Realschüler testen den Alltag mit Hilfe von Babysimulatoren

Eltern für zwei Tage und zwei lange Nächte

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Leon und Kendra betreuen ein Zwillingspaar.

Bassum - Von Frauke Albrecht. Noch haben Kim und Christine gut lachen. Ihr Baby Mika Jonas hat gut geschlafen. Lediglich zwei Mal hat er sie mit lautem Gebrüll aus dem Tiefschlaf gerissen. Kurz, aber heftig. „Der kann ganz schön laut schreien“, erzählt Kim und zückt ihr Handy. Sie hat das Gebrüll aufgenommen.

Mika Jonas ist kein echtes Baby, sondern eine Puppe, aber eine realistische. Eine amerikanische Firma hat die RealCare Babys entwickelt. Der Babysimulator ist 53 Zentimeter groß und wiegt etwa 3500 Gramm. Er simuliert den Tagesablauf echter Säuglinge. Die Eltern auf Probe müssen das Baby füttern, es im Arm halten, wickeln und dafür sorgen, dass es Bäuerchen macht. Bekommt es die Flasche, gibt es Schluckgeräusche von sich und gluckst zufrieden. Wird es grob behandelt, schreit es. Der Babycomputer zeichnet alle Details der Versorgung auf.

„Noch geht es allen Babys gut“, freut sich Lehrerin Anika Bahns, die das Projekt betreut. 14 Mädchen und ein Junge der zehnten Realschulklassen der Oberschule Bassum haben sich bereit erklärt, das Elterndasein auszuprobieren. Bis auf Leon haben sich alle Jungs dafür entschieden, die Technik zu überwachen.

„Ziel ist es, dass die Jugendlichen den Alltag mit einem Baby kennenlernen“, erzählt Bahns. Sie sollen lernen, Verantwortung zu tragen. Das Projekt nennt sich Babybedenkzeit und ist eingebunden in den Religionsunterricht. Finanziert wird es vom Landkreis Diepholz.

Zwei Tage und zwei Nächte dürfen die Schüler die Babys behalten. „Das ist eigentlich zu kurz“, weiß auch Kerstin Emke, die vor Anika Bahns das Projekt viele Jahre lang betreut hat. Doch die Nachfrage sei mittlerweile groß. Es gibt zu viele Schulen, zu wenig Puppen. Die Simulatoren sind teuer. Jedes Baby kostet 1200 Euro.

Insgesamt gibt es 15 Programme. „Wir verzichten aber auf die Schreikinder“, erzählt Anika Bahns. Der erste Tag verlief für die meisten relativ ruhig. Laura und Tabea hatten etwas Pech, ihr Kind war noch nicht vollständig aufgeladen.

„Die zweite Nacht wird nicht so entspannt wie die erste“, prophezeit ihre Lehrerin. Denn die Jungs haben an diesem Morgen die Programme der Simulatoren neu eingestellt. Keiner soll sich an einen Rhythmus gewöhnen. Das gibt es im wirklichen Elternalltag schließlich auch nicht.

Kerstin Emke weiß aus Gesprächen mit Kollegen von anderen Schulen, dass schlechte Behandlungen der Dummys durchaus vorkommen. Wie schnell ein Schütteltrauma eintreten kann, zeigt eine Puppe mit gläsernem Kopf. „Da können die Jugendlichen direkt sehen, was Schütteln im Gehirn verursacht und vor allem, wie schnell ein Kind sterben kann“, berichtet Kerstin Emke.

Die Jugendlichen wissen das und gehen behutsam mit den Simulatoren um. „Man schaukelt schon automatisch“, sagt Kim und wiegt den kleinen Mika im Arm. Auch Miriam hat ihren Jack im Arm und hält die Flasche. Die Jungs am Nachbartisch haben eine Vorrichtung gebaut, damit sie die Flasche nicht halten müssen. „Typisch Jungs“, quittieren die Mädels die Aktion.

Das Projekt finden alle interessant und auch lustig. Keiner möchte jedoch zu früh Mutter oder Vater werden. „Mit 25 vielleicht“, sagt Christine. Erst mal Schule und Ausbildung beenden und sicher im Leben stehen.

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