Update: Witterung verzögert Sanierung

Schleichweg-Chaos: Ärger in Wedehorn wegen B61-Umleitung - Arbeiten dauern an

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Die Wegeseitenränder sind durch den starken Verkehr schwer beschädigt.

In Wedehorn brodelt’s gewaltig. Der Grund findet sich links und rechts neben allen Straßen, wo ein Begegnungsverkehr nicht möglich ist. Dort haben sich die Seitenränder mittlerweile in Schlammstreifen verwandelt.

Update, 29. November: Das Schleichweg-Chaos in Bassum-Wedehorn wird noch anhalten. Die Sanierung der Bundesstraße 61 im Bereich Apelstedt dauert einige Tage länger als geplant. Aufgrund der schlechten Witterung ist die Fahrbahnmarkierung noch nicht komplett fertig, teilt der Landkreis Diepholz mit. Mit der B61-Fertigstellung wird nun am 4. Dezember gerechnet. Erst dann sei mit einer Entlastung der Umleitungsstrecken - so auch in Wedehorn - zu rechnen. (jdw)

B61-Sanierung: Schleichweg-Chaos in Bassum-Wedehorn

Wedehorn - „Seit die Bundesstraße 61 gesperrt ist, herrscht in Wedehorn Chaos, was den Verkehr angeht“, erklärt Ortsvorsteher Horst Husmann, der die Auswirkungen bei einer Rundfahrt durch den Ort zeigt.

Eigentlich führt die Umleitung die Auto- und Lastwagenfahrer über Twistringen. Doch die Navigationsgeräte schlagen offenbar vielen vor, den Schleichweg über Wedehorn zu nehmen – sehr zum Leidwesen der Anwohner. Denn die meisten Dorfstraßen erlauben keinen Begegnungsverkehr. Das heißt für die Fahrer: Ausweichen in den Seitenbereich, der bedingt durch die Witterung sehr empfindlich ist. Besonders ärgerlich für die Anwohner, die Arbeit in die Pflege ihrer Seitenränder stecken.

Strecke Wedehorn nach Bassum: „Katastrophe“

„Mit dem Tag der Sperrung ging das los“, erinnert sich Husmann. Seitdem beginnt für die Wedehorner jeden Tag ab halb 5 Uhr eine Nervenbelastungsprobe. „Die Autofahrer rasen hier mit hohen Geschwindigkeiten lang und manche weichen nicht mal aus, weil sie entweder nicht in den Dreck wollen – oder es auch nicht können, da Bäume oder ein Graben das unmöglich machen.“

Das habe schon öfter zu gefährlichen Situationen geführt, weiß Anwohnerin Katrin Engler, die die Strecke Wedehorn nach Bassum jeden Tag fahren muss. „Da wurden schon einige Seitenspiegel abgefahren. Es ist eine Katastrophe.“

Ein Kastenwagen nähert sich im hohen Tempo. Husmann bremst ab und weicht in den Seitenbereich aus – es ruckelt hart. Durch die hohe Belastung der Seitenränder sind selbst in denen, die die Stadt erst vor Kurzem befestigt hat, teilweise tiefe Schlaglöcher entstanden.

Anwohner in Klövenhausen besonders verärgert

„Ich würde mir wünschen, dass die so schnell wie möglich ausgebessert werden“, so Engler. Das sollte die Stadt tun, meint auch Husmann. „Denn wenn ein Fahrzeug aufgrund der Löcher beschädigt wird, muss sie zahlen.“ Doch das werde in den Wintermonaten wohl kaum noch passieren. Eine leichte Besserung hätten die Kontrollen der Polizei bei den Lastwagenfahrern gebracht, die trotz Verbot durch den Ort fahren. Seitdem sei zumindest der Verkehr der Schwertonner zurückgegangen – wenn auch nicht verschwunden.

Bleibt die starke Belastung durch die Autos, von denen viele fremde Kennzeichen tragen und die Rechts-vor-links-Regel für ein Gerücht halten.

Besonders die Anwohner in Klövenhausen seien extrem verägert über die Situation, sagt Husmann. Henry Meyer ist einer davon und hat eine eigene kleine Verkehrszählung gemacht: „Am Mittwoch habe ich von 13.30 bis 14 Uhr etwa 100 Fahrzeuge gezählt. Von 18.30 bis 19 Uhr waren es 50“, nennt er ein Beispiel. „Insgesamt schätze ich, dass mehr als 2500 Fahrzeuge pro Tag hier durchkommen.“

„Die brettern hier mit 100 Stundenkilometern lang“

Wilhelm Leymann und seine Tochter Jasmin schütteln angesichts der Zustände auch nur noch den Kopf. „Das noch nichts passiert ist, ist ein Wunder“, so die junge Frau. „Laterne laufen mit den Kindern traut man sich nicht und wenn man mit dem Kinderwagen unterwegs ist, muss man jede Minute an die Seite in den Dreck ausweichen.“ Sie schaut auf einen aufgewühlten Seitenstreifen, in dem sich tiefe Pfützen gebildet haben. Meyer wirft ein: „Zu Fuß oder mit dem Rad brauchst du vor allem im Dunkeln nicht unterwegs zu sein.“ Wilhelm Leymann nickt: „Die brettern hier mit 100 Stundenkilometern lang.“

Petra Nolte sorgt sich besonders um die Sicherheit der Schulkinder, die morgens im Dunkeln die Straße überqueren müssen, um zum Bus zu kommen. Und da sich viele Lastwagen nicht an das Durchfahrverbot halten, kommt auch so mancher Busfahrer ins Schwitzen. „Wenn dem plötzlich ein Lastwagen entgegenkommt und beide ausweichen müssen, wird es schwierig“, sagt Nolte. Sie hätte sich eine bessere Umleitungs-Beschilderung gewünscht, die klar sagt, dass über Twistringen gefahren werden muss.

B61 soll Ende November wieder frei sein

Da ist es auch kein Trost, dass die B61 laut Plan Ende November wieder frei sein soll. Zumal man ja gar nicht wisse, ob der Zeitplan bei dieser Witterung eingehalten werden könne, so Husmann. Was ihn enttäuscht, ist, dass er all das lange vorher hat kommen sehen. „Wenn in der Nähe Straßen gesperrt werden, leiden meist die Wedehorner darunter. Darum habe ich im Vorfeld darum gebeten, Maßnahmen zu treffen. Wir würden uns zum Beispiel Geschwindigkeitsbegrenzungen wünschen oder das nur noch Anlieger die Straßen nutzen dürfen. Oder grundsätzlich eine bessere Beschilderung, weil viele Autofahrer auch durch den Ort irren, da ihr Navi sie falsch führt. Die Antwort lautete, dass man sich kümmern werde. Passiert ist nichts. Wir fühlen uns allein gelassen.“

Stadt bittet Anwohner um Geduld

Die Stadt ist über die Situation im Bilde. „Wir wissen, dass die Seitenränder beschädigt sind und werden sie wieder instand setzen, sobald die Sperrung aufgehoben ist“, versichert der Erste Stadtrat Norbert Lyko. Ansonsten habe die Stadt sich mehrmals vor Ort umgesehen und mit dem Landkreis beraten, was man tun könne. Doch „wir sind zu dem Schluss gekommen, keine Maßnahmen zur Verkehrsregulierung zu treffen. Wir bitten die Anwohner um Verständnis und noch um ein wenig Geduld.“

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