Anlieger in Kätingen entsetzt

Kahlschlag am Kalksandsteinwerk: „Räumen den Wald auf“

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Jürgen Schierholz zeigt die abgerodete Fläche. Zur Orientierung: Auf dem kleinen Bild ist links das Kalksandsteinwerk zu sehen.

Kätingen - Von Frauke Albrecht. Für den einen ist es eine Durchforstung, für den anderen eine Rodung: Hinter dem Kalksandsteinwerk in Kätingen wurden kürzlich Bäume gefällt. Die Anwohner sind entsetzt.

„Ich wollte meinen Augen nicht trauen beim letzten Waldspaziergang. Am Rande einer alten Sandkuhle, wo einst gesunder Wald stand, plötzlich ein Kahlschlag“, regt sich Jürgen Schierholz auf, erster Vorsitzender der Bürgerinitiative für Landschafts- und Umweltschutz Nordwohlde-Fahrenhorst. Er fragt sich, ob es eine Ersatzmaßnahme gibt.

„Wir räumen doch nur den Wald auf. Es handelt sich um eine Durchforstungsmaßnahme“, erklärt der Geschäftsführer des Werks Uwe Kraemer. Eine Ersatzmaßnahme sei daher nicht geplant. „Das machen sie ja auch nicht zu Hause, wenn sie ihren Garten aufräumen.“

Vorerst kein Sandabbau

Das Kalksandsteinwerk hat vor einigen Monaten ein neun Hektar großes Waldstück gekauft, wir berichteten. Die Durchforstung war bereits im Januar angekündigt worden. Sand soll vorerst nicht abgebaut werden. „An dieser Aussage hat sich auch nichts geändert“, sagt Kraemer. Er ärgert sich, dass die Anlieger bei Fragen nicht direkt die Betriebsleitung ansprechen. „Wir stehen jederzeit für Gespräche zur Verfügung. Vieles klärt sich im Dialog“, ist der Geschäftsführer überzeugt.

Die Bürgerinitiative sei sehr an einem Dialog interessiert, meint Schierholz. Er ist aber komplett anderer Meinung als Kraemer: „Das ist keine Durchforstung. Das ist eine Rodung – der Jagdpächter nannte es verbrannte Erde. Wer auch immer das gemacht hat. Mich würde interessieren, ob das erlaubt ist.“

Eine Antwort darauf hat er Freitag nicht mehr bekommen. Denn der zuständige Sachbearbeiter bei der Unteren Naturschutzbehörde ist erst nächste Woche wieder im Büro, wie eine Anfrage der Kreiszeitung ergab.

Bürgerinitiative fürchten weiteren Kahlschlag

Schierholz fürchtet, dass in Zukunft rund um das Werk noch mehr Kahlschlag betrieben wird. „Vor gut zwei Jahren hat das Kalksandsteinwerk an der Grenze Fahrenhorst zu Kirchseelte, Nähe Herrgottswinkel, etliche Hektar Wald abgeholzt. In dem ganzen Gebiet längs des Weges nach Kätingen wurde nun, nach jahrelangem Trockenabbau, auch noch Nassabbau genehmigt. Vor diesem Hintergrund ist dieser Kahlschlag für mich umso unverständlicher. Unsere natürliche Gegend, wie zum Hohn auch noch Landschaftsschutzgebiet betitelt, hat schon genug gelitten.“

Die durch den Sandabbau der vergangenen Jahrzehnte entstandenen Löcher seien nie rekultiviert worden, sagt Schierholz. Man habe die Natur sich selbst überlassen. „Warum wird das Werk nicht verpflichtet, die gesamte Sandgrube Köster endlich aufzuforsten?“

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