Ricarda Rabe beeindruckt als humorvolle „Landwirtschaftsministerin“

„Schimpft nie mit vollem Mund über Landwirte“

Gute Stimmung beim Herbstfrühstück: Die Vorsitzenden Gisela Buschmann und Birgit Meyer-Borchers, Referentin Ricarda Rabe sowie die Dorfhelferinnen Elke Schröder aus Gödestorf, Elsbeth Garbers aus Süstedt und Beate Nadolny aus Leerßen (v.l.). - Foto: Kollschen

Wedehorn - „Die Leute schauen heute mit einer unglaublichen Naivität auf die Landwirtschaft“, stellt Ricarda Rabe fest. Mit ihrem Vortrag zur Landwirtschaft im Spannungsfeld der Gesellschaft hat Rabe am Sonnabend 59 Bassumer Land-Frauen im Gasthaus Ellinghausen beim ersten Herbstfrühstück in Wedehorn beeindruckt. Humorvoll stellte sie sich als „Landwirtschaftsministerin der Kirche“ vor.

„Der ländliche Raum entwickelt und verändert sich ständig. Veränderungen, die die Gesellschaft und mit ihr die Kirche im ländlichen Raum stark herausfordern“, schreibt Ricarda Rabe, Pastorin für den kirchlichen Dienst auf dem Lande, auf ihrer Internetseite. In einem landwirtschaftlichen Betrieb aufgewachsen, war die studierte Theologin geraume Zeit in Steimke tätig.

Wie gelingt ein gutes Zusammenleben in den Kommunen und Dörfern mit den dort lebenden und arbeitenden Menschen – und wie ist das kirchliche Leben mit den vorhandenen Ressourcen in der sich wandelnden Gesellschaft zu gestalten? Rabes Antwort: Nur noch ein geringer Teil der Bevölkerung, etwa 1,5 Prozent, sei in der Landwirtschaft tätig. Es bestehe aber ein hohes gesellschaftliches Interesse an guter und gesunder Nahrung, einem wertschätzenden und ökologisch sinnvollen Umgang mit dem Land und den Tieren.

Mehr Kleinbauern müssen aufgeben

„Wachsen oder weichen“ hieß es in den 1970er-Jahren, später: „Immer mehr schaffen in immer kürzerer Zeit“, und heute ist globales Denken und Handeln angesagt. Das habe zur Folge, dass immer mehr kleine Bauern aufgeben müssten. „Wir entfernen uns immer mehr von dem, was Landwirtschaft heute noch ist“, so Rabe. Und doch: „Wir Bauern sind eine Bank.“ An einem Auto entdeckte sie einen trefflichen Aufkleber: „Schimpft nie mit vollem Mund über Landwirte.“

Landwirtschaft sei nicht das Gruselbild, das häufig in den Medien gezeichnet werde, so Rabe weiter. Die Nerven würden in vielen Betrieben beim Kampf um die Existenz blank liegen. Niedrige Preise, von großen Lebensmittelketten diktiert, machten den Landwirten zu schaffen. Hinzu kommen auch Generationskonflikte auf den Höfen.

Ricarda Rabe wies auf die Sorgentelefone und Familienberatung hin. Gemeinsam müsse man neue Wege finden, ermutigen, zuhören. Das Evangelische Dorfhelferinnenwerk biete verlässliche Hilfe an. Die Helferinnen springen in Notfällen ein, betreuen unter anderem Kinder und führen den Haushalt.

Drei Dorfhelferinnen stellten sich und ihre Arbeit beim Herbstfrühstück vor.

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