Strikte Vorgaben und geringe Gewinnspanne bedrohen Schweinemastbetrieb von Gerd und Ute Wohlers

Volontärs-Tour: Gestiegene Kosten, ungewisse Zukunft

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Sohn Jörg möchte das Unternehmen irgendwann weiterführen.

Bassum - Von Tobias Kortas. Das Landvolk Mittelweser hat die Volontäre (also die Auszubildenden zum Redakteur) der Mediengruppe Kreiszeitung eingeladen, den Schweinehof von Ulrike und Gerd Wohlers in Bassum-Hallstedt und den Milchviehhof von Henning Böse in Bassum-Bramstedt zu besichtigen, um neutral zu informieren.

Demografischer Wandel, der Rückgang von landwirtschaftlichen Betrieben, der Zwang zu immer größeren Höfen und die Ungewissheit politischer Beschlüsse: Diese Schlagworte fallen in Begleitung eines Schulterzuckens, wenn Landwirte über die Zukunft ihrer Branche sprechen. Gerd Wohlers, der gemeinsam mit seiner Frau Ulrike einen Sauen- und Schweinemastbetrieb in Bassum-Hallstedt führt, wagt es zum Beispiel nicht, eine Prognose für die Zukunft seines Unternehmens abzugeben. „Ich bin in der Planung hilflos: Die Strukturen verändern sich ständig und es gilt, immer wieder auf die Vorgaben der Politik zu reagieren“, so der Landwirt. So habe sich bereits seit 1990, als Wohlers den Betrieb von seinem Vater übernahm, viel verändert. Zu nennen sei hier vor allem die Dokumentationspflicht, die immer aufwendiger werde und selbst Umstallungen einzelner Tiere betreffe.

Lässt man beim Betrieb von Wohlers den Blick über die Boxen der Sauen schweifen, die Ferkel säugen, fallen die kleinen Zettel über den Ställen auf: Von der Geburt bis zu den einzelnen Würfen ist alles mit dem Datum versehen notiert. Die Dokumentationen kosteten laut Wohlers vor allem Zeit – und damit Geld.

Eine weitere politische Vorgabe, die in Planung sei, beträfe die Schwänze der Tiere. „Es ist gängige Praxis, ein Drittel davon abzuschneiden, damit die Schweine sich die Schwänze nicht gegenseitig abbeißen. Dies soll jetzt aber verboten werden.“ Die Tiere würden im Drittel des Schwanzes keinen Schmerz spüren. Träte dieser ohne das obere Drittel beim Beißen sofort ein, würden die Schweine sich nicht weiter gegenseitig verletzen. Nun befürchtet Wohlers, dass sich die Tiere mit Einsetzen des Verbots sogar bis zum Tod beißen – es könnten zahlreiche Schweine verloren gehen, mit denen dann kein Geld mehr zu verdienen sei. Außerdem sei die Gewinnspanne heutzutage deutlich niedriger geworden. 150 Euro bekomme man für ein Schwein beim Schlachthof, 140 Euro davon koste die Aufzucht der Schweine, bis diese nach sechs bis sieben Monaten 120 Kilogramm wiegen und damit schlachtreif sind. Diese Kosten seien früher zum Beispiel durch weniger aufwendig ausgestattete Ställe geringer gewesen. Somit zeigte sich eine hohe Sensibilität: Auch wenn nur wenige der Tiere an Krankheiten sterben, rentiert sich die gesamte Zucht nicht mehr.

Die Zukunft des seit 1889 und in fünfter Generation bestehenden Betriebes der Familie Wohlers scheint zunächst gesichert: Sohn Jörg ist landwirtschaftlicher Fachschüler und möchte das Unternehmen weiterführen. „Es hängt dann davon ab, was er daraus macht.“ Auch eine Spezialisierung auf eine andere Form der Landwirtschaft scheint vorstellbar.

Volontäre der Mediengruppe Kreiszeitung auf Bauernhof-Besuch

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