jobst und dem Verein, und er ist ausgetreten. „Ich wollte mit dem Schießsport eigentlich nichts mehr zu tun haben.“ Aber: „Ich wurde vom Nordwestdeutschen Schützenbund animiert, einen eigenen Verein zu gründen“, berichtet der 78-Jährige. Und so entstand die Sportgilde. Das war 1998. „Etwa 250 Mitglieder waren wir anfangs“, sagt Jobst. „Wir haben alles aufs Modernste umgebaut. Auf unserer Anlage haben sich Schützen aus Russland, Armenien, Georgien und Frankreich für die Olympiade vorbereitet. Die haben hier trainiert.“ Er sagt weiter: „Wir gehörten zu den achtbesten, die um die deutsche Meisterschaft kämpften, und bis 2015 gehörten wir zur besten Mannschaft in Deutschland.“

Jobst selbst ist auch noch aktiv. Jeden Dienstag treffen sich die Mitglieder zum Übungsschießen. „Das ist eine nette Gesellschaft. Es kommen viele Leute und danach trinken wir immer ein bisschen was. Ich bin immer dabei“, sagt er und lächelt. Aktuell zählt der Verein um die 200 Mitglieder. Das sei eine gute Größe.

Die Sportgilde kümmert sich auch um Bedürftige. Vor 21 Jahren hat Jobst der Bassumer Tafel eine Fläche von 60 Quadratmetern an der Eschenhäuser Straße zur Verfügung gestellt. 2003 wurde sie auf 300 Quadratmeter vergrößert und 2017 nochmals. „In diesem Jahr ist die Fläche auf 800 Quadratmeter erweitert worden. Auf zwei Etagen.“ Unten befindet sich die Tafel, oben die Kleiderkammer.

Jobst hat selbst erfahren, wie es sich anfühlt, wenn andere Menschen einem helfen: Am 4. Oktober 1983 sind sein Wohnhaus und die Produktionshalle abgebrannt. Da seine Frau aus Bayern kommt, hatte er ein bayerisches Haus gebaut. „Das war ganz toll“, schwärmt er. In dieser Zeit habe er viel Unterstützung von Nachbarn, Freunden und der Stadt erhalten.

Nach dem Brand hat Jobst ein Gästehaus gebaut, in der die Familie vorübergehend eingezogen ist. „Am 4. Dezember war die Einweihung der neuen Halle.“ Er sagt weiter: „Im Mai war alles wieder fertig. Wir mussten alles neu haben. Das Schlimme war, es war alles weg. Wir hatten keine Kinderfotos und somit keine Erinnerungen mehr.“

So spenden die Schützen ebenfalls ihre Mitgliederbeiträge der Bassumer Tafel, sagt Jobst. Seit etwa fünf Jahren, immer im Februar, laden die Ehrenamtlichen die Bedürftigen zu einem Fest ein. „Es gibt dann was zu Trinken und zu Essen in der Gilde-Festhalle. „Wir sind da immer so 250 Leute. Das ist immer eine schöne Sache“, sagt er.

Das Schönste am Ehrenamt? „Das Wort Danke. Das Danke ist für die Seele wichtig.“ Beim Schützenwesen müsse einem das Herz aufgehen. „Schützen kommt von Beschützen. Das war der Grundgedanke dieser Gründungszeit. Es war für Leute in Not gedacht.“ Wenn er zu den Veranstaltungen geht, dann „tanke ich Freude“. Jobst betont: „Das Wichtigste im Leben ist das Seelenwohl.“

Von Lara Terrasi

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