Sperrung der L776 noch bis 3. August 

Sanierung der Mordbrücke geht voran

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Die L776 zwischen Bassum und Harpstedt. 

Bassum - Schon seit Mitte Juni ist die Landesstraße 776 zwischen Bassum und Harpstedt gesperrt (wir berichteten). Der Grund dafür sind Instandsetzung der Brücke „Dünsener Bach“ und Fahrbahnerneuerung, wie die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Nienburg mitteilt.

„Die Asphaltarbeiten an der Straße sind soweit abgeschlossen. Jetzt fehlen noch Pflasterarbeiten“, berichtet die Behörde. Auch die Brücke sei soweit saniert. Es müsse aber noch der endgültige Belag hergestellt werden. Die Behörde rechnet damit, dass die Bauarbeiten noch bis zum 3. August andauern, wie Gregor Pabst mitteilt. Die Kosten belaufen sich auf rund 400 000 Euro.

Seit Beginn der Arbeiten können Anlieger zwar von Bassum aus noch bis in die unmittelbare Nähe der Brücke fahren, aber nicht mehr darüber. Und damit ist eine wichtige Verbindungsstraße nicht in Gänze befahrbar.

Auch wenn mit Sanierungsarbeiten oft lästige Nebeneffekte einhergehen, etwa ein längerer Weg zur Arbeit durch Umleitungen oder Lärm durch die Baustellen, sind solche Arbeiten vonnöten. Auf der einen Seite, wie Jens Maretzki von der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr sagt, ob der Sicherheit der Bevölkerung. Auf der anderen Seite spielt die Instandhaltung von Bauwerken eine Rolle. Und damit der Erhalt ihrer Geschichten.

Seit 185 Jahren ist die Brücke, die Bassum und Harpstedt verbindet, im Volksmund als die Mordbrücke bekannt: Im Juli des Jahres 1834 saßen zwei Männer in einer Schenke in Harpstedt. Sie waren „guter Dinge“, wie der einstige Stadtarchivar Bas- sums, Reinhard Wiens, 1976 in einem Buch schrieb. Einer der beiden war der Postbote. Zu jener Zeit gab es keine Autos oder Eisenbahnen, und er musste lange Wege mit der Kutsche, dem Pferd oder sogar zu Fuß hinter sich bringen, um Briefe und Pakete abzuholen oder zuzustellen. Bei einer dieser Strecken, die er etwa drei Mal die Woche zu Fuß zurücklegte, handelte es sich um die heutige L776 zwischen Bassum und Harpstedt.

Die Brücke soll ab dem 3. August wieder befahrbar sein.  

Der andere Mann war sein Freund Heinrich. Der Bote erzählte ihm von der Lieferung einer größeren Geldsumme, die er am nächsten Tag von Harpstedt nach Bassum bringen müsste. Dort sollte er jedoch niemals ankommen, denn Heinrich, der viele Schulden hatte, heckte einen tückischen Plan aus, um an die Münzen zu kommen.

Am nächsten Morgen lief der Bote nichts ahnend Richtung Bassum. Heinrich hatte sich bereits hinter einem Baum in der Nähe der Brücke versteckt. Als sein Freund dort ankam, sprang er hervor und erschoss diesen. Daraufhin stahl er das Geld und haute ab. Für den Boten kam jede Hilfe zu spät. Er wurde auf dem Harpstedter Friedhof beerdigt.

Und Heinrich zog „von Schenke zu Schenke“, wie Wiens schrieb. Als er zudem plötzlich seine Schulden zahlen konnte, geriet er in Verdacht, den Mord begangen zu haben. Er wurde ins Verlies gesteckt, wo er schließlich die Tat gestand. Der Henker von Harpstedt richtete ihn auf dem Marktplatz hin.

Und noch heute trägt die Brücke den Namen, der an den Verrat eines Mannes an seinem Freund erinnert. Sie ist keine schöne Erinnerung, dennoch sie ist Teil der Geschichte. Sie gehört dazu. Sie gehört erhalten. Sie gehört saniert. 

 sil

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