Schrei nach Bürgerbeteiligung

Der Prozess „Stadtentwicklung in Bassum“ geht in die nächste Runde

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Auch die Sulinger Straße nahm die Kreativ-Werkstatt der Stadt Bassum am Sonnabend in den Blick. In leerstehenden Geschäften könne man vorübergehend Ateliers einrichten.

Bassum - Von Detlef Voges. Der Prozess „Stadtentwicklung in Bassum“ geht weiter. Das ist das erwartete Ergebnis eines Workshops, an dem sich am Sonnabend etwa 100 Bürger in der Oberschule beteiligten.

Die entwickelten Visionen und Ideen nimmt sich nun ein Lenkungssausschuss vor, bestehend aus Vertretern von Politik und Verwaltung. Er fasst die Wünsche zusammen und klopft sie auf das Machbare ab. In den nächsten Wochen und Monaten soll es weitere Gespräche zwischen Lenkungsgruppe und Bürgern geben. Bis Ostern vielleicht erste konkrete Maßnahmen.

Manche Teilnehmer hatten beim Abschlussgespräch das Gefühl, mit der Mitarbeit aus der Bürgerschaft sei es nun vorbei und alles läge in den Händen der Lenkungsgruppe. „Die könne ja mal etwas missverstehen“, mahnte ein Teilnehmer. Ein anderer sprach von einem „engagierten Potenzial an Bürgern“, mit dem die Stadt gefühlvoller umgehen müsse. Ein junger Mann wurde deutlicher: „Der Stadtrat muss umdenken.“ Er sollte sich daran gewöhnen, dass die Vorschläge für eine Umgestaltung nicht nur von ihm kämen, sondern auch aus der Bürgerschaft. Eine Bürgerin wunderte sich über das Fehlen von Fraktionsmitgliedern, wo die doch den Workshop beurteilen sollten.

Bürger werden eingebunden

Erster Stadtrat Norbert Lyko spürte den „Schrei nach Bürgerbeteiligung“, wie er es nannte und versprach den Anwesenden, sie weiterhin an den Prozessen zu beteiligen. Jetzt befasse sich die Lenkungsgruppe mit den Ergebnissen des Workshops, von dort gingen die dort erstellten Arbeitspapiere zurück in die Arbeitsgruppen, so Lyko.

Bürgermeister Christian Porsch hatte sich vorab begeistert gezeigt über das Bürgerengagement und die kreative Mitarbeit. Hier sei ein Wille, was zu tun, so Porsch, der aber auch um Vertrauen in Politik und Verwaltung warb. Der Rat sei der Souverän der Stadt und entscheide über das Finanzielle. Der Bürgermeister ließ keinen Zweifel daran, dass der Stadtentwicklungsprozess Jahre dauere und nicht alle Wünsche erfüllbar seien.

In den fünf Arbeitsgruppen Gesellschaft/Soziale Integration, Wohnen, Innenstadt, Querschnittsthemen sowie Tourismus, Sport und Freizeit war Aufbruchstimmung spürbar. Die Teilnehmer diskutierten engagiert, legten den Finger in manche Wunde, wollten etwas bewegen und machten deutlich, dass sie noch nicht am Ende sind und die Arbeit weiterführen möchten.

Idee: Marktplatz auf altem Rathausplatz

„Wir haben gleich eine Agenda-Gruppe gebildet“, so der Sprecher der Arbeitsgruppe Wohnen, die ein Projekt gemeinschaftliches Wohnen und Leben von Jung und Alt im Auge und dafür sogar schon ein Grundstück ausgemacht hat. Auf genossenschaftlicher Basis soll eine Wohnform außerhalb des gewinnorientierten Wohnungsbaus entstehen.

Die Gruppe Innenstadt befasste sich mit einer ganzen Palette von Themen, zum Beispiel dem Fehlen eines Zentrums. Die Idee: ein Marktplatz auf dem Gelände des alten Rathauses. Eine Attraktivierung stellen sie sich auch für den Amtshof an der Sulinger Straße vor. Vorübergehend könne man in den leerstehenden Geschäften ja Ateliers unterbringen.

Überhaupt die Sulinger Straße: Dreckig sei sie, erklärte ein Teilnehmer und sieht die Eigentümer in der Pflicht, vor ihrem Haus zu kehren. „Ich muss mich auch fragen, ob Bassum gut ausgeschildert ist, wenn mich Autofahrer in der City nach dem Krankenhaus fragen“, ergänzte eine Teilnehmerin. Im Bürgerbus sieht die Gruppe ein gutes Mittel, die Ortsteile enger an das Zentrum zu binden, etwa zum Wochenmarkt.

Der Bürgerbus war übergreifend auch Thema in den Gruppen Gesellschaft und Querschnitt als Basis für mehr Mobilität. Für die ärztliche Versorgung in den Ortsteilen könnte sich die Gesellschaftsgruppe auch zusätzliche Gemeindeschwestern vorstellen. Spielplätze im Zentrum und öffentliche Areale zur sportlichen Ertüchtigung schweben der Gruppe Freizeit vor. Mehr Werbung der Stadt über Anbieter wie Facebook hat die Gruppe Querschnitt im Blick. Zudem eine neue, attraktivere Internetseite der Stadt.

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