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Schulsozialarbeiterin kehrt nach Elternzeit wieder an Grundschule in Bassum zurück

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Von: Anika Seebacher

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Jennifer Fricke steht vor der Tür des „Respekt Raumes“
In ihrem Respektraum ist Schulsozialarbeiterin Jennifer Fricke für die Schüler der Grundschule Mittelstraße jederzeit ansprechbar. © Seebacher

Nach ihrer Elternzeit lässt Schulsozialarbeiterin Jennifer Fricke Projekte an der Grundschule Mittelstraße in Bassum wieder aufleben. Schüler konnten sich nach langer Zeit nicht mehr an sie erinnern.

Bassum – Zwar ist sie die einzige Person ihres Berufsstandes an der Schule, doch allein fühlt sich Jennifer Fricke keinesfalls. „Ich war von Anfang an integriert und bin wieder mit offenen Armen empfangen worden“, sagt sie. Die 33-Jährige ist Schulsozialarbeiterin an der Grundschule Mittelstraße in Bassum – und seit Mitte November aus der Elternzeit zurück.

„Die Schüler konnten sich nicht mehr an mich erinnern“, sagt Fricke. Das sei kaum verwunderlich. Als sie im September 2019 die halbe Stelle an der Grundschule antrat, hieß sie noch Görlitz mit Nachnamen. Dann kamen Corona und ihre zweite Schwangerschaft, erinnert sich Jennifer Fricke. „Da lag Vieles erst einmal brach. Ich mache mich jetzt daran, Projekte wieder aufzurollen.“

Während der Elternzeit hätten die Lehrer sie jederzeit kontaktieren können. „Aber das Kollegium ist sehr kompetent und sozial“, weiß Fricke. Deshalb sei die Schulsozialarbeit während ihrer Abwesenheit auch keinesfalls „hinten über gefallen“. „Die Kinder sind sehr vertraut mit den Lehrern und besprechen Vieles mit ihnen“, weiß die 33-Jährige. Dennoch sind die Lehrerinnen und Lehrer der Grundschule Mittelstraße froh, dass die Fachkraft nun von Montag bis Donnerstag wieder vor Ort ist. „Den Lehrern fehlt einfach die Zeit für diese Aufgaben“, weiß die Schulsozialarbeiterin, die für Schüler, Lehrer und Eltern gleichermaßen eine wichtige und vor allem neutrale Kontaktperson ist.

Erst Krankenschwester, dann Studium der Sozialen Arbeit

„Für mich war klar, dass ich mit Kindern arbeiten möchte“, sagt Fricke zu ihrem Werdegang. Im Ruhrgebiet geboren und aufgewachsen, arbeitete sie nach ihrer Ausbildung zur Krankenschwester in einer psychiatrischen Klinik, bevor sie sich mit 24 Jahren für ein Studium der Sozialen Arbeit entschied. Der Liebe wegen zog Fricke vor fast fünf Jahren nach Bassum und kam schließlich vor drei Jahren an die Grundschule Mittelstraße. Dort ist sie Ansprechpartnerin für rund 200 Kinder, an der Außenstelle in Neubruchhausen für weitere 50. „In Neubruchhausen bin ich lediglich auf Anfrage“, sagt sie zu ihrer Stelle. Ihr festes Büro befindet sich in Bassum. Während sie sich vor ihrer Elternzeit gemeinsam mit Beratungslehrerin Doris Decker einen kleinen Raum hinter der Mensa teilte, finden die Grundschüler Fricke heute direkt neben den Klassenräumen im Erdgeschoss in einem großen, hellen Zimmer hinter einer blauen Tür mit der Aufschrift „Respektraum“.

„Ich habe dieses Zimmer für mich ein wenig umgestaltet“, sagt Fricke und zeigt auf verschiedene Dekorationen, die in den vergangenen Monaten entstanden sind. So haben die Kinder im Ganztag ein Weltraumbild gemalt, Masken gebastelt und eine Mauer aus großen bunten Plastiksteinen gebaut. Neben der Ganztagsbetreuung und den Sprechstunden kümmert sich Jennifer Fricke in Kooperation mit der stellvertretenden Schulleitung und der Volkshochschule noch um den Bereich Bildung und Teilhabe.

Vom Schulhof können die Mädchen und Jungen in den ehemaligen Gruppen- und Spielraum der Grundschule schauen. Zudem steht dessen Tür jederzeit offen. „Manchmal schicken die Lehrer jemanden direkt aus dem Unterricht zu mir“, berichtet die Schulsozialarbeiterin. Dies sei insbesondere der Fall, wenn eine Situation ein Kind so sehr belaste, dass es sich nicht mehr auf den Unterricht konzentrieren könne. Fricke besucht aber auch ohne konkreten Anlass die Klassen und macht Mini-Sozialtrainings. „In den Übungen geht es um Teambuilding“, sagt sie. So lernen die Grundschüler spielerisch, wie sie fair miteinander agieren. Das funktioniere nicht immer gleich gut. „Manche Klassen müssen noch mehr zusammenwachsen, in anderen geht es darum, eine Identität zu schaffen“, verdeutlicht die 33-Jährige.

Nachdenkzeit bei unfairem Verhalten

Zu ihrem Angebot gehören auch die Nachdenkzeiten, die sich Fricke und Beratungslehrerin Decker überlegt haben. Dienstags und mittwochs kommen Kinder, die sich falsch gegenüber ihren Mitschülern verhalten haben, auf Anraten der Lehrer. „Wir überlegen gemeinsam, was hätte anders laufen müssen und wie sich das Kind beim nächsten Mal in einer solchen Situation verhalten soll“, sagt die Schulsozialarbeiterin.

Ein anderes Projekt, das Jennifer Fricke reaktivieren möchte, sind die Streitschlichter. Dabei werden ältere Schüler zu Ansprechpartnern bei Konflikten. „Die Kinder klären den Streit unter sich, indem sie sich alle an einen runden Tisch setzen und reden“, erläutert Fricke. Sieben Streitschlichter stehen schon in den Startlöchern und sollen in einer halbjährigen Ausbildung in Form einer Arbeitsgemeinschaft auf ihre Aufgaben vorbereitet werden. „Sie sind voll motiviert und halten bereits in den Pausen Ausschau, wo sie sich einbringen können“, freut sich Jennifer Fricke, dass die Streitschlichter nach den Sommerferien, dann als Viertklässler, durchstarten können.

Auf lange Sicht soll zusammen mit Frickes Kolleginnen von der Grundschule Petermoor, der Oberschule Bassum sowie Elsbeth Ruholl und Anne-Kathrin Heinze von der Stadt Bassum das Projekt Respekt wieder aufleben. Dies hatte Erika Stötzel als Schulsozialarbeiterin initiiert. „Der Begriff Respekt muss erklärt werden und sich verselbstständigen“, meint Fricke. Denn, so ihre Beobachtung, häufig verwechselten Kinder Respekt mit Macht, wodurch das Wort negativ besetzt sein könnte. „Eine gesunde Einstellung zu dem Begriff ist daher das Ziel.“

Schüler und Eltern haben Sorgen

Schulsozialarbeiterin Jennifer Fricke vermittelt nicht nur in Konfliktsituationen zwischen den Grundschülern, sondern spricht auch mit ihnen sowie den Eltern über Ängste jeglicher Art. Derzeit sei der Krieg in der Ukraine ein zentrales Thema, das in der Grundschule neutral betrachtet werde. „Es ist wichtig, mit den Kindern darüber zu sprechen, weil der Krieg auch hier präsent ist. Wir lenken den Blick aber vor allem auf den Friedensaspekt und wie man Frieden erhalten kann“, sagt Fricke. So würde nicht nur im Unterricht über die Geschehnisse gesprochen, sondern auch im Rahmen der Schulsozialarbeit. „Krieg und Frieden haben schließlich auch etwas mit Respekt zu tun“, zieht Fricke eine Verbindung zu ihrem Schwerpunkt. Eltern kämen darüber hinaus mit Ängsten zum Coronavirus zu ihr, berichtet sie über die Vielfalt der Themen, mit denen sie sich im Arbeitsalltag beschäftigt.

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