Zukunftstag am Donnerstag

Raus aus dem Klischee

Torben Müller ist absolut glücklich in seinem Job. Genauso wie...
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Torben Müller ist absolut glücklich in seinem Job. Genauso wie...

Typisch Frauenberuf, typisch Männerberuf? Der Zukunftstag soll mit solchen Klischees aufräumen. Bassums Gleichstellungsbeauftragte Christine Gaumann rät, ihn zu nutzen und sich von Rollenbildern zu lösen.

  • Noch immer gibt es typische Frauen- und Männerberufe.
  • Am Zukunftstag soll mit diesen Klischees gebrochen werden.
  • Mariam Jaber und Torben Müller erzählen von ihren Erfahrungen.

Bassum – „Bist du sicher, dass du Erzieher werden willst? Verdienst du da denn genug? Ist das nicht eher was für Frauen? Geh doch lieber zur Bundeswehr.“ Torben Müller schmunzelt, als er an die Einwände zweier Verwandter denkt, denen er seinen Berufswunsch verkündete. Heute ist er schon seit zwei Jahren Erzieher im Bassumer Kindergarten Kinderreich, rundherum zufrieden und froh, nicht auf klischeelastige Ratschläge gehört zu haben.

Genauso geht es Mariam Jaber. „Mach das lieber nicht, da sind doch nur Männer“, hieß es zu ihrem Traumjob. Und es stimmte. Als sie das erste Mal ihr Seminar im Studiengang Fachinformatik betrat, war sie die einzige Frau unter 30 Männern. „Der eine sagte zu mir: Ich glaube, du bist hier falsch, Kosmetik und Modedesgin ist nebenan.“ Auch Jaber kann heute über solche Sätze nur lachen. Inzwischen ist sie IT-Administratorin bei der Firma KMH Kammann Metallbau in Bassum, sorgt unter anderem für den Datenschutz der Firma und studiert nebenbei Forensic Engineering – also die Bekämpfung von Cyberkriminalität.

Müller und Jaber haben sich beide für einen Beruf entschieden, in dem ihr jeweiliges Geschlecht eher schwach repräsentiert ist. Der Start war deswegen für beide nicht leicht – aber sie sind ihren Weg gegangen. Und genau das wünscht sich Bassums Gleichstellungsbeauftragte Christine Gaumann für alle Jungen und Mädchen, die sich fragen, welcher Beruf wohl zu ihnen passen könnte. „Ich möchte jeden dazu ermutigen, genau den Beruf zu ergreifen, der einem gefällt.“

Zukunftstag soll Impulse geben

Leider sei es so, dass noch immer viele Jugendliche gängigen Klischees folgen oder sich von ihrem Umfeld beeinflussen lassen. Die meisten Frauen arbeiten in personenbezogenen, die meisten Männer in Produktions-Berufen. Der Zukunftstag soll Impulse geben, mal aus alten Mustern auszubrechen. Aufgrund von Corona entfällt dieser Schnuppertag jedoch in vielen Betrieben am morgigen Donnerstag. Aber ganz sang- und klanglos verstreichen lassen will ihn Gaumann auch nicht. Dazu sei seine Botschaft zu wichtig. Immerhin geht es darum, seinen Traumberuf zu finden.

Torben Müller hat ihn bereits gefunden. Wenn er von seiner Arbeit im Kinderreich spricht, merkt man, dass er sie wirklich gerne macht. „Jeder Tag ist anders, du kannst viel selber bestimmen und entscheiden, wie du den Tag mit den Kindern gestaltest. Außerdem wissen viele nicht, dass die Ausbildung vielfältige Möglichkeiten bietet. Man kann im Kindergarten arbeiten, aber auch in der Krippe, im Hort oder auch im Heim mit Jugendlichen.“

Schade sei, dass einige Eltern männlichen Erziehern mit Misstrauen begegnen und beispielsweise nicht wollen, dass diese ihr Kind wickeln. „Manche sagen auch, dass wir das nicht so gut können wie Frauen.“ Doch damit hat Müller gelernt umzugehen. Er sucht das Gespräch mit den Eltern, akzeptiert aber auch deren Ansichten. „Aber die meisten haben damit kein Problem. Ich bin komplett glücklich auf meiner Arbeit.“

Vorurteile im Alltag

Mariam Jaber geht es genauso – auch wenn sie mit einigen Vorurteilen zu kämpfen hatte. Nach etwa drei Wochen hätten ihre Kommilitonen ihren Schreck über die einzige Frau in der Runde überwunden und sie hätten sich gut verstanden.

Als sie jedoch ihre ersten praktischen Erfahrungen während des Studiums sammelte, schlug ihr das Misstrauen einige Male erneut entgegen. „Die Leute waren nicht begeistert, dass da eine Frau kam, um ihnen bei IT-Problemen zu helfen. Aber darauf war ich vorbereitet. Und es gab ja auch viele, die sehr positiv reagiert haben.“ Wichtig sei es, Grenzen zu setzen. „Einmal haben mir drei Männer bei meiner Arbeit auf die Finger geschaut.“ Ein weiteres Mal habe sie sich das nicht gefallen lassen.

Anders sei es nun bei KMH, wo sie gemeinsam mit einem Mann für die IT-Abteilung zuständig ist. „Da gibt es keine blöden Kommentare“, sagt Jaber lächelnd. Sie ist nach wie vor fasziniert von der Vielfalt ihres Jobs und den vielen Möglichkeiten, die er ihr bietet.

Welche Wünsche haben sie und Müller zum Zukunftstag? „Ich finde, die IT sollte weiblicher werden“, sagt Jaber. „Werbung für den Beruf sollte beide Geschlechter zeigen und schon an den Schulen könnten Angebote gemacht werden. Es gibt sogar spezielle Studiengänge nur für Frauen – aber sie sind relativ unbekannt.“ Torben Müller wünscht sich, dass das Geschlecht keine Rolle spielt, sondern der Mensch gesehen wird. „Es sollte normal sein, wenn auch mal zwei Männer zusammen eine Gruppe betreuen.“

Was beide allen Jugendlichen ans Herz legen wollen, ist, mehrere Praktika zu machen und „einfach mal auszuprobieren, was einem Spaß macht“.

Info

Unter den Adressen www.girls-day.de und www.boys-day.de gibt es im Internet am Zukunftstag Live-Streams verschiedener Firmen und zahlreiche Infos zu Berufen, Ausbildungen und auch einigen Studiengängen.

... Mariam Jaber. Beide mussten gegen Vorurteile kämpfen.

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