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Schwammstadt: Wasser dort binden, wo es fällt - auch in Bassum?

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Von: Gregor Hühne

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Kontrovers: CDU, Bürger-Block und Gemeinsam für Bassum im Bassumer Stadtrat lehnen den Vorschlag zum Wasserbinden vor Ort ab. Symbolfoto: dpa
Kontrovers: CDU, Bürger-Block und Gemeinsam für Bassum im Bassumer Stadtrat lehnen den Vorschlag zum Wasserbinden vor Ort ab. Symbolfoto: dpa © -

Die Bassumer CDU unterstützt das Anliegen einer Schwammstadt in Syke, lehnt aber einen SPD-Grünen-Antrag zum Thema ab - und sieht „noch viel Rede- und Informationsbedarf“.

Bassum – Die Antragssteller der Ratsgruppe SPD-Grüne in Bassum wollten die Stadt auf künftige Starkregen-Ereignisse vorbereiten. Ein durchaus sinnvoller Gedanke, findet auch Kreislandwirt Wilken Hartje, CDU-Mann in Syke. Er hatte das Thema am Rande der Diskussion des Kreisentwicklungsausschusses des Landkreises Diepholz vorgestellt, wir berichteten.

Doch seine Parteikollegen aus Bassum votierten im Ausschuss für Stadtentwicklung gegen die Errichtung von Grünflächen und Regenrückhaltemöglichkeiten.

Was war passiert?

Momentan gelangt das Wasser, das von den Dächern kommt, in die Kanalisation und wird von dort ins Meer geleitet, so Dr. Christoph Lanzendörfer (SPD). „Da brauchen wir das aber nicht. Immerhin handele es ist sich um Frischwasser respektive Süßwasser.“

Die Stadtplanung soll in neuen Baugebieten anfallendes Regenwasser vor Ort speichern, statt es durch die Kanalisation abfließen zu lassen. Ein Konzept, das in vielen Orten umgesetzt wird und das die Ratsgruppe Rot/Grün in Bassum angehen wollte. Daher lobt sogar Sozialdemokrat Lanzendörfer den CDU-Politiker Hartje aus der Nachbarstadt Syke: „Er weiß, was er sagt.“

Im Antrag von SPD/Grüne vom 28. Juli sollte sich die Stadt Bassum planerisch das Ziel setzen, innerorts Regenwasser zu binden und dann langsam abzugeben. Die sogenannte Schwammstadt sollte den Niederschlag in Wurzeln und im Blätterwerk behalten und so Wasser zurückhalten.

Umgesetzt werden sollte das Konzept vor allem in Bereichen mit höherer Verdichtung durch Grünflächen mit Bäumen, Büschen oder Hecken. Verkehrs- und Bauleitplanungen sollten diesen Grundsatz mit hoher Priorität berücksichtigen, so die Absicht. „Wir haben pro Jahr den gleichen Niederschlag, aber 80 Prozent kommen jetzt binnen vier Monaten im Winter“, sagt Lanzendörfer.

Es ging auch darum, Alternativlösungen aufzuzeigen, so Lanzendörfer. Beispielsweise mit wasserspeichernden Straßenbelägen, die Regenwasser in Kapillaren speichern. „So wollen wir versuchen, Wasser, das ins Abwasser geht, zurückzuhalten.“

Der Schwammstadt-Antrag

Der Vortrag des Oldenburgisch-Ostfriesichen Wasserverbandes (OOWV) im Stadtentwicklungsausschuss vom 23. Juni zeigte, dass auf zurückgehende Grundwasserspiegel und damit Trinkwasser für die Menschen reagiert werden müsse. Ein Modell hierfür ist die sogenannte Schwammstadt. Das Prinzip ist, Regenwasser dort zu binden, wo es niederfällt, und nicht zu kanalisieren und letztlich ins Meer zu führen. Dazu brauche man natürliche (Grünanlagen) und nicht-natürliche (Zisternen, Rigolen) Wasserreservoirs. Da Grünflächen einen hohen Anteil des gebundenen Regenwassers wieder als Verdunstung abgeben, bietet sich hier die Möglichkeit, nicht nur Wasser zu speichern, sondern auch Temperaturen zu senken. Dort, wo aus Platzgründen keine Möglichkeiten bestehen, diesem Grundgedanken zu folgen, sollen Alternativlösungen wie wasserspeichernde Straßenbeläge verpflichtend zur Anwendung kommen.

Doch es kam anders: „Der Antrag wurde dann abgelehnt, aus uns absolut unverständlichen Gründen“, ärgert sich Lanzendörfer.

Die Bassumer Ratskoalition aus CDU, Bürgerblock und der Gruppe „Gemeinsam für Bassum“ hatte den Antrag in der Sitzung Ende November abgelehnt.

„Die CDU ist sauer, dass sich Rot-Grün im Stadtrat zu einer Gruppe zusammengeschlossen haben“, spekuliert Lanzendörfer, und „der Bürgerblock sagt zurzeit zu allem Nein, was die SPD vorschlägt“.

Hans-Hagen Böhringer nimmt für die Bassumer CDU Stellung zum Abstimmungsverhalten: „Die CDU-Fraktion sieht den Antrag der Gruppe Rot-Grün nicht als Konzept, so viel zu dem Vergleich mit Syke.“ Die Fraktion sehe in dem Antrag „noch viel Rede- und Informationsbedarf“. Zwei wesentliche Ziele seien in dem Antrag aber genannt, so Böhringer: Regenwasser durch Speicherung und langsames Versickern auf dem Grundstück zu halten sowie mehr Begrünung und mehr Grünflächen.

Auch Böhringer findet, dass es durch den Bebauungsplan in dieser Richtung klare Vorgaben geben müsse, „nur der Wille und gute Vorsätze alleine reichen da nicht aus“.

Böhringer führt aus: „Wir würden uns zu diesem Thema gerne mit allen Fraktionen und der Verwaltung auseinandersetzen.“

Mehrheitsfähige Lösungen seien möglich „und vor allem notwendig“, so Böhringer auf Anfrage der Kreiszeitung: „Ich persönlich sehe den Trinkwasserverbrauch und die Verwendung der wichtigsten Ressource als Handlungsfeld. Solange wir mit Trinkwasser zum Beispiel unsere Toilettenspülung und Gärten wässern, sollte es jedem klar sein, dass es so nicht weitergehen kann.“

Christoph Lanzendörfer sieht die Ablehnung dennoch als Fehler und vertane Gelegenheit. Er vergleicht es mit den städtischen Schulen, als aus Kostengründen eine Einfachverglasung eingebaut worden sei. Heute werde „für viel Geld“ Doppel- oder Dreifachverglasung nachgerüstet.

Ganz vom Tisch sei das Vorhaben Schwammstadt nicht, sagt Lanzendörfer, und weiter: „Wir werden Haushaltstitel beantragen und wollen beim Stadtrat ein Budget ansetzen.“

So sieht die CDU andernorts die Schwammstadt

In Nordrhein-Westfalen haben CDU und FDP bereits ein Förderprojekt für die Schwammstadt gestartet. Der CDU-Landtagsabgeordnete Jochen Ritter erklärt auf der Internetseite der Landtagsfraktion: „Sie soll Wasser durch offenporige Flächen oder andere Rückhaltemöglichkeiten aufnehmen, auch wenn es schlagartig in großen Mengen auftritt, zurückhalten für trockene Phasen oder langsam wieder abgeben, um über Verdunstung Kühlung zu liefern.“

Die CDU-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung Lichtenberg beantragt: „Das Bezirksamt wird ersucht, leere Baumscheiben, in denen keine Bäume mehr gepflanzt werden können, stattdessen mit Stauden und niedrigwachsenden Sträuchern im Sinne der Entwicklung zur Schwammstadt zu bepflanzen und hierfür Kooperationen mit Bürgerinitiativen und Anwohnenden anzustreben.“

Die CDU-Fraktion in Berlin fordert: „Berlin auf den Weg zur Schwammstadt bringen.“ In Bergisch Gladbach schlägt die CDU eine Bewerbung für das NRW-Förderprojekt „Schwammstadt“ vor.

Die CDU Dortmund möchte ihre Stadt ebenfalls zur Schwammstadt machen.

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