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Die Schlange am Gartenteich: Ringelnattern sind besser als ihr Ruf

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Von: Anke Seidel

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Ein ausgewachsenes Exemplar hat sich in Mellinghausen an einer Vogeltränke zusammengerollt und genießt ein Sonnenbad.
Ein ausgewachsenes Exemplar hat sich in Mellinghausen an einer Vogeltränke zusammengerollt und genießt ein Sonnenbad. © Olaf Schmidt

Eine Begegnung mit einer Schlange im heimischen Garten ist ein ungewöhnliches Erlebnis - und eines, das einem einen Schreck in die Glieder fahren lässt. Dabei sind Ringelnattern besser als ihr Ruf .

Landkreis Diepholz – Mit diesem Fund im Hausgarten hat niemand gerechnet: Eine Schlange! Rund 30 Zentimeter lang ist das Tier, das Nachbars Katze in Bassum offenbar aus dem Gartenteich gefischt oder in einem Versteck erwischt hat. Der Nachbar hat die tote Schlange fotografiert – ganz offensichtlich ist es eine Ringelnatter. Die Gartenbesitzerin ist nicht beunruhigt über den Fund. Denn giftig ist das Reptil nicht. Vor allem: Die Ringelnatter gilt nach altem Volksglauben als Glücksbringer.

Eine absolute Ausnahme ist dieser Schlangenfund im Landkreis Diepholz ohnehin nicht. Jan Kanzelmeier, Geschäftsführer der Stiftung Naturschutz, berichtet von zwei ähnlichen Fällen in seiner Nachbarschaft. Er selbst sieht Exemplare dieses faszinierenden Reptils immer mal wieder. Ringelnattern gebe es an vielen Kleingewässern, und die Stiftung Naturschutz betreue mehr als 300 davon.

In seiner Kindheit hat Kanzelmeier sie sogar auf dem Hof gesehen, berichtet er. Ringelnattern würden ihre Eier im warmen Misthaufen ablegen. „Sogar in Schweineställen haben sie sich schon aufgehalten.“ Auf landwirtschaftlichen Höfen seien sie heutzutage seltener, weil es immer weniger dieser Misthaufen gebe. Auf dem Acker sei das Reptil auch schon gesichtet worden. „Das sind Zufallsbeobachtungen“, fügt der Geschäftsführer der Stiftung Naturschutz hinzu.

Wie sollten sich Menschen beim Fund eines solchen Tieres verhalten? „Wer eine Ringelnatter entdeckt, sollte sie einfach in Ruhe lassen“, antwortet Jan Kanzelmeier. Wer ihr helfen möchte, könne im Garten Haufen aus Kompost, Reisig oder Laub aufschichten. Dort findet das Reptil Schutz.

Das bestätigt Olaf Schmidt, Biologe sowie Fachmann für Reptilien und Amphibien beim Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) Diepholzer Moorniederung. „Die Ringelnatter ist recht weit verbreitet, aber schwer zu entdecken“, sagt er. Gern nimmt er Meldungen wie die aus Bassum entgegen, kartiert die Sichtungen und schafft damit Überblick über die Verbreitung.

Der Fachmann weiß, dass Ringelnattern auch am Fuße des Bassumer Utkieks leben, der von Erlenbruchwäldern gesäumt wird. Ganz in der Nähe fließt der Klosterbach: „Die Ringelnatter ist wasserliebend.“ Und ein exzellenter Schwimmer zudem.

Diese junge Ringelnatter ist Opfer einer Katze geworden.
Diese junge Ringelnatter ist Opfer einer Katze geworden. © Heinrich Fischer

Aber wie ist sie in den Bassumer Hausgarten gekommen? Der Naturteich im Tierpark Petermoor ist nur 800 Meter entfernt, ganz in der Nähe gibt es ein Regenrückhaltebecken und einen weiteren Gartenteich. Ist sie über diese Achse zugewandert? Denkbar wäre auch, überlegt Schmidt, dass sie über Rohrdurchlässe aus dem Bereich der Eschenhäuser Beeke gekommen ist. Ihre Artverwandte, die Schlingnatter, kann im Jahr bis zu 400 Meter zurücklegen. Das sei bei wissenschaftlichen Untersuchungen festgestellt worden.

Drei Schlangenarten sind im Landkreis Diepholz heimisch, erklärt der Reptilienfachmann: die Schlingnatter, die Ringelnatter und die Kreuzotter. Nur die Letztgenannte ist giftig. Ein Biss von ihr sei vergleichbar mit einem starken Wespenstich, so der Experte. Aber weil das Gift einen allergischen Schock auslösen und ein Schlangenbiss eine enorme psychische Belastung darstellen könne, sollte man nach einem Kreuzotter-Biss sofort ins Krankenhaus fahren.

Doch die Biss-Gefahr ist überschaubar. „Kreuzottern sind sehr selten geworden“, weiß Schmidt. Sie kommen im Neustädter und im Oppenweher Moor vor. Dort leben auch Schlingnattern und im Randbereich Ringelnattern. Im Hohen Moor, im Sulinger Moor und im mittleren Wietingsmoor ist die Schlingnatter ebenfalls verbreitet. Das ist dokumentiert. „Wir legen in den Mooren Schlangenbleche aus“, erklärt der Experte. Unter diesen Blechen verstecken sich die Reptilien gerne. So kann bei den regelmäßigen Kontrollen dieser Bleche ihr Vorkommen erfasst werden. Im Rehdener Geestmoor und im nördlichen Wietingsmoor sind seit zwei Jahrzehnten keine Schlangen gesichtet worden.

Ein Fall in Mellinghausen ist Olaf Schmidt besonders im Gedächtnis geblieben. Dort hatte eine Familie die Polizei gerufen, als sie eine große Schlange im Garten entdeckte – in einer Vogeltränke. Die Polizei zog sofort den Reptilien-Experten des BUND zurate. Er konnte schnell Entwarnung geben: Die vermeintliche Giftschlange war eine ausgewachsene Ringelnatter. Das Reptil kann immerhin bis zu 120 Zentimeter lang werden.

Sichtungen melden

Wer eine Ringelnatter beobachtet und im günstigsten Fall fotografiert, kann dem BUND diesen Fund per E-Mail melden: info@bund-dhm.de

Vier faszinierende Reptilien - drei Schlangen, eine Echse

Ringelnatter: Sie ist nicht giftig, kann bis zu 120 Zentimeter lang werden ernährt sich vor allem von Fröschen und Kröten, aber auch von Kaulquappen und kleineren Fischen. Die Weibchen legen ihre Eier in der Regel im Juli oder im August ab – bevorzugt an warmen Plätzen wie Kompost- , Schilf- oder Misthaufen. Bis zu 30 Eier pro Reptil können es sein.

Schlingnatter: Sie ist ebenfalls nicht giftig und wird bis zu 75 Zentimeter lang. Ihr Name spiegelt ihr Verhalten: Sie umschlingt und erstickt ihre Beutetiere wie Eidechsen, kleine Mäuse, Vögel oder Amphibien. Die Schlingnatter ist nach der Ringelnatter die am weitesten verbreitete Schlange in Deutschland.

Kreuzotter: Ihr Kennzeichen ist ein Zickzack-Muster auf dem Rücken. Sie gehört zur Familie der Vipern. Sie tötet ihre Beutetiere – wie Wühlmäuse, Frösche oder Blindschleichen – mit Gift. Fachleuten zufolge beißen die Tiere nur im Notfall. Die Kreuzotter ist ähnlich groß wie die Schlingnatter, deshalb kommt es zu Verwechslungen. Unterscheiden sind sie an den Augen. Die Kreuzotter hat eine senkrechte Pupille, die Schlingnatter eine runde.

Blindschleiche: Sie wird oft für eine Schlange gehalten, ist aber eine beinlose Echsenart. Mit meist rund 40 Zentimetern ist sie deutlich kleiner als die Schlangen. Am offensichtlichsten unterscheidbar ist die Blindschleiche durch ihr Züngeln: Dafür muss das Tier – im Unterschied zu Schlangen – das Maul öffnen. Blindschleichen jagen vor allem Nacktschnecken und Regenwürmer.

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