Mähtod verhindern

Rettet Bambi! Jäger und Anwohner suchen Rehkitze auf Feldern

Gut versteckt: Rehkitze fühlen sich in hohem Gras sicher und geschützt. Foto: DPA
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Gut versteckt: Rehkitze fühlen sich in hohem Gras sicher und geschützt.

Nordwohlde - Für viele Landwirte steht im Mai die erste Grün-Mahd an. Und für viele Wildtiere ist im selben Zeitraum die Brut- und Setzzeit. Zum Beispiel bei Rehwild.

Ricken legen ihre Kitze in hohen Grasfeldern ab. Dort wähnen sie sie sicher und geschützt. Da die Kitze in den ersten zwei bis drei Lebenswochen noch keinen eigenen Fluchtinstinkt entwickeln, sollen sie auf andere Art und Weise vor dem Mähtod bewahrt werden.

Lars Köpke ist ansässiger Jäger in Nordwohlde. Mit einem zusammengetrommelten Team aus Jungjägern hat er sich am Mittwochabend auf die Suche nach Rehkitzen begeben. Zuvor hatte er einen Aufruf auf Facebook mit dem Titel „Kids for Kitz“ gestartet, dem einige Anwohner und Kinder folgen. Sogar ein Hund ist mit dabei. Anton ist sein Name. Er hat gerade die Stöberprüfung bestanden. Alle Helfer tragen entweder Gummistiefel oder stecken zumindest ihre Hosen in die Socken. Denn nun geht es ins hohe Gras – ein Paradies für Zecken und andere Spinnentiere oder Insekten. Und eben auch für Ricken und ihre Kitze. Um diese aufzusuchen, sind alle Helfer ausgestattet mit einem langen Stock oder Besenstiel. Damit lässt sich das Gras einfacher zur Seite schieben, um bis auf den Boden schauen zu können und ganz sicher zu gehen, dass kein Kitz übersehen wird.

Gegen den Mähtod: Rehkitze nicht einfach berühren

Zu Anfang erklärt Köpke denjenige, die zum ersten Mal bei der Aktion helfen, was zu tun ist, falls sie ein Kitz im Gras finden. Zunächst sollen sie Latexhandschuhe anziehen, um das Jungtier aufzusammeln, und etwas Gras herauszupfen und in die Hände nehmen. „Die Kitze dürfen auf keinen Fall mit den bloßen Händen berührt werden“, erklärt er. Warum? Der menschliche Duft könne dafür sorgen, dass das Jungtier von seiner Mutter verstoßen wird und verhungert. Es wird an den Feldrand oder einen angrenzenden Wald gelegt. Die Ricke würde das Kitz später wieder aufsuchen und mit an einen anderen Platz nehmen. Da das Feld mit Menschengeruch durchtränkt ist, würden sich die Tiere dort nicht mehr hinein wagen.

Auch Kinder helfen bei der Rehkitz-Suche mit.

Also geht es kurz vor der Dämmerung los. Die Helfer verteilen sich in regelmäßigen Abständen, in einer Linie am Feldrand und schreiten mit gleichmäßigen Schritten voran. Der Stock schwingt dabei von links nach rechts und wieder zurück, der Blick geht mit. Aus der Ferne hört man ein Rascheln, dann ein aufgeregtes Flattern und Krähen. Ein einzelner Fasan schreckt aus der Wiese hoch, schimpft und fliegt davon. Eier sind keine zu finden. Und auch keine Ricken oder Kitze. Bloß „verdächtige Stellen“ – aber davon eine ganze Menge.

Wenn die Ricke ein Feld verlässt - wo ist das Kitz?

Diese Stellen sind an platt gelegenem Gras zu erkennen. Wenn die Halme sich schon wieder gerade biegen, könne es aber sein, dass die Tiere schon wieder eine ganze Weile weg sind. „Manchmal kann man aber noch Wärme fühlen“, erklärt Köpke, während er eine der verdächtigen Stellen inspiziert. In so einem Fall müsse man sich im Umkreis von etwa zehn bis 15 Metern behutsam umschauen. Das Kitz könne auch ein paar Meter entfernt liegen. Köpke hält seine Hand dicht am Boden und fühlt. Doch da ist nichts, keine Wärme. Er erzählt, dass sein Jäger-Kollege ein paar Stunden zuvor gesehen hätte wie eine Ricke das Feld verlassen hatte. Vielleicht lag sie dort mit ihrem Kitz.

Solche Stellen gibt es am Ende des Tages viele, doch ein Rehkitz hat der Such-Trupp nicht gefunden. Das ist eigentlich ein positives Ergebnis, doch das Gefühl, ein Junges gefunden und vor dem Mähtod bewahrt zu haben, sei laut Köpke unglaublich schön. Würde ein Kitz übergemäht werden, wäre das nicht nur grausam, sondern auch für den Landwirt eine unschöne Angelegenheit. Wenn er das Gras an Rinder verfüttert, kann das Futter durch den Reh-Kadaver verunreinigt werden. Dadurch würde das Rind am sogenannten Botulismus erkranken, sich also vergiften. So sollen in der Vergangenheit schon einmal 420 kalifornische Rinder innerhalb einer Woche aufgrund eines im Futter beigemengten Katzenkadavers gestorben sein. Dem Landwirt drohe ein Image-Schaden.

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