Schüler der siebten Klasse der Oberschule Bassum lernen Selbstbehauptung

„Täter suchen sich ihre Opfer gezielt aus“

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Gregor Wisniewski macht die Übungen vor.

Und Frauke Albrecht - Von Lena Bolt. „Darf ich da bitte durch?“ Gregor Wisniewski blickt sein Gegenüber an. Keine Reaktion. „Ich will da durch“, sagt er bestimmt. Nichts passiert. Wisniewski fackelt nicht lange. „Ich geh‘ da jetzt durch.“ Bevor der andere etwas sagen kann, nimmt er den Arm seines Gegenübers beiseite und geht an ihm vorbei. Dann dreht er sich noch einmal um. „Vergesst nie, euch umzuschauen. Der Täter könnte folgen.“

„So, nun versucht es selbst mal“, fordert der WingTsun-Lehrer die Schüler auf. Anfangs herrscht noch Gekicher, doch nach und nach fassen die 12- bis 14-Jährigen Mut. Einzig mit der Tonlage hapert es ein wenig. Die meisten flüstern ihr Anliegen. „Das macht die Übung“, verspricht Wisniewski.

An zwei Vormittagen zeigt er den Schülern der Klasse 7c der Bassumer Oberschule, wie sie sich unbeschadet aus brenzligen Situationen befreien können, und vor allem, wie sie diese erkennen.

Die Idee dazu hatte ihre Lehrerin Dörte Nows im Dezember vergangenen Jahres. Sie selbst hatte eine massive Bedrohung erlebt und meldete sich daraufhin an der WingTsun Schule von Gregor Wisniewski an.

Das gute Gefühl, dass ihr das Training gibt, hat sie dazu bewogen, den Kampfsportler an die Schule einzuladen. Ihr Eindruck: „Die Kinder werden heutzutage immer unsicherer.“ Nows möchte sie stärken.

„Jemand, der eine Straftat begeht, hat einen Plan. Es geht darum, diesen zu durchkreuzen“, sagt sie. „Ich möchte, dass meine Schüler wissen, wie sie das anstellen können.“ Egal, ob sie nun abgezockt, angetatscht oder gar angegriffen werden. „Und es sind nicht nur die Mädchen, die Opfer werden“, weiß die Lehrerin. Deshalb hatte sie einen Film mitgebracht, der veranschaulicht, wie schnell auch Jungs in eine Gefahrensituation kommen können, wenn sie nicht aufpassen.

„Täter suchen sich ihre Opfer gezielt aus“, sagt Wisniewski. „Sie haben es auf diejenigen abgesehen, die schwach und unsicher wirken.“ Deshalb sei es wichtig, Selbstbewusstsein auszustrahlen. Das könne man lernen. Wie leicht es ist, die Schüler zu verunsichern, demonstrierte er bei der nächsten Übung. Die Schüler sollten sich auf keine Diskussion einlassen, lediglich „Ich will da durch“ sagen. „Hey“, blafft Wisniewski einen Schüler an. „Hast du gerade meine Freundin angeguckt? Willst du was von der?“ „Nein“, kommt es zaghaft zurück. „Waaaas, findest du die etwa hässlich?“ „Äh, nein.“ Wisniewski: „Seht ihr? Lasst euch auf kein Gespräch ein.“

Es braucht Übung, weiß der Trainer. Irgendwann sei es aber wie ein Reflex. Ein Tipp, den er gerne weitergibt: „Stellt euch morgens oder abends vor den Spiegel und sagt eurem Spiegelbild laut und deutlich: ,Fass‘ mich nicht an!‘“

Neben der Körpersprache lernen die Jugendlichen auch Tricks, sich aus einer Umklammerung zu befreien. „Wichtig ist, immer die Hände vor den Körper und Kopf zu halten, um sich zu schützen“, erklärt der Trainer. „Die stärkere Hand ist dabei hinten.“ Warum? „Packt der Täter zu, wird er die vordere Hand zuerst greifen. Dann bleibt immer noch die stärkere zur Verteidigung.“ Die Hemmschwelle würde immer niedriger. „Häufig sind auch Waffen im Spiel“, gibt der Trainer die traurige Realität wieder.

„Innerhalb von zwei Tagen können wir den Schülern nicht beibringen, wie sie sich erfolgreich verteidigen können. Aber es geht darum, die Idee dazu zu vermitteln“, sagt Nows.

Den Schülern scheint das Training Spaß zu machen. „Ich finde den Kurs gut und habe schon viel dazugelernt“, sagt Oliver. Auch die beiden Schülerinnen Hannah, 12 Jahre, und Stefanie, 13 Jahre, finden die Übungen sinnvoll.

„Ich habe vorher eigentlich nicht viel über Selbstverteidigung gewusst“, berichtet Hannah. Stefanie ergänzt: „In der Grundschule hatten wir mal so etwas in der Art, aber das hier ist ganz anders.“

Das Projekt kommt nicht nur bei den Schülern gut an: „Es haben sich schon einige Kollegen gemeldet, die das Training gerne mit ihren Klassen machen möchten“, so Nows. Sie hofft, das Projekt fest an der Schule etablieren zu können. Eventuell als AG oder an Projekttagen.

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