„Schulschiff Deutschland“-Buch

Harald Focke bringt Chronik über traditionsreichen Großsegler heraus

Die „Schulschiff Deutschland“ auf dem Weg nach Bremerhaven.
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Flaggenschmuck: Die „Schulschiff Deutschland“ wird im August von Bremen-Vegesack an ihren neuen Liegeplatz am Alten Hafen nach Bremerhaven geschleppt.

In Harald Fockes neuestem Buch beschreibt der Historiker und Autor aus Bassum die Geschichte der „Schulschiff Deutschland“ samt der kürzlichen Verholung von Bremen-Nord nach Bremerhaven. Das Werk des Marine-Experten gibt unter anderem Einblicke in private Eindrücke ehemaliger Zöglinge der Deutschen Handelsmarine.

Bassum – Der Bassumer Schifffahrts- und Technikhistoriker Harald Focke hat ein Buch über die bewegte und bunte Geschichte der „Schulschiff Deutschland“ herausgebracht. Die Arbeit für das neue Werk begann im Frühjahr dieses Jahres, der Stapellauf des Hochseeseglers war am 14. Juni 1927. Die Reportage sei eine „bebilderte Begrüßung“ des Dreimasters am neuen Liegeplatz im Neuen Hafen in Bremerhaven. „Das Buch ist populärwissenschaftlich“, sagt Focke. Es soll einer großen Leserschaft zugänglich sein und nicht bloß einem maritimen Fachpublikum.

Buch-Herausgeber Focke ist Historiker, Autor, Journalist und seit 2016 Mitherausgeber und Chefredakteur der jährlich erscheinenden Fachzeitschrift Oceanum. Sein Interesse gilt seit geraumer Zeit der zivilen Seefahrtsgeschichte. Sein erstes Buch veröffentlichte er im Jahr 2001.

Das Schiff ist in einem glänzenden Zustand.

Harald Focke über die „Schulschiff Deutschland“

Die ehemalige Ausbildungsbank für Zöglinge der deutschen Handelsmarine ist derweil die Letzte ihrer Art. „Das Schiff ist in einem glänzenden Zustand“, so Focke. Über einen Motor verfügte sie dabei nie. Zum Auslaufen bedurfte es stets der Hilfe von Schleppern. Heute ist auch das nicht mehr möglich. „Das Schiff hat keine festen Segel mehr“, erläutert der Historiker. Die fehlende Bewegungsfähigkeit tue dem tadellos erhaltenen Schiff samt sämtlicher Details jedoch keinen Abbruch.

Für die gewissenhafte Hege und Pflege des Großseglers zeichnet sich der Deutsche Schulschifffahrtsverein (DSV) zuständig. Ihm gehört das Schiff und er trage die anfallenden Kosten für Wartung und Instandhaltung. Obwohl viele Arbeiten von Ehrenamtlichen ausgeführt werden, konnte der Verein mit der Zeit nicht mehr kostendeckend arbeiten. „Zu dem Schiff kam keiner mehr hin“, fasst Focke die Probleme am alten Liegeplatz in Bremen-Nord zusammen. Aufgrund ausbleibender Besucher und fehlender Einnahmen, war dessen Existenz bedroht.

Die „Schulschiff Deutschland“ lag rund 25 Jahre an der Lesum-Mündung in Vegesack bis Bremerhavens Bürgermeister Melf Grantz und der Vorsitzende des Deutschen Schulschiff-Vereins, Claus Jäger, die Überführung des Großseglers an die Wesermündung vereinbarten. Schlepper verholten das Schiff an die Nordsee. Nun schöpfen die Vereinsmitglieder in Zusammenarbeit mit der Schifffahrtsgeschichtlichen Gesellschaft Bremerhaven neue Hoffnung.

Die Letzte ihrer Art unter deutscher Flagge

Das auf der Segelschiffwerft Tecklenborg in Geestemünde (Bremerhaven) auf Kiel gelegte Schiff ist der einzige erhaltene, als Vollschiff getakelte Großsegler unter deutscher Flagge. Das schreibt das Landesamt für Denkmalpflege der Hansestadt Bremen zur Begründung der Anerkennung als Kulturdenkmal. Die „Schulschiff Deutschland“ baue wie seine älteren Schwesterschiffe auf den bewährten Konstruktionsprinzipien des Schiffskonstrukteurs Wilhelm Claussen (1845-1919) auf, denen letztlich auch das legendäre Segelschulschiff der Deutschen Marine, die „Gorch Fock“ (II), folgt.

Als im Frühjahr die Entscheidung fiel, den Traditionssegler an die Küste zu verlegen, kam Buchautor Focke sofort die Idee zu der Sonderausgabe. Langjährige Kontakte zu ehemaligen Matrosen, Fotos aus Privatarchiven, Berichte vormaliger Seeleute und Zeitzeugen sowie historische Dokumentationen zählen zum Entstehungsmaterial des Buches. Die historische Dokumentation enthält zudem ein neues Interview mit dem Vereinsvorstand und dem Schiffsbetriebsmeister. Über ihre Seemannsausbildung an Bord, als die „Schulschiff Deutschland“ noch hinter der Eisenbahnbrücke in Woltmershausen lag, berichten außerdem zahlreiche „Zöglinge“.

Doch „ohne Netzwerk geht nichts“, beschreibt Focke die Entstehung des Buches, „wer glaubt, er könne alles alleine irrt sich.“ Die Arbeit an dem Werk dauerte rund drei Monate. Freunde und Weggefährten halfen Focke bei Artikeln, Bildern und den Recherchen. Aus Regionen in ganz Deutschland wuchs der Unterstützerkreis. Ein Bekannter aus Bayern habe beispielsweise die schematischen Zeichnungen des Schulschiffs angefertigt.

Autor und Herausgeber Harald Focke.

Das Vollschiff, so bezeichnen Seeleute einen Großsegler mit mindestens drei, mit Segeln besetzten Masten, ist seit 1994 als schwimmendes Kulturdenkmal anerkannt. So listet es die Denkmaldatenbank der Hansestadt Bremen. Die Geschichte der „Schulschiff Deutschland“ reicht von Bau und Kiellegung im Jahr 1927 in Geestemünde über die Rettung des Schiffes nach dem Krieg 1945 und der Nutzung als Seemannsschule bis 2001. In Bremerhaven soll sie nun die 2019 gesunkene „Seute Deern“ als Tourismusmagnet ersetzen.

Der Dreimaster „Deutsche Schulschiff“ reiht sich in die Tradition von Großseglern in der deutschen Geschichte. Weitere bekannte Schiffe sind beispielsweise das Schulschiff der Marine, die „Gorch Fock“ (Stapellauf 1958), die „Alexander von Humbold II“ (Stapellauf 2011) sowie der Viermast-Frachtsegler „Peking“ (Stapellauf 1911).

Schulschiff-Chroniken

Das Buch über die „Schulschiff Deutschland“ hat 160 Seiten und ist im Oceanum Verlag als Sonderausgabe für 18,95 Euro erschienen.

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