Albringhausen wird 950 Jahre alt und bereitet einen Bauernmarkt vor

Roggenernte wie früher

Beim Probelauf ist Pferd Anni ziemlich nervös und steigt hoch.

Albringhausen - Von Frauke Albrecht. „Was meinst du, probieren wir es jetzt schon mal mit oder ohne?“ Wolfgang Zell sitzt auf dem historischen Mähbinder und blickt etwas unschlüssig auf seine drei Begleiter. „Mach mal mit“, spricht einer ihm Mut zu. „Okay!“ Zell nimmt die Leine kürzer, streckt sich und legt einen Schalter um. Das Mähwerk rattert los und plötzlich stürmen die drei Kaltblüter nach vorn, die er vor das historische Gefährt gespannt hat. Die Männer haben einige Mühe, sie zu beruhigen. „Ho hoo, ruhig – Anni ist etwas nervös“, kommentiert Zell die Aktion. „Die ist sensibel.“ Kurz darauf startet er einen erneuten Versuch. Dieses Mal gehts schon besser.

Mittlerweile haben sich auf dem Feld in Albringhausen hinter dem Hof Schumacher auch Zuschauer versammelt und beäugen neugierig die Aktion. Zell, Günter Hollmann, Clemens Harms und Helmut Voss drehen noch ein paar Probeläufe auf dem abgemähten Stoppelacker, bevor sie die eigentliche Aufgabe angehen. Sie wollen Roggen ernten.

„Damit unsere Aussteller beim Bauernmarkt am 8. und 9. September was zu dreschen haben“, erklärt Zell den Hintergrund der Aktion. Nun wäre es ja ein Leichtes, moderne Technik zu verwenden. Darum geht es den Freunden der Kaltblutpferde aber nicht. Sie haben sich dem alten Handwerk verschrieben, wollen, dass die traditionelle Landwirtschaft mit Pferden nicht in Vergessenheit gerät. Zu diesem Zweck präsentieren sie ihre Tiere und Gerätschaften in ihrer Freizeit auf Veranstaltungen.

Außerdem wäre eine moderne Ernte in Vorbereitung eines historischen Markts ein Stilbruch, finden sie. Im Übrigen verfügen sie über historische Maschinen, und sie zeigen sie auch gern. „Es ist gar nicht so einfach, die Geräte heute noch funktionstüchtig zu halten. Man bekommt kaum noch Teile“, erzählt Zell. Sein Mähbinder der Firma Fahr stammt aus dem Jahr 1958. „Der lief früher hier auf den Feldern in Albringhausen. Ich habe ihn Heinrich Kabbert abgekauft. Das Ding war damals eine wahre Revolution“, erzählt Zell. Die Maschine mäht und bindet gleichzeitig.

„Stimmt. Davor wurde das Binden noch mit der Hand gemacht, und zwar mit einem Strohhalm“, bestätigt der Eigentümer der Fläche, Heini Schumacher, der sich ebenfalls unter die Zaungäste gemischt hat. Er hat Zell erlaubt, einen kleinen Teil des Feldes abzuernten. „Ist schließlich fürs Dorf“, sagt Schumacher.

Albringhausen wird in diesem Jahr 950 Jahre alt. Den Geburtstag möchten Heimatverein und Einwohner gebührend feiern – unter anderem ist auf dem Hof Zell ein Bauernmarkt geplant. Aussteller präsentieren alte Handwerkskünste, bieten Kunsthandwerk und regionale Produkte an. Höhepunkt sollen die historischen Erntevorführungen sein. Mitglieder des Lanz Bulldog Clubs aus Oyten beispielsweise bringen eine alte Dreschmaschine mit. Noch können sich Aussteller anmelden. Ansprechpartner ist Ortsvorsteher Jürgen Laschinski (04241/3541, juergen.laschinski@t-online.de). Auch finanzielle Unterstützung kann das Team noch gut gebrauchen. Zell würde gerne einen Film vom Event drehen lassen, die CDs könnten später verkauft werden. Die Realisierung würde aber 500 Euro kosten.

Vieles wird derzeit von den Mitgliedern in Eigenleistung erbracht. Zell und seine Freunde haben Sponsoren für die Tombola gesucht, bereits Kartoffeln gepflanzt, damit die Besucher im September was zu ernten haben, derzeit bauen sie einen Ackerwagen, um das Getreide transportieren zu können. Auch das Gelände muss vorbereitet werden, damit alle Platz finden. Noch viel zu tun also für Mensch und Pferd. An diesem Tag haben die Vierbeiner allerdings nach einer Stunde Feierabend. Sie dürfen den Nachmittag auf der Weide genießen, während für die Männer die schweißtreibende Arbeit weitergeht. Sie stellen die Getreidebündel zu Hocken auf, damit sie trocknen können. Historische Landarbeit war Handarbeit.

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