Ute Rücker und Claudia Kemper kritisieren Monokulturen und häufiges Mähen

„Unsere Bienen verhungern“

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Bienen finden hierzulande immer weniger Nahrung.

Bramstedt - Von Frauke Albrecht. Verkehrte Welt: Großstädte sind zum Teil ökologisch intakter als die ländlichen Gebiete. Zumindest finden Bienen dort mehr Nahrung. Die Bramstedter Imkerinnen Dr. Claudia Kemper und Ute Rücker können diese traurige Wahrheit leider bestätigen: „Unsere Bienen verhungern“, sagen sie.

Seit Jahren beobachten die beiden diesen Trend – und seit Jahren verschärft sich die Situation. „Mittlerweile müssen wir selbst im Sommer zufüttern“, sagt Ute Rücker. Die Gründe sind schnell aufgezählt: „Die Bienen finden keine Nahrung mehr. Fahren Sie doch mal die Felder ab. Blumen sind Mangelware“, sagt Rücker. Blühende Randstreifen gebe es kaum noch. „Die meisten würden zu früh abgemäht oder überpflügt. „Sobald im heimischen Garten der Klee wächst, kommt der Rasenmäher zum Einsatz“, kritisiert die Imkerin den übertriebenen Ordnungssinn so mancher Zeitgenossen.

Neuerdings würden sich die Bassumer sogar darüber aufregen, dass Linden gepflanzt werden, „weil die Autos, wenn sie darunter parken, klebrig werden.“ So viel Ignoranz mache ratlos.

„Albert Einstein hat einmal gesagt: ,Wenn die Biene von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben“, sagt Rücker. – Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, kein Mensch mehr.

Die meisten wüssten sicherlich, dass viele Pflanzen auf die Bestäubung der Blüten durch Bienen angewiesen sind. „Sie machen es sich aber nicht bewusst, was das heißt“, ist Kemper überzeugt und fährt fort: „Allein in Amerika wird der Wert der Honigbiene für die Bestäubung auf 15 Billionen US-Dollar geschätzt.“ Heutzutage gebe es gar nicht mehr genug Bienen, um alle Pflanzen zu bestäuben.

„Im Frühjahr zur Rapsblüte haben unsere Bienen so viel zu fressen, dass sie die Menge gar nicht bewältigen können“, erzählen die Imkerinnen. Doch bereits im Sommer werde die Nahrung knapp. „Wenn wir nicht zufüttern, würden sie verhungern.“ Verantwortlich dafür sei die zunehmende Monokultur.

Dass dort, wo Monokulturen existieren, zudem viele Pestizide zum Einsatz kommen, sei ein weiteres Problem. Kemper: „Es ist vorgekommen, dass unsere Bienen ganz weiß zurückkamen. Ich habe Fotos davon. Zu Hunderten lagen sie tot vor den Stöcken, andere wurden orientierungslos und fanden erst gar nicht zurück. Die Industrie macht häufig die Varroa-Milbe für das Bienensterben verantwortlich. Quatsch. Die Milbe ist problematisch, aber zu händeln“, sagt Rücker.

Die Verluste seien enorm. „Selbst ein richtig guter Imker verliert heutzutage etwa zehn Prozent seines Bestandes. Stellen Sie sich das mal bei anderen Nutztieren vor. Plötzlich fallen zehn Prozent der Kühe auf der Weide um. Was dann los wäre.“

Ute Rücker imkert seit etwa zehn Jahren. Sie kam zufällig zu dem Hobby. „Wir wohnten in Stütelberg. Unser Vermieter hatte Bienen, und ich habe ihm manchmal geholfen. Als er plötzlich starb, bot mir die Lebensgefährtin an, die Bienenvölker zu übernehmen.“ Rücker machte einen Imkerkurs – später fand auch Claudia Kemper Gefallen an den Bienen.

„Wir haben 15 Wirtschaftsvölker. Das ist als Hobby schon grenzwertig“, sagen sie. Denn die Imkerei nimmt Zeit in Anspruch – und kostet auch Geld.

Bei 15 Völkern ernten sie etwa 100 Kilogramm Honig, haben aber 400 Euro allein fürs Futter ausgegeben. „Uns geht es nicht um den Honig, das ist ein Nebenprodukt“, sagen Rücker und Kemper. Was sie nicht selbst essen, verschenken oder verkaufen sie. Ihnen geht es um die Biene selbst, die mangels menschlicher Vernunft bald verschwunden sein wird, so ihre Befürchtung.

Es fehle vielerorts die biologische Vielfalt. Dabei könne jeder mit einfachen Mitteln seinen Beitrag leisten. „Es gibt sogar eine Bienen-App“, so Kemper. Da erhalten Gartenbesitzer Tipps zu Blühpflanzen, die besonders bienenfreundlich sind – herausgegeben vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL).

Die Imkerinnen würden sich wünschen, dass auch die Politik tätig wird. Ein Verbot von Pestiziden, Förderungen für Blühstreifen und Strafen bei Zuwiderhandlungen könnten sinnvoll sein.

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