Vom Ringelschwanz zur Schwarzgastronomie

Landvolk Mittelweser und Dehoga-Kreisverband „löchern“ Landtagskandidaten

Neubruchhausen - Von Hans-Jürgen Wachholz. Im Windschatten des Bundestagswahlkampfes von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen, kommt der Wettlauf der Kandidatinnen und Kandidaten zur vorgezogenen Landtagswahl langsam auf Touren.

„Wie haltet ihr es mit der Landwirtschaft – und wie mit der Gastronomie?“ wollten Landvolkverband Mittelweser und Dehoga-Kreisverband Grafschaft Hoya am Mittwochabend in Neubruchhausen von den Kandidaten der vier im Landtag vertretenen Parteien aus den Wahlkreisen 40 und 41 wissen. „Gelöchert“ wurden sie vom stellvertretenden Hauptgeschäftsführer des Landvolk-Landesverbandes Niedersachsen, Hartmut Schlepps, und dem Dehoga-Kreisvorsitzenden André Meyer.

Nach der Begrüßung durch Lüder Wessel, stellvertretender Kreisvorsitzender des Landvolks Mittelweser, und einer kurzen Vorstellungsrunde breiteten Schlepps und Meyer einen Thementeppich aus, der sich von der Ringelschwanzbeschneidung bei Ferkeln bis zur Schwarzgastronomie im ländlichen Raum spannte. Im Speeddating-Verfahren wurde die Position der Parteien zu einzelnen Punkten abgefragt. Zustimmung oder Ablehnung dazu konnten die anderen Kandidaten dem kleinen Publikumskreis lediglich per Körpersprache signalisieren.

Von den SPD-Kandidaten Luzia Moldenhauer (Bassum) und Bernhard Göllner (Marklohe) wollte Schlepps wissen: Was kann die Politik machen, damit der „Burn-out“ bei den Landwirten sich nicht fortsetzt? Die Antwort: Verlässliche Landwirtschaftspolitik nach einer klaren Linie gestalten – auch wenn nicht alle damit einverstanden sind. Dass trotzdem viel Ungewissheit bleibe, liege an vor Ort nicht beeinflussbaren globalen Entwicklungen, die bis in die heimischen Ställe durchschlügen.

Volker Meyer (Twistringen) und Frank Schmädeke (Heemsen) von der CDU wurden als erstes mit dem Thema Ringelschwanzkappung konfrontiert. Meyer votierte für eine ergebnisoffene Überprüfung der Erfahrungen mit Verzicht auf diese Maßnahme. Es müsse sichergestellt sein, dass eine vermeintliche Maßnahme zum Tierwohl nicht zu neuem Tierunwohl führe.

Wie ist die Position der FDP zur Rückkehr des Wolfes nach Niedersachsen? Dr. Marco Genthe (Weyhe) und Heiner Werner (Nienburg) sprachen sich für die Aufnahme Isegrims ins Jagdrecht aus. Die landwirtschaftlich geprägte Kulturlandschaft vertrage die überraschend schnelle Vermehrung des großen Räubers nicht. Den Beweis dafür habe die Wölfin von Goldenstedt geliefert.

Eine breite Diskussion leitete die Frage an Heinz-Jürgen Michel (Syke) von B90/Grüne und seinen Parteifreund Hans-Joachim Janßen (Varel) ein, der Helge Limburg (Holzminden) vertrat. Wie soll die EU-Förderung der Landwirtschaft aussehen – und was kann und darf die Landesregierung draufsatteln? Hierzu offenbarten sich die teils sehr unterschiedlichen Positionen der Parteien. Gemeinsame Schnittmengen ergaben sich aber dahingehend, dass Zeiträume für von der Politik geforderte Auflagen und Umstellungen nicht zur wirtschaftlichen Überforderung und nicht zur Benachteiligung gegenüber anderen EU-Ländern führen dürfe. Einig waren sich die Politiker in der Forderung nach Bürokratieabbau und darin, dass der Landwirtschaft und ihren Produkten von Politik und Verbrauchern mehr Wertschätzung erwiesen werden sollte. Angeregt wurde, den Kindern schon in der Grundschule zu vermitteln, dass „Essen nicht in Kartons oder Regalen wächst“.

Für die von Meyer vorgetragenen Sorgen der Gastronomie, die sich zunehmend durch private Großpartyveranstalter und Schwarzgastronomie etwa in Vereins- und Dorfgemeinschaftshäusern in ihrer Existenz bedroht fühlen, hatten die acht Landtagskandidaten großes Verständnis. Ebenso für die Notwendigkeit einer Lockerung der Bestimmungen zu flexiblen Arbeitszeiten. Ungeteilten Beifall fand auch die Forderung nach einer Entwirrung der Mehrwertsteuersätze bei Lebensmitteln. Allerdings sahen die Kandidaten sich hier nicht als Ansprechpartner.

Rubriklistenbild: © dpa

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