Handwerker und Unternehmer

Schöne Dinge, die gefallen: Reinhold Mink fertigt Skulpturen aus Holz

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Ein unschlagbares Team in Sachen Holzgestaltung: Petra und Reinhold Mink. 

Nordwohlde - Von Ulf Kaack. Bodenständiger Handwerker, visionärer Unternehmer und kreativer Kunstschaffender – diese drei Attribute in einer Person vereint, sind wahrlich nicht häufig anzutreffen. Auf Reinhold Mink trifft dieses Profil zu. Unter seinen Händen entstehen Holzskulpturen. Massiv und schwergewichtig – und manchmal auch exakt gegenteilig.

Sein Atelier heißt bei ihm Schuppen. Und wo andere Künstler mit filigranen Werkzeugen arbeiten, geht er mit der Kettensäge zur Sache. Reinhold Mink liebt es zu gestalten. Holz ist dabei sein bevorzugter Werkstoff geworden. Als Künstler will sich Reinhold Mink indes nicht bezeichnet wissen: „Ich habe keinen Bildungsauftrag, produziere mit meinen Skulpturen keine politischen oder gesellschaftskritischen Statements“, formuliert er seine Intentionen. „Kunsthandwerker ist die richtige Schublade. Ich will Dinge schaffen, die den Menschen gefallen, und gleichzeitig selber Freude an der kreativen Arbeit haben.“

Unbestritten ist der 64-Jährige aus Steinforth am nordwestlichen Zipfel Nordwohldes ein Macher. Aus dem Nichts heraus rief er Ende der 70er-Jahre in Bremen eine Fahrzeuglackiererei ins Leben. Der Einmannbetrieb wuchs schnell zu einer überregional gefragten Fachlackiererei mit umfangreichem Personalbestand an. Vor zehn Jahren übernahm sein Sohn das zwischenzeitlich in Stuhr beheimatete Geschäft. Gewöhnt an Zwölfstundentage und durchgearbeitete Wochenenden sah sich Reinhold Mink nun mit jeder Menge Freizeit konfrontiert. „Für mich kein Problem, ich weiß mich in jeder Situation zu beschäftigen“, lacht er.

Die Werkstatt des Nordwohlders ist gut bestückt.

Zusammen mit Gattin Petra renovierte er ein schmuckes reetgedecktes Häuslingshaus aus dem frühen 19. Jahrhundert in Steinforth, das stilecht mit einem Ofen beheizt wird. Dafür musste Brennholz her. Also legte er sich eine Motorsäge zu. Schon bald merkte er, dass man damit auch gestalten kann. Zum Osterfest 2011 schenkte ihm Ehefrau Petra einen Satz Carving-Sägeblätter, extra entwickelt für den feineren Einsatz von Kettensägen.

„Ich musste vieles lernen – die richtige Technik, die Auswahl der korrekten Holzarten, Möglichkeiten der Oberflächenbehandlung…“, erinnert sich Reinhold Mink an die manchmal holprigen Anfänge. „So manchen Kniff habe ich mir bei anderen Holzkünstlern aus der Szene abgeschaut, bei der Farbgebung ganz am Schluss war ich natürlich der Experte.“

Naturnahe Materialien und Darstellungen 

Ein ausgelatschter Stiefel mit hängender Sohle, wie ein Wandergeselle ihn getragen haben könnte. Der Schaft dabei geöffnet, mit Blumen bepflanzt. Der Kopf eines Seeadlers mit Ablagefläche, einen Adler im Flug, ein Uhu auf dem Ansitz, eine Gartenbank mit indianischen Motiven … Wie sein Material sind auch seine Darstellungen naturnah gewählt und häufig mit einem Nutzwert kombiniert.

„Die Motive meiner Skulpturen wähle ich fast immer intuitiv aus“, beschreibt er seine Technik. „Ich habe eine vage Idee im Kopf, aber die Form des Holzes, seine Maserung und Beschaffenheit geben bereits einiges vor. Das ist ein Prozess, kaum etwas ist geplant.“

Fast immer steht ihm seine Frau bei seinen Schaffensprozessen zur Seite, gibt dabei konkrete Anregungen. Besonders am Ende, wenn es um die Feinarbeiten geht. „Für die Details hat Petra einen erstklassigen Blick“, lächelt er. „Wenn final Feilen und Raspeln, Schleifpapier und Lacke zum Einsatz kommen, ist sie immer mit dabei.“

Es begann mit einem Vogelhaus

Bedingt durch den jahrzehntlangen, körperlich belastenden Job hat Reinhold Mink zunehmend Probleme, stundenlang mit der schweren Kettensäge zu arbeiten. Das geht ganz schön auf die Knochen. Darum hat er auch filigranere Arbeiten für sich entdeckt. Es begann mit einem Vogelhaus, dass sich seine Frau für den gemeinsamen Garten wünschte. Nicht so ein konventionelles Ding im Baumarkt-Style, sondern in einem pfiffigen und gleichsam ästhetischen Design. Das ist ihm gelungen, und sein Ideenreichtum war erneut geweckt. Mittlerweile steht auch eine Drechselmaschine in seiner gutsortierten Werkstatt. Darauf fertigt er Windlichter, Schalen, Lampen … Allerlei Nützliches – schön anzusehen und bis in die kleinste Nuance durchdacht. Gern kombiniert er diese Arbeiten mit weiteren Materialien wie Glas oder Metall.

Als reines Hobby sieht Reinhold Mink seine kreative Holzgestaltung nicht mehr, dafür steckt zu viel Substanz hinter den Arbeiten. Semiprofessionelle Passion gefällt ihm als Begrifflichkeit auch nicht unbedingt, trifft den Nagel aber auf den Kopf. „Geld will ich damit nicht verdienen, höchstens meine Kosten decken“, sagt er. „Einmal im Jahr machen wir aus Verbundenheit zum Dorf beim Nordwohlder Weihnachtsmarkt mit, aber das wars schon in Sachen Kommerz. Ich verbringe meine Zeit lieber bei der Arbeit in der Werkstatt als auf Märkten.“

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